Wien-Donaustadt und der ahnungslose Bürgermeister

SP-Bürgermeister Michael Häupl hat seine Wahlanalyse noch nicht abgeschlossen, aber eines ist für ihn bereits fix: Die Niederlage habe nichts mit dem Ausländerthema zu tun. Als Beweis führte er in den letzten Tagen gegenüber Medien den 22. Bezirk Donaustadt ins Treffen. Dort habe die SP fast 10 Prozent verloren, bei einem „Ausländeranteil von 3-4 Prozent„. Es ist erschütternd, wie wenig Häupl über seine Stadt weiß.

Der 22. ist der östlichste und flächenmäßig größte Bezirk Wiens. Trotz des belebten Donauufers mit UNO-City, vereinzelten Hochhäusern und der Copacagrana ist er der am dünnsten besiedelte. Die vereinzelten alten Dörfer unterscheiden sich bis auf die wienerischen Straßentafeln nicht von jenen des benachbarten Marchfeldes. Auf halbem Weg von Kagran nach Breitenlee entstand erst 1980 mit der damals futuristisch anmutenden Müllverbrennungsanlage „Rinter-Zelt“ (Bild) etwas, das sich vom Anblick der bis zum Horizont reichenden Gemüsefelder abhob. An dieser Stelle kreuzt die Breitenleer Straße heute die S2 und es gibt bis nach Breitenlee keinen unbebauten Flecken mehr.

Die rege Bautätigkeit machte die Donaustadt auch bevölkerungsmäßig zum absoluten Wachstumsbezirk, wie die Zahlen (in 1000) zeigen – 1951: 53, 1991: 107, 2001: 138, 2005: 147, 2006: 149, 2007: 151, 2008: 153. Donaustadt weist zwar im wienweiten Vergleich einen relativ geringen Ausländeranteil auf, Häupls Aussage ist laut seinen eigenen Magistratsstatistiken jedoch völlig absurd – 1990: 3,7 %, 1991: 4,7 %, 1992: 6,0 %, 1999: 8,0 %, 2005: 9,3 %, 2006: 9,7 %, 2007: 10,2 %, 2008: 10,6 %.

Er lebt also offenbar in einer Welt des Jahres 1990, das war sogar noch vier Jahre vor seinem Amtsantritt. Diese Diskrepanz zur Realität wirft die Frage auf: Weinseligkeit? Oder (in seiner eigenen Diktion): Wo ang´rennt? In Wirklichkeit hat die Donaustadt nicht nur einen Ausländeranteil von 11 %, sondern auch einen Anteil von Menschen „mit Migrationshintergrund“ von 22 %.

Wiener fliehen vor Multi-Kulti – und werden wieder eingeholt

Ein Aspekt, der für das scheinbare Paradoxon von relativ wenig Ausländern und relativ vielen FPÖ-Wählern entscheidend ist, wird auch von der „Migrationsforschung“ völlig ignoriert: die Flucht der Wiener aus Wien. Für 20.000-21.000 Wiener pro Jahr gilt die Devise „Mödling statt Meidling“ – sie ziehen in den niederösterreichischen „Speckgürtel“ um Wien. Aber auch Randbezirke wie eben Donaustadt sind begehrt. Die Wiener verlassen die Hochburgen des Multikulti-Chaos und ballen sich in neu entstehenden Wohngebieten zusammen. Nunmehr nachrückende Migranten stoßen auf besondere Sensibilität. Die Beobachtung „Hilfe, jetzt geht es hier auch schon los!“ sorgt dann für sensationelle freiheitliche Wahlergebnisse von 30 Prozent und mehr.

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