Die Geheimtreffen der Bilderberger

Im Mai 1954 hat im niederländischen Hotel „De Bilderberg“ in Oosterbeek, einem Vorort von Arnheim, zum ersten Mal ein Treffen einflussreicher Politiker und Wirtschaftsmagnaten stattgefunden – aus dem heute wohl das meistdiskutierte und sagenumwobenste „Geheimtreffen“ der Weltelite entstanden ist: das Bilderberger-Treffen.

In dem Gesprächskreis aus europäischen und amerikanischen Spitzenkräften, initiiert von Prinz Bernhard der Niederlande auf Drängen des Literaturwissenschaftlers Jozef Retinger, sollte zu Beginn des Kalten Krieges der transatlantische Dialog belebt werden. Seither treffen sich die „Bilderberger“, wie die Gruppe vereinfacht genannt wird, einmal im Jahr jeweils in einer anderen Stadt auf der Welt.

Geheimniskrämerei um Themen und Teilnehmer

Was die Konferenz von anderen Aufeinandertreffen prominenter Persönlichkeiten unterscheidet, etwa von den regelmäßigen G8-Gipfeln oder Weltwirtschaftstreffen, ist die Geheimniskrämerei über die Teilnehmer und Inhalte der Treffen. Fotografen – bis auf einige, die selbst zum elitären Zirkel gehören – sind unerwünscht und werden von den zahlreichen Polizisten und Bodyguards, die das Hotel während der dreitägigen Konferenz hermetisch abriegeln, vom Informations- und Bilderfluss ferngehalten. Erst später, meist nachdem die Presselandschaft bereits über durchgesickerte Details berichtet, werden unspektakuläre Oberflächlichkeiten auf der offiziellen Internetseite publiziert.

Eines steht allerdings fest: die zumeist 120 bis 130 Teilnehmer sind die einflussreichsten der Weltpolitik und Weltwirtschaft. Von Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angefangen, bis hin zu Ex-US-Außenminister Henry Kissinger waren alle internationalen Politgrößen schon einmal vertreten. Ähnlich verhält es sich mit den ökonomischen Global Playern wie David Rockefeller oder Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank. Kein Wunder also, dass Kritikern viel Stoff für Theorien geliefert wird, die Bilderberger als „virtuelles Spinnennetz von ineinandergreifenden finanziellen, politischen und industriellen Interessen“ seien an der Ölkrise in den Siebzigerjahren, der deutschen Wiedervereinigung, dem Irak-Krieg und der aktuellen Wirtschaftskrise Schuld.

Fischer, Bronner und Scholten angeblich dabei

Das diesjährige Treffen der Bilderberg-Gruppe fand vom 3. bis 6. Juni in dem kleinen, zwanzig Kilometer von Barcelona entfernten exklusiven Hotel „Dolce“ (Bild) in der spanischen Provinz Sitges statt. Aus Österreich sollen Oscar Bronner vom Standard, Bundespräsident Heinz Fischer (SPÖ) und Rudolf Scholten, Chef der Kontrollbank, daran teilgenommen haben. Bundeskanzler Werner Faymann, der im Vorjahr in Athen dabei war und damals durch einen Bericht der „Kronen Zeitung“ in Erklärungsnotstand geriet, zog es diesmal vor, sich auf den SPÖ-Parteitag vorzubereiten.

Auch diesmal wurden die Inhalte der Konferenz der Öffentlichkeit verborgen. Laut diversen Medienberichten sollen jedoch finanzwirtschaftliche Aspekte und Problemstellungen bei diesem Treffen im Vordergrund gestanden sein. Ebenso sollen außenpolitische Aspekte, welche in die Kompetenz des Bundesministeriums für auswärtige Angelegenheiten fallen, bei diesem Treffen besprochen worden sein. Eine parlamentarische Anfrage der FPÖ-Nationalratsabgeordneten Susanne Winter an Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) blieb ohne zufriedenstellende Antwort. Argumentiert wird, wie so oft, dass es sich bei den Bilderberg-Treffen um privat organisierte Zusammenkünfte von Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Politik und Medien zum informellen Meinungsaustausch auf internationaler Ebene handelt.

Winter: „Zirkel agiert abgehoben von den Interessen der Bevölkerung!“

Da gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise aber von den politischen Verantwortungsträgern Transparenz ihres Handelns eingefordert werden muss, ist die Geheimhaltung der Themenstellung gegenüber der Bevölkerung nicht zu dulden, meint die FPÖ-Abgeordnete Susanne Winter und stellt fest: „Die Tatsache, dass sich angeblich elitäre Zirkel anmaßen, über das Wohl und die Zukunft von Staaten zu entscheiden, zeigt wie abgehoben und fern diese Organisationen von den Interessen der Bevölkerung agieren!“

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