Grün-Türken im Wahlkampf: „Juden mit den meterlangen Schläfenlocken“

Eine türkische Seite, die in Türkisch und Deutsch für die Grünen wirbt, versendet seit Tagen Wahlaufrufe per SMS. Der „Clip über den Türkenhass der Österreicher“ soll das Image der Türken in Österreich verbessern: Kontraproduktiver hätte man ihn nicht gestalten können. Neun Minuten lang wechseln sich hanebüchene Thesen des türkischen Nationalismus mit erschreckenden Entgleisungen gegen die Österreicher, Juden, Bulgaren und Rumänen ab.

Das Video findet sich auf der Seite www.yebanci.at. Yebanci bedeutet auf Deutsch Fremder oder Ausländer. Gleich daneben stehen zahlreiche im Parteistudo aufgenommeneWahlbotschaften der Grünen-Menschenrechtssprecherin Alev Korun. Zusätzlich wird das Machwerk auch auf youtube verbreitet.

„Wir Türken waren und sind die friedlichste Volksgruppe hier in diesem Lande“, heißt es eingangs, bevor den Aggressionen freier Lauf gelassen wird. Wer behaupte, „die paar zählbaren Christen“ in der Türkei hätten keine Kirchen, der habe sich entweder nie über die Türkei informiert oder verfolge „wieder mal so eine Taktik, Türken abzuwerten oder zu verschlechtern [sic]“. Dabei gebe es in der Türkei über 900 Kirchen. Diese hier als groß dargestellte Zahl relativiert sich natürlich, wenn man bedenkt, dass das ganze Territorium der heutigen Türkei einmal christlich war, die Gemeinden in den letzten Rückzugsgebieten meistens nur mehr über ein paar betagte Mitglieder verfügen und zur Unterstützung verweilende ausländische Priester immer wieder bestialisch ermordet werden.

Türken beanspruchen Wiederaufbau Österreichs für sich

Die Behauptung, die Türken hätten nach dem Zweiten Weltkrieg die Wirtschaft „nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europa enorm angekurbelt“ soll wohl die seit einigen Jahren verbreitete abenteuerliche These festigen, die Türken hätten Österreich wieder aufgebaut. Zu deren Widerlegung braucht es nur vier Jahreszahlen: 1945 Kriegsende. 1955 Abzug der Besatzungstruppen. 1959 offizielles Ende des Wiederaufbaus in Wien. 1964 erste Anwerbung türkischer und jugoslawischer Gastarbeiter.

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Die Gastarbeiter haben Österreich nicht aus dem Schutt wieder auferstehen lassen, sondern dem voll aufgeblühten Land den Wohlstand optimieren lassen. Immerhin. Nicht unterschlagen werden darf allerdings, dass die Gastarbeit in einigen Ländern (beileibe nicht in ganz Europa) für die Türken selbst trotz oft niedriger Löhne und schlechter Wohnbedingungen wesentlich wichtiger war als für ihre Gastgeber.

Kopftuch wird verteidigt, dafür Attacke auf jüdische Kippa

Dann folgt die als provokant beabsichtigte Frage, wieso die Österreicher denn während ihres Urlaubs die Hotels in Antalya bevölkern, wenn sie in Österreich die Türken und die Kopftücher nicht mögen. Ganz einfach, weil Wasser bei einem Tauchurlaub in der Ferne ganz anders empfunden wird als bei einer Flutkatastrophe im heimatlichen Wohnort. Außerdem gibt es im westlich und antiislamisch orientierten Antalya unter den Türken weniger Kopftücher als unter den Türken in Österreich.

Beim Kopftuch verstehen die Macher der Internetseite überhaupt am wenigsten Spaß. Dass „eine anständige Dame mit Kopftuch“ in Österreich nicht allerorts bejubelt wird, macht zornig: „Packt mal an der eigenen Nase [sic] und schaut euch mal die österreichische Jugend an, die sich anzieht wie Bettler und Sandler!“ Aber damit noch nicht genug. Das Kopftuch störe zwar, aber: „Gegen den heiligen Juden mit den meterlangen Schläfenlocken und Kippa in der U-Bahn traut sich keiner was zu sagen…“

Rumänen und Bulgaren kennen keinen Asphalt und ernähren sich von Müll

Auch die Vorbehalte in Europa gegen einen türkischen EU-Beitritt lässt bei den grünen Wahlkämpfern Schaum vor dem Mund entstehen. Die Türkei mit ihrer „hervorragenden Geschichte“ und „perfekten Infrastruktur“, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Wirtschaft „nicht nur in Österreich, sondern in ganz Europas enorm angekurbelt“ hat, dürfe nicht hinein, jedoch: „Gegen Länder wie Rumänien und Bulgarien, die bis gestern keinen Asphalt gekannt haben, und sich weiterhin mit dem Müll auf der Straße ernähren [sic], hat keiner was!“

Der Landesparteisekretär der FPÖ Wien, Hans-Jörg Jenewein, hielt heute in einer Presseaussendung fest, diese üble Abqualifizierung anderer Religionen und Nationalitäten sei schlichtweg widerlich, zumal sie von jenen komme, die bei anderen jedes Wort auf die Waagschale legen. „So sieht also der Kampf gegen Rassismus der Grünen aus, bei sich selbst hat man offenbar schon längst resigniert“, so Jenewein.

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