Who loves Vienna? Die SPÖ eher nicht!

Am Samstag, 18. September 2010, fand im Wiener Rathaus das große "I love Vienna"-Clubbing statt. Laut eigener Webseite sowie Facebook-Seite soll die Aktion "I love Vienna" einfach nur die "längste Liebeserklärung der Welt an die Stadt Wien" werden. Die Besucher werden aufgefordert, eigene Videos und Statements hochzuladen und sich an den Liebeskundgebungen zu beteiligen.

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Veranstalter ist SPÖ-Tochterunternehmen

Betrachtet man die Webseite etwas genauer, kann man neben SPÖ-nahen Partnern wie der Wien-Holding auch feststellen, dass im Bereich der "Promi-Statements" zu Wien fast ausschließlich Personen zu finden sind, die relativ eindeutig als Sympathisanten wenn nicht sogar als Mitgliedern der SPÖ gelten. Am Ende jeder einzelnen Seite sind zusätzlich zwei Verlinkungen zu den Web-Seiten Mission 2010 und Stimmen für Häupl zu finden. Kein Wunder: Medieninhaber ist die Echo Medienhaus GesmbH, die über zwei Umwege (Verein Wiener Arbeiterheime und Allgemeine Wirtschaftsholding) zu 100 Prozent der SPÖ Wien gehört.

BildAuch Wahlkampfveranstaltungen unter dem Deckmantel des Mottos "I love Vienna" haben bereits stattgefunden. Die wahrscheinlich größte war das "I love Vienna"-Clubbing am 18. September im Rathaus mit vielen Sponsoren aus dem SPÖ-nahen Umfeld. Doch wie es dort zugegangen ist, lässt eher vermuten, dass die Veranstalter mehr das Geld und die Publicity liebten als die Wiener selbst. Ein Mitarbeiter von Unzensuriert.at war vor Ort und berichtet über Organisation und den Ablauf dieses Clubbings:

Warten in der Kälte – 20 Euro Eintritt für nichts

Schon zu Beginn wurde die Stimmung getrübt, als man sich bei Temperaturen unter 20 Grad im Freien beim Seiteneingang des Rathauses anstellen durfte. Begrüßt wurde man durch ein unfreundliches "Taschen auf". Wenn man diesem Kommando nicht unmittelbar Folge leistete, wurde man in unfreundlichem Ton aufgefordert, sich zu beeilen. Im Anschluss ging es weiter zur Kassa, wo als Eintrittspreis stolze 20 Euro verlangt wurden. Auf Nachfrage, ob man dafür wenigstens ein Gratisgetränk bekomme, meinte man nur, dass man ja jederzeit gehen könne, wenn einem etwas nicht passt. Diesem Rat folgten auch einige (leider wenige) Personen, die sich dieses unfreundliche Verhalten nicht gefallen ließen.

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Im Anschluss an die Bezahlung des Eintrittspreises wurden man dann gleich wieder von einem Security gefragt, ob man schon bezahlt habe und bei positiver Beantwortung der Frage sofort angeschnauzt, dass man dann gefälligst sofort den Weg frei machen und weitergehen solle. Da der Großteil des Publikums aus Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren bestand, ist es kein Wunder, dass die Sicherheitsleute sich so ein Verhalten erlauben konnten, schließlich ist man in diesem Alter meist noch zu schüchtern, um sich gegen die vermeintliche Autorität zur Wehr zu setzen. Doch auch wenn man es versuchte, lief man Gefahr – trotz der Zahlung von 20 Euro für eigentlich nichts – von der Veranstaltung entfernt zu werden.

Rauchen im Rathaus nur für wichtige Söhne und Töchter

Nach betreten des Rathausgeländes wurde schnell klar, dass wohl im Arkadenhof ein Outdoor-Dancefloor mit einer eigenen Raucherzone errichtet wurde. Die restlichen 4 sogenannten Floors befanden sich im oberen Stockwerk des Rathauses. Überall waren deutlich sichtbar – gemäß den gesetzlichen Vorschriften in öffentlichen Gebäuden – Rauchverbotsschilder aufgestellt. Dieses Verbot wurde zu Beginn auch vorbildlich eingehalten. Doch als man dann den Main Floor betrat, sah die Sache ein wenig anders aus. In der Mitte des Raumes waren erhöht und mit Bannern umrandet Sofas und Tische als VIP-Area aufgebaut, deren Betreten von den Securities strikt kontrolliert wurde. Abgesehen davon, dass die Personen im VIP-Bereich Sitzmöglichkeiten sowie ihren eigenen abgeschirmten Bereich hatten, durften sie auch – mitten im Rathaussaal – rauchen.

Nach mehrmaligem Nachfragen bei den Securities bekam man nur die Antwort, dass dies Söhne und Töchter wichtiger Personen des öffentlichen Lebens seien und man diesen doch nicht verbieten könne zu rauchen. Nach einiger Zeit nahm der Unmut über diese Bevorzugung der anscheinend so wichtigen Personen im "VIP-Bereich" immer mehr zu ,und die ersten Gäste im "normalen" Bereich begannen, sich Zigaretten anzuzünden. Aber so schnell konnte man gar nicht schauen, waren Securities zur Stelle, entrissen den Gästen ihre Zigaretten und drohten mit Rauswurf.

Teure Getränke und schlechte Musik führen zu Besucherflucht

Gegen 1.30 Uhr wurden die Regeln nicht mehr so streng exekutiert. Der Raum war mit Rauch gefüllt, leider jedoch auch mit Alkoholleichen und pöbelnden Personen. Trotz großer Besucheranzahl zu den Spitzenzeiten zwischen Mitternacht und 2 Uhr nahm diese bis 3 Uhr rasant ab. Laut Nachfrage bei einigen Gästen lag dies daran, dass die Getränkepreise, vor allem für antialkoholische Getränke, viel zu hoch waren und die Musik nicht entsprach.

Es zeigte sich deutlich, wie sehr die Veranstalter "ihre Wiener" lieben – im Vergleich zu den VIPs offensichtlich nur in Maßen. So erreichen sie ihr Primärziel, nämlich fleißig Stimmen für die SPÖ zu sammeln, sicher nicht. Aber das wird sich ja am 10. Oktober zeigen.

Fotos: Schreenshot Facebook / Stefan Johan

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