FPÖ räumt in der Steiermark ab – Verliererduell um Landeshauptmann

Das Schönreden von Wahlniederlagen gehört sicherlich nicht zu den leichtesten Übungen in der Politik. Aber SPÖ und ÖVP haben mittlerweile schon Übung. Nach der Landtagswahl in der Steiermark traten sie dabei mit gewieften Strategien an, die nur daran scheiterten, dass beide Parteien die gleiche Strategie hatten und zwar: die großartige Aufholjagd.

Aufholjagd war bei Rot und Schwarz das Wort des Abends. Wenn man den Generalsekretären, Geschäftsführern, Spitzenkandidaten und Klubobleuten so zuhörte, musste man annehmen, dass die beiden Parteien in den letzten zwei Wochen zusammen 50 Prozent der Wählerstimmen "aufgeholt" hatten. Fragt sich nur, wo die vorher waren.

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Tatsächlich aufgeholt hat nur die FPÖ – und zwar gegenüber den Umfragen, die in den Wochen vor der Wahl kursierten, von denen die meisten den Freiheitlichen nur zwischen 6 und 8 Prozent Zustimmung gaben.

Hier noch einmal die Zusammenfassung der Ereignisse vom Wahlabend:

18 Uhr: Schneller als erwartet liegt das vorläufige Endergebnis vor: Die SPÖ behauptet mit 38,4 Prozent vorerst einen Vorsprung von 1,3 Prozentpunkten auf die ÖVP. Die FPÖ erobert ganz klar Platz 3 mit 10,8 Prozent und erhält rund doppelt so viele Stimmen wie die Grünen, die ebenfalls Platz drei als Ziel angegeben hatten. Auch die Kommunisten bleiben knapp im Landtag, das BZÖ scheitert.

Graz hat die Entscheidung gebracht. Die SPÖ hat dort trotz enormen parteiinterner Querelen im Vorfeld nur wenig verloren und liegt mit 32 um 4 Prozentpunkte vor der ÖVP. Die FPÖ erreicht in Graz mit 12,34 Prozent ein besseres Ergebnis als im Landesschnitt, beibt aber knapp hinter den Grünen.

Die Meinungsforscher rechnen damit, dass Voves auch nach Auszählung der Briefwahlstimmen vorne bleibt. Sowoh Rot als auch Schwarz können mit Hilfe der FPÖ den Landeshauptmann stellen. Einigen sich die beiden Verliererparteien auf eine Zusammenarbeit, so bleibt wohl Voves im Amt.

17 Uhr: Entgegen der von der ÖVP behaupteten "Aufholjagd" wird der Vorsprung der SPÖ auf die ÖVP größer. Voves könnte tatsächlich Landeshauptmann bleiben. Der Erfolg der Freiheitlichen hingegen verfestigt sich. Mit Ausnahme der Hauptstadt Graz sind alle Bezirke ausgezählt. Das beste freiheitliche Ergebnis stammt mit 13 Prozent aus Graz-Umgebung. Obmann Gerhard Kurzmann will mehr Heimat und mehr Freiheit in die Landesregierung bringen.

Immer noch offen ist, ob die KPÖ und das BZÖ im Landtag vertreten sein werden. Vieles hängt davon ab, wie in Graz die Grundmandate verteilt werden.

16 Uhr: Die erste Hochrechung für die Landtagswahlen in der Steiermark überrascht. Die favorisierte ÖVP hatte versucht, die SPÖ in Umfragen stärker aussehen zu lassen – was sich nun in der Realität bestätigte und für die Schwarzen rächte. Franz Voves hat trotz eines Verlusts von etwa 3,5 Prozentpunkten gute Chancen, Landeshauptmann zu bleiben. Die ÖVP verliert ebenfalls Stimmen und landet knapp hinter den Roten. Die Auszählung der Briefwahlstimmen könnte das Ergebnis noch umkehren.

Uneingeschränkt freuen darf sich die FPÖ, die rund elf Prozent erreicht. Das sind etwa zweieinhalbmal so viel wie bei der letzten Landtagswahl. Und das wird reichen, damit Gerhard Kurzmann, gegen den sich sogar die Justiz im Wahlkampf eingeschaltet hatte, in die Landsregierung einziehen kann. Möglicherweise wird er dort sogar zum Königsmacher. Rot und Schwarz waren zuletzt extrem zerstritten, was sich aber bei Bedarf schnell ändern kann.

Alle anderen Parteien bleiben oder werden schwach. Die Grünen legen nur bescheiden zu und kommen auf rund fünf Prozent, die Kommunisten verlieren auf etwa vier, das BZÖ liegt etwas über drei Prozent. Die KPÖ könnte sich aus dem Landtag verabschieden, das BZÖ wird vermutlich erneut am Einzug scheitern.
 

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