Die wahren Botschaften des türkischen Botschafters

Mit dem Interview des türkischen Botschafters Kadri Ecved Tezcan, das die typischerweise hohen Wellen einer integrationspolitischen Debatte ausgelöst hat, ist der Standpunkt der Türkei und der Türken der einheimischen Bevölkerung einmal mehr klar präsentiert worden. Mit der üblichen türkisch-muslimischen Selbstsicherheit spricht er die Schuld an der misslungenen Integration den Österreichern zu, verlangt die Übernahme türkischer Werte und – was der einzige Anlass für die obligatorische Empörung der rot-schwarzen Regierung ist – attackierte schamlos Mitglieder der österreichischen Regierung.

Kommentar von Unzensurix

Der Botschafter sprach, trotz seiner offensiven Provokation, auch eindeutig korrekte Punkte an: Etwa, dass die Türken nicht zu den typischen Gastarbeitern Österreichs zählten, da sie zunächst andere Länder wie Deutschland aufgrund der besseren Lohnsituation bevorzugten. Abgesehen von dieser eindeutig opportunistisch-egoistischen Herangehensweise wird durch diese Aussage folgendes klar bzw. steht unausgesprochen im Raum: Wenn die Türken Österreich einige Jahre später nicht wegen des Lohnniveaus als neue Heimat wählten – weswegen dann? Die statistische Verteilung der türkischen Immigranten legt nahe, dass sie dem großzügigen Sozialsystem Österreichs nicht gerade durch etwaige Top-Verdiener zuträglich sind.

Türken wollen Integration der Österreicher

Doch auch die Annahme, dass Türken Österreich als "Heimat" wählten, wird angesichts Tezcans Aussagen einmal mehr ins Gegenteil gekehrt: An vielen Stellen des Interviews legt er den Österreichern nahe, in ihrer Heimat die türkische Kultur zu akzeptieren und zu leben – der Kolonialisierungsgedanke, mit dem die muslimischen Türken in europäische Länder einwandern, wird von Tezcan in strahlendes Licht gerückt. Türken bekommen jährlich Plätze für ihre Feiern zur Verfügung gestellt – doch Tezcan kritisiert, dass keine Österreicher daran interessiert sind, sie zu besuchen! Offenbar ist das Problem, vor dem die türkischen Immigranten stehen, der Unwille der Österreicher, sich in die türkische Kultur zu integrieren.

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Im Gegensatz dazu jedoch zieht der Botschafter Parallelen zwischen der Akzeptanz von Kopftuchträgerinnen und Nacktbadern – Angesichts der Tatsache, dass Nacktbaden nur in bestimmten Bereichen akzeptiert wird, verlangt er diese Restriktion wohl auch für seine Glaubensgenossinen.

Weiters anerkennt er die fehlende Motivation der Türken am Gelingen eines Sozialkonzeptes ("Was immer du hast, von Gott gegeben, ist genug für dich."), möchte Türkisch als Maturasprache einführen (um Türken ohne Deutschkenntnissen einen österreichischen Abschluss zu gewähren – oder doch, um die türkische Kultur effektiver zu verbreiten?), verlangt mehr Propaganda für die 3500 türkischen Unternehmer als Positivbeispiel (um von den anderen 91% der türkischen Immigranten abzulenken?) und kritisiert letzten Endes die Meinung fast eines Drittels der Österreicher: Sie wählten laut seiner Aussage "extrem rechte" Parteien. "Wenn ihr keine Ausländer hier wollt, dann jagt sie doch fort" sind seine Worte – hätte ein Österreicher diese in den Mund genommen, wäre ihm ein Prozess wegen Verhetzung sicher. Der türkische Botschafter ist mit der freien Wahl (und damit auch Meinung) offenbar nicht im Geringsten einverstanden: Wir müssten lernen, "mit anderen Leuten zusammenzuleben". Seine Attacke auf die Demokratie beendet er mit der gewichtigen Frage: "Was für ein Problem hat Österreich?"

Empörungsritale der Regierung sind nicht glaubwürdig

Durch solche Äußerungen wird jedenfalls klar, was für ein Problem der Botschafter hat: Türkische Gepflogenheiten werden nicht schnell genug von den Einheimischen übernommen. Ganz im Geiste des islamischen Propheten Mohammed, der seine Religion in die Welt tragen will, ruft er den Wiener Kardinal dazu auf, den Islam zu bewerben. Doch während sich sogar die Türkei selbst von ihrem Botschafter distanzieren, folgen die österreichischen Grünen ganz ihrer Linie, den Staat völlig zu zersetzen, und gratulieren Tezcan zu seinen provokant gewählten Worten. Die empörte Haltung von Regierungspolitikern sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie jene Probleme, die der Botschafter zurecht angesprochen hat, verursacht haben und nun nicht willens sind, für die nötigen Korrekturen zu sorgen und Menschen, die Integration als Holschuld Österreichs betrachten, mit Bestimmtheit das Gegenteil zu erklären.

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