Wie sieht die türkische Regierung die Wiener Wahlen?

„Zaman“ („Zeit“), eine der größten türkischen Tageszeitungen und Sprachrohr der islamistischen Regierungspartei AKP, analysiert in ihrer Österreich-Ausgabe die Wien-Wahl.

SPÖ: Diese habe eigentlich ein gutes Ergebnis erzielt, speziell für eine Partei, die schon so lange an der Macht ist. Man hätte sich zu sehr auf das „Charisma Häupls verlassen“. Zum Verhältnis zwischen SP und Medien stellt Autor Arslan in hier unverändertem Deutsch fest: „Die These, wonach wenn die Krone unterstützt, Wahlen gewonnen werden, hat sich als ungültig erwiesen.“ Millionenteure Inserate in österreichischen Gratis-Zeitungen hätten nichts gefruchtet, stattdessen hätten sich die Migranten „als die treuesten Wähler erwiesen“, obwohl man bei deren Medien das Inserate-Budget verringert habe. „Die MigrantInnen haben die SPÖ unterstützt, die sich so oder so für sie einsetzt.“ Die SP-Anhänger müssten nach dem Verlust von lediglich fünf Prozent der Stimmen „nicht traurig“ sein, man sollte die Partei lediglich „vom Image der ,Freunderlpartei‘ befreien“.

ÖVP: Die vorübergehende Linie Mareks „Reden wir über Integration – am besten auf Deutsch“ stößt „Zaman“ sehr sauer auf: „Eine Partei der Mitte hat an extremen Polen nichts verloren.“ Auch dass die VP diesmal nicht mehr auf Sirvan Ekici, sondern auf Dinko Jukic setzte, bezeichnet „Zaman“ als „Fiasko“ und nimmt es ihr ausgesprochen übel: „Sie muss sehr viel daran arbeiten, das Vertrauen, das sie in der türkischen Community verloren hat, wieder zurückzugewinnen.“ Wie das gehen soll, wenn diese doch angeblich ohnehin brav rot wählt, wird nicht ausgeführt. Dafür richtet man der VP aus: „Aus der muslimischen Community braucht es KandidatInnen mit Visionen. Während die arabischstämmige und Kopftuch tragende ÖVPKandidatin lediglich sechs Vorzugsstimmen erhielt, kam die schnelle Türkin Gülsüm in der SPÖ auf rund 5.601 Vorzugsstimmen.“ Was „Zaman“ in diesem Zusammenhang unter der „schnellen“ Gülsüm Namaldi versteht, bleibt offen.

FPÖ: Die Freiheitlichen sollten die Chance erhalten, zu regieren, wie schon unter Haider: „Das Ende der Welt ist trotzdem nicht gekommen.“ Es würde sich zeigen, dass die Kompetenz ihrer Politiker nur verbal gegeben sei. Amüsanter Hauptkritikpunkt der Islamisten an der FPÖ: „Diese Partei behandelt Frauen nicht gleich.“

Grüne: Für sie seien es „keine schlechten Wahlen“ gewesen. Eine Regierungsbeteiligung wäre gut für sie.

Das Resümee des Autors Seyit Arslan: „Im Endeffekt haben jene gewonnen, die den Stein warfen. Doch der Sessel ist für sie weitere fünf Jahre weit entfernt. Ich hoffe, jemand erzählt Strache die Geschichte davon, dass unter den Politikern die ruhigen und sensiblen gewünscht sind. Denn seine Türken-Geschichten drehen uns mittlerweile den Magen um.“

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