Farage bei der Euro-Konferenz: Die EU entscheidet, Deutschland zahlt

25. September 2010 - 17:04

So lautete die Kritik des britischen Europaabgeordneten Nigel Farage. Der hagere Brite mit seiner etwas abgewetzten Aktentasche ist Sprecher der United Kingdom Indepenet Party, einer sehr erfolgreichen brüsselkritischen Bewegung, die bei den letzten Wahlen zum Europaparlament mehr Stimmen erreichte als die damals noch regierende Labour Party.

Nigel Farage bei der Konferenz "Der Euro vor dem Zusammenbruch"Farage (rechts im Gespräch mit Konferenzteilnehmern) mahnte die Bewohner Kontinentaleuropas, gegen die Errichtung eines EU-Imperiums anzukämpfen und aus der Geschichte nicht nur Schuldkomplexe abzuleiten, sondern Lehren aus ihrem Verlauf zu ziehen: „Wenn man heute nach Nordafrika reist, kann man, zum Beispiel n der heißen Wüste Ägyptens die Ruinen üppiger Gebäude des ehemals mächtigen Römischen Imperiums sehen. Die Überreste der Gerichtsgebäude, der Paläste und Sportstätten des Römischen Imperiums sind über den ganzen Kontinent verteilt und über andere. Den Leuten wurde damals beigebracht, dass das Römische Imperium für immer bestehen würde, dass es unbesiegbar, unzerstörbar – und vor allem unvermeidlich wäre. Dass es keine Alternative gäbe, außer gehorsam zu sein und sich seiner politischen und militärischen Macht zu unterwerfen.“

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Die Geschichte hat bewiesen, dass auch die Macht römischer Kaiser und Feldherrn Grenzen kannte und das dekadente Rom in seine Grenzen gewiesen. Multikulturelle Gesellschaften und Weltreiche zerfallen, dafür lassen sich viele Beispiele anführen: das Reich Alexanders des Großen und Rom. In näherer Vergangenheit die Donaumonarchie, das Osmanische Reich der Kalifen und Sultane ebenso, wie die Sowjetunion in den 90ern. „Sie sind all abgetan, ihre ehemals stolzen Monumente sind vom Sand der Zeit bedeckt“, beendet Farage die historische Rückschau.

Nigel Farage bei der Konferenz "Der Euro vor dem Zusammenbruch"Die in Brüssel und Straßburg ansässige Eurokratie ist dabei, ein weiteres Imperium auf tönernen Füßen zu errichten – auch dieser Versuch wird sich dem Lauf der Dinge nicht entziehen können. Unter dem Schlagwort des „Friedensprojektes Europa“ werden die Völker Schritt für Schritt ihrer Selbstbestimmung beraubt. Die Gemeinschaftswährung beraubt einige von ihnen ihres Wohlstandes. Der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl fasste diese Entwicklung in einem Satz zusammen: „Die Europäische Einigung ist eine Frage von Krieg und Frieden … und der Euro ist Teil unserer Garantie für Frieden.“

"Deutschland muss seinen Schuldkomplex endlich überwinden!"

Ganz im Gegensatz zur Mehrheit deutscher Politiker rief Farage Deutschland auf, wieder stolz auf sich, seine Geschichte und seine Bedeutung zu sein: „Deutschland muss seinen Schuldkomplex endlich überwinden. Der Rest der Welt hat sich offensichtlich weiterentwickelt und begangenes Unrecht verziehen. … es ist der Kriegsschuldkomplex, der viele Politiker emotional dazu gepresst hat, die EU-Integration zu unterstützen und zu finanzieren. Aber die gute Nachricht ist, dass die Welt Deutschland verziehen hat und dass die Zeit der Kriegsreparationen (die jetzt als EU-Subventionen gezahlt werden), vorbei ist. Die momentane Situation sieht so aus, dass die EU entscheidet während Deutschland zahlt.“

Während ausländische Politiker die Bundesrepublik dazu auffordern, die Rolle des Financiers europäischer Armenhäuser abzuschütteln und zu einem längst überfälligen Nationalbewusstsein zu finden, nützt Merkel die Krise für das Gegenteil. Die EU brauche der Kanzlerin zufolge mehr Macht, um künftige Krisen verhindern zu können. Außerdem natürlich mehr Geld, aber das wird Deutschland selbstverständlich auf den Tisch legen. „More oft he same“, nannte der smarte Brite diese chronische Unterwürfigkeit.

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