Deutschland ist Lena – und wo waren wir?

Lena Meyer-Landrut hat mit ihrem englischen Titel „Satellite“ den Eurovision Song Contest in Oslo gewonnen. Ihr Sieg kam wenig überraschend. Schließlich wurde – auch europaweit – im Vorfeld über keinen Kandidaten so viel berichtet wie über Lena.

Objektiv betrachtet kann man ihrem Titel, außer einer gewissen Frische wenig Positives abgewinnen. Abgesehen davon, dass es sich abermals um einen englischsprachigen Pop-Song handelt, lässt die Gesangsleistung von Lena durch ihren schlechten „möchtegern-britischen“ Akzent zu wünschen übrig. Sowohl gesanglich als auch musikalisch waren ihr die Kandidaten und Kandidatinnen aus vielen anderen Ländern (wie zum Beispiel Aserbaidschan, Türkei oder Bosnien und Herzegowina) um einiges voraus. Doch Lena hat polarisiert. Einige finden ihre kindliche Art liebenswert und sympathisch, andere halten sie für eingebildet und vorlaut.

Nur Udo Jürgens gewann für Österreich

Österreich nahm erstmals 1957 am Eurovision Song Contest teil, war jedoch nur im Jahr 1966 mit dem Sieg von Udo Jürgens mit dem Titel „Merci chérie“ richtig erfolgreich und hat damit den ESC erst- und einmalig gewonnen. In den Jahren 1969, 1970, 1973 – 1975 nahm Österreich nicht am ESC teil. Rangierte Österreich in den 1960er Jahren noch regelmäßig im guten Mittelfeld, konnten in der Zeit der 1970er bis 1990er Jahren mit wenigen Ausnahmen (z.B.: 1976 oder 1989) nur Platzierungen im hinteren Drittel erreicht werden. 1998 und 2001 konnte sich Österreich nicht einmal für den Eurovision Song Contest qualifizieren. Nach weiteren schlechten Platzierungen in den letzen Jahren (mit der Ausnahme des Jahres 2003 wo Alf Poier mit dem Titel „Weil der Mensch zählt“ den 6. Platz für Österreich erreichen konnte), fand keine Teilnahme im Jahr 2006 und seit 2008 statt. Auch dieses Jahr hat der ORF die Teilnahme am Song Contest auf Grund dessen, dass die „Durchführungsbedingungen den Aufwand nicht rechtfertigen würden“ abgesagt.

Gerade die Teilnahme an einem Wettbewerb dieser Größenordnung kann einem kleinen Land wie Österreich nur nützlich sein. Abgesehen von der Steigerung von Bekanntheit und möglicherweise auch Beliebtheit, kann dies auch in weiterer Folge zu mehr Tourismus und somit auch einem Anstieg der Wirtschaft führen. Solange „wir“ jedoch nicht fähig sind, eine Sängerin oder einen Sänger mit Erfolgsaussichten zum Eurovision Song Contest zu schicken, ist es vielleicht doch besser sich diese Blamage des „Streitens“ um die letzten Plätze zu ersparen.

Der Eurovision Song Contest (ESC; früher Grand Prix d’Eurovision de la Chanson genannt) wird seit 1956 jährlich als internationaler Musikwettbewerb von der Europäischen Rundfunkunion (EBU) veranstaltet. Da sich die EBU nicht nur über Europa sondern auch über einige Länder Nordafrikas und Asiens erstreckt, sind auch diese Länder teilnahmeberechtigt. Jedoch ist Israel das einzige Land außerhalb Europas, das regelmäßig am ESC teilnimmt. Austragungsort ist immer das Land des Vorjahressiegers. Im Laufe der Geschichte des Eurovision Song Contests kam es zu einigen Regeländerungen, so werden zum Beispiel seit 2008 zwei Vorausscheidungen abgehalten, wodurch beim Wettbewerb selbst nicht mehr so viele Nationen auftreten.

Auch die Punktevergabe wurde effizienter gestaltet. Die Regelung, dass man nicht für sein eigenes Land stimmen kann, bestand schon von Beginn an, heutzutage kommt jedoch hinzu, dass auch jene Länder stimmberechtigt sind, die schon in den Vorausscheidungen den Wettbewerb verlassen mussten. Wurden bisher alle zu vergebenden Punkte einzeln durchgegeben, so werden heutzutage die Punkte 1 – 7 automatisch angezeigt und nur mehr die Punkte 8, 10 und 12 vorgelesen. Auch die Punkteanzahl ergibt sich nicht mehr nur aus Juryentscheidungen oder Telefonabstimmungen, es ist eine Mischform, wo sowohl die Meinung der Fachjury, als auch die Publikumsstimmen jeweils 50 Prozent ausmachen. Weitere Regelungen betreffen die Lieder selbst. Diese dürfen nicht länger als 3 Minuten dauern, müssen Originale sein (dürfen also nicht bereits existiert haben) und frühestens am 1. Oktober des Vorjahres veröffentlicht werden.

Fast alle singen englische Lieder

Die Sprachauswahl wurde lediglich zeitweise geregelt und nur in den Jahren 1966 bis 1972 und von 1977 bis 1998 musste jeder Interpret in seiner Landessprache singen. Seit 1999 ist die Sprache, in der der Beitrag gesungen wird, wieder freigestellt und zumeist wird von den Sängerinnen und Sängern Englisch gewählt (alleine im Finale des diesjährigen Songcontests von ca. 4/5 aller Teilnehmer). Dadurch geht jedoch Authentizität und auch die Einzigartigkeit dieses Wettbewerbs völlig verloren. Heutzutage sind fast alle teilnehmenden Lieder der Kategorie „Pop“ zuzuordnen und Interpreten, die in der Landessprache singen oder deren Lieder einer anderen Musikkategorie zuordenbar sind, haben – wenn man sich die Erfolge der letzten Jahre ansieht – nur selten gewonnen.

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