Buchtipp: Die Macht der Erinnerung

Kaum eine deutsche Politikerin steht derzeit so im Focus der politisch korrekten Berichterstattung wie die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen (BdV) und hessische CDU-Politikerin Erika Steinbach. Auf Druck des FDP-Chefs und Außenministers Guido Westerwelle wird sie dem Rat der geplanten Vertriebenen-Stiftung nicht angehören. Doch auch die von ihr vorgeschlagenen Vertreter Saenger und Tölg gerieten prompt unter Beschuss.

Erika SteinbachIhnen wird vorgeworfen, mit Aussagen über die Kriegsvorbereitungen Polens vor dem Zweiten Weltkrieg die deutsche Kriegsschuld relativiert zu haben. Steinbach platzte in dieser Debatte in einer Sitzung des Parteivorstands der Kragen: "Und ich kann es auch leider nicht ändern, dass Polen bereits im März 1939 mobil gemacht hat." Das Zitat wurde in Windeseile den Medien zugespielt. Steinbach legte ihre Funktion im Parteivorstand zurück. Der immer größer werdende linke CDU-Flügel versagte ihr daraufhin bei der Wahl in den Vorstand der Bundestags-Fraktion die Zustimmung. Steinbach erhielt nur 71 Prozent der Stimmen.

Klar hinter sie stellte sich jedoch der Bund der Vertriebenen, der Steinbach mit 94 Prozent der Stimmen als seine Präsidentin bestätigte. Es sei allein ihr zu verdanken, dass in Berlin jetzt ein Dokumentationszentrum zu Flucht, Vertreibung und Deportation errichtet werde, hob Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) in seiner Gratulation zu Steinbachs Wiederwahl hervor.

Mitten in der Debatte um ihre Person präsentierte Erika Steinbach ihr neues Buch "Die Macht der Erinnerung". Es befasst sich mit dem Leid der Deutschen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, wo eigentlich wieder Frieden einkehren sollte, begann für die Menschen deutscher Sprache in den Ostgebieten ein Leidensweg ohne Beispiel. Millionen von Deutschen wurden vertrieben – viele davon ermordet. Auch die über 2 Millionen deutschen Frauen, welche oft mehrmals vergewaltigt wurden, was viele nicht überlebten, dürfen hier nicht vergessen werden.

Steinbach macht deutlich, dass die Vertriebenen nicht nur den Verlust materieller Werte sowie den Verlust von Angehörigen und Freunden durch Mord und Totschlag zu verkraften hatten, sondern am Beginn ihrer Ankunft in der Bundesrepublik Deutschland oftmals auch auf Ablehnung stießen.

Vertriebene trugen maßgeblich zum Wirtschaftswunder bei

Sicherlich, das besiegte Deutschland war am Boden zerstört, und es gab für die "angestammte" Bevölkerung kaum genug zu essen. So empfanden viele die Heimatvertriebenen als zusätzliche Belastung. Aber spätestens in der Zeit des Wirtschaftswunders hätte die deutsche Regierung den Wert dieser Menschen erkennen müssen, denn ohne die wirtschaftlichen und kulturellen Leistungen der "Deutschen aus dem Osten" wäre ein Aufschwung in dieser Form kaum möglich gewesen – weder in Deutschland noch in Österreich.

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Auch die Bereitschaft zur Integration der Vertriebenen darf nicht vergessen werden, denn nur so konnten soziale Sprengsätze wie wir sie heute in Berliner Problembezirken, aber auch in Wien-Fünfhaus vorfinden, vermieden werden.

Steinbach macht dem Leser deutlich, dass das Opfer und die Tragödie der Vertriebenen nicht nur die Betroffenen und deren Angehörige etwas angeht, sondern die Solidarität aller Bundesbürger erfordert. Die Vertreibungen berühren die Identität des deutschen Volkes, weshalb sich Steinbach mutig gegen jeden Versuch der Relativierung durch linke Kreise stellt. Menschenrechte sind und bleiben auch für die Deutschen unteilbar.

Die Autorin: Erika Steinbach wurde 1943 in Westpreußen geboren und seit 1993 als CDU-Bundestagsabgeordnete tätig. Seit 1998 ist sie Präsidentin des Bundes der Vertriebenen.

Foto: dontworry / Wikimedia

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