Der Merker: Für neue Kunst gebe ich doch kein Geld aus!

Was man heute so über Kunst liest, hört und sieht, ist entweder: wie gut oder schlecht alte Kunst jetzt präsentiert wird, oder: wie neue Kunst provoziert. Da soll man für neue Kunst Geld ausgeben?

Neue Kunst muss provozieren, sagen manche Politiker. Wer sagt das? Und: Muss sie es wirklich? Weiter gefragt: wem nützt sie dann? Der „permanenten Revolution“ vielleicht? Den dauernden Reformern etwa?

Diese Sichtweise wird für das Publikum – ob elitär oder nicht – von seinen Meinungsführern, den Kritikern, bekräftigt, damit es weiß, was es zu denken hat. Oder es wird auch Hässliches schöngeredet, sodass sich das Publikum nicht mehr auskennt, und somit die Kritik eine weitere Provokation ist.

Kunst muss provozieren – oder sie wird verschwiegen

Und was ist mit der anderen Kunst, die nicht provoziert? Die wird ausgeblendet. Warum? Damit sie nicht stört. Doch so mancher will mich beruhigen: „Echte, nicht selbsternannte Kunst setzt sich durch, das war schon immer so.“ Setzt sie sich durch? Das Bessere setzt sich nur durch, wenn es bekannt ist.

Johann Sebastian BachJohann Sebastian Bach (Bild) war bald nach seinem Tod lang vergessen, bis ihn Felix Mendelssohn-Bartholdy wiederentdeckt hat. Haydn hatte seine Esterhazys, die mit dem Kaiser konkurrieren wollten, seine Englandreisen und seinen Van Swieten, der den Wiener Hochadel um sich scharte, was ihn so Weltruhm erlangen ließ. Mozart hatte seinen berühmten umtriebigen Vater Leopold und den Ruhm als Wunderkind am Kaiserlichen Hof, zuletzt zumindest den Theaterdirektor Schikaneder. Beethoven hatte seine adeligen Gönner, auf die Schubert ein bisschen neidig war, dessen verschollene C-Dur Symphonie aber von Robert Schumann gefunden und mittels dessen Zeitung für neue Musik populär gemacht wurde. Richard Wagner hatte auch seinen Ludwig den Zweiten, der ihm viele seiner Opern finanzierte, Richard Strauss unter anderem seinen Theaterdirektorsposten an der Wiener Hofoper und die Familie Pschorr. Johannes Brahms ist der Vergessenheit auch durch den Film „Lieben Sie Brahms?“ entrissen worden. Dadurch wurden all die großen Künstler bekannt genug, um uns bis heute im Gedächtnis zu bleiben. Und alle diese Werke werden weiter gespielt, weiter gepflegt und bleiben so vertraut – nicht zuletzt, weil sie bereits Teil der Musikindustrie sind.

Heute gibt es diese großen Gönner, Mentoren oder Mäzene nicht mehr? Oh doch, aber sie sind oft auf der anderen Seite tätig – dort, wo man neue Kunst als von der Eine-Welt-Multikulti-Politik abhängig sieht. Und so gibt es Kunst, die eben dieser Richtung dient und sie „künstlerisch“ repräsentiert.

Gibt es auch Mäzene für die andere Kunst?

Anders gedacht: Gibt es auch auf unserer Seite Leute, die etwas für Kunst übrig haben, so muss es auch welche geben, die als kleine, mittlere und große Gönner, Mentoren und Mäzene wirken können. Nur auf die andere Seite schauen und deren Kunst nicht gutzuheißen, ist zu wenig. Van Swieten hat es recht geschickt gemacht. Er ließ für Haydns „Schöpfung“ und „Jahreszeiten“ sammeln, und das Werk gelang.

Schließlich drückt die Kunst auf ganzheitliche Weise die Absicht und die Ziele einer Bewegung aus, und wird somit zur konzentrierten, unmittelbaren Botschaft aller Treffen, Feiern, Tagungen und Feste. Nun gibt es ja auch schon Werke, die unsere Seite repräsentieren, doch diese nur einmal zu zeigen ist zu wenig. Sie sollen immer wieder gebracht werden, dadurch erhöht sich die Bekanntheit der Werke und auch der Künstler. Bilder, Bücher, Skulpturen, CDs können von jedermann bald erstanden werden, um diese weiter zu schenken und den Geist der eigenen Kunstgesinnung zu verbreiten.

Die neue Kunst mit dem Sparstift auszubremsen, anstatt dessen billigere alte Kunst zu wählen, lässt unsere jetzigen Künstler und ihre Träume verkümmern. Aber auch der Blick in die Zukunft wird dadurch verhindert und mit alter Musik ein falsches Signal gesetzt. Kunst kostet etwas, wie alles andere auf der Welt, aber es macht sich bezahlt, wenn man Künstler hat, die den eigenen Vorstellungen von Kunst entsprechen.

Denn die richtige Idee überwindet alle Hindernisse – wenn sie bekannt ist.

Nehmt euch in Acht, der Merker wacht!

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