Symposium und Institut zu Ehren des Republiksverkünders Dinghofer

Auf Einladung des Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf fand am 12. November – dem 92. Jahrestag der Verkündung der Republik –  im Hohen Haus ein Symposium zum Thema "Das Leben und Wirken des Dr. Franz Seraph Dinghofer" statt. Ausgewiesene Experten und Kenner der Materie beleuchteten verschiedene Aspekte der politischen Tätigkeit des langjährigen Spitzenpolitikers und Aushängeschilds des national-freiheitlichen Lagers.

Graf wies in der Einleitung auf die herausragende Rolle Dinghofers bei der Verkündung der Republik am 12. November 1918 hin. Als Präsident der Provisorischen Nationalversammlung verkündete Dinghofer von der Rampe des Parlamentsgebäudes aus der Volksmenge das Ergebnis der Abstimmung: "Deutschösterreich ist eine Republik". Dies war bei weitem mehr als ein Formalakt, versuchten doch in der Stunde der Verkündung linksextremistische Kräfte einen Putsch, erinnerte Graf.

Bedeutende Rolle wird historisch kaum gewürdigt

Es sei daher unverständlich, dass Franz Dinghofer in der historischen Betrachtung dieser Zeit nicht jenen Rang einnehme, der ihm zusteht. Beispielsweise zeigt das 1928 errichtete Denkmal der Republiksgründer neben dem Parlament nur die drei Sozialdemokraten Adler, Reumann und Hanusch, nicht aber Dinghofer. Auch war die einzige Dissertation über Dinghofer bis vor kurzem in der Parlamentsbibliothek nicht erhältlich.

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Zur Fotogalerie: Republiksgedenken im und neben dem Parlament

Durch die ebenfalls vollzogene Gründung des Franz-Dinghofer-Instituts will Graf einen Beitrag zu einer intensiveren Betrachtung der Rolle Dinghofers beitragen. Dies soll unter anderem durch die Förderung von Diplomarbeiten und Dissertationen geschehen.

Stationen und Funktionen im Leben Dinghofers

Unter der Moderation von Christian Neschwara vom Institut für Rechts- und Verfassungsgeschichte der Universität Wien sprachen mehrere namhafte Repräsentanten von Politik und Wissenschaft über Aspekte von Franz Dinghofers Leben und Wirken. Der Historiker Lothar Höbelt beschäftigte sich mit Dinghofer als Exponenten der deutschnationalen Bewegung in Österreich. Der langjährige oberösterreichische FPÖ-Politiker und ehemalige Landesrat Hans Achatz befasste sich mit der Tätigkeit Dinghofers als Kommunalpolitiker, war  Dinghofer doch von 1901 bis 1918 Linzer Gemeinderat und von 1907  bis 1918 auch Bürgermeister der oberösterreichischen  Landeshauptstadt.

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Der ehemalige Justizminister Harald Ofner ging auf Dinghofers Wirken als Justizminister der Ersten  Republik sowie als Präsident des Obersten  Gerichtshofs ein, ehe der Dritte Präsident des Nationalrats a.D., Wilhelm Brauneder, resümierend Franz Dinghofer als Staatsmann porträtierte.

An der Wiege der Republik

Franz Dinghofer wurde 1873 in Ottensheim geboren und studierte nach dem Abschluss des Gymnasiums in Graz Rechtswissenschaften. Nach seiner Promotion zum Doktor der Rechte 1899 schlug Dinghofer eine Karriere bei Gericht ein und wurde u.a. Richter in Linz und in Urfahr. Bereits frühzeitig in der deutschnationalen Bewegung aktiv, zog er für seine Partei 1901 in den Linzer Gemeinderat ein. 1905 wählte ihn der Gemeinderat zum Vizebürgermeister, zwei Jahre später avancierte er zum Bürgermeister der oberösterreichischen Donaumetropole.

Franz Dinghofer - Verkünder der PepublikZusätzlich zu diesem Amt wirkte Dinghofer ab 1911 auch als Abgeordneter zum Reichsrat, wo er bald einer der führenden Köpfe seines Klubs wurde. So war es auch nicht verwunderlich, dass Dinghofer in den Tagen des Zusammenbruchs der Donaumonarchie an der Wiege der Ersten Republik stand. Gemeinsam mit dem Sozialdemokraten Karl Seitz und dem Christlichsozialen Jodok Fink übernahm Dinghofer im Oktober 1918 das Präsidium der Provisorischen Nationalversammlung. Nach den Wahlen im Februar 1919 wählte ihn die Konstituierende Nationalversammlung zum Dritten Präsidenten, und dieses Amt bekleidete er auch in der ersten und zweiten Gesetzgebungsperiode des 1920 geschaffenen Nationalrats.

Im Oktober 1926 holte ihn Bundeskanzler Seipel als Justizminister in sein Kabinett, dazu amtierte Dinghofer auch von Oktober 1926 bis Mai 1927 als Vizekanzler. Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung im Juli 1928 beschloss Dinghofer seine Karriere als Präsident des Obersten Gerichtshofs, was er bis 1938 blieb, als ihn die Nationalsozialisten vorzeitg in den Ruhestand versetzten. Dinghofer starb 1956 in Wien.
 

Aus Anlass der Festveranstaltung und der Gründung des Franz-Dinghofer-Insituts ist eine Broschüre über das Leben des bedeutenden Politikers erschienen, die zum Preis von 5 Euro im Unzensuriert-Laden erworben werden kann.

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