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Mittelmeer

Das Mittelmeer wird immer mehr zur Konfliktregion zwischen den Anrainerstaaten wegen politischer und ökonomischer Interessen.

3. Oktober 2020 / 17:58 Uhr

Türkisch-libysches Seeabkommen sorgt für Irritationen

Ein bei den Vereinten Nationen (UNO) registriertes türkisch-libysches Seeabkommen sorgt im Mittelmeer für Irritationen. Geschlossen wurde das Abkommen zwischen der sogenannten „libyschen Einheitsregierung“ in Tripolis und der türkischen Staatsregierung in Ankara. Das türkische Verteidigungsministerium feierte via Twitter das Seeabkommen als Krönung einer mehr als 500 Jahre währenden Zusammenarbeit.

Im vergangenen Jahr hatten Ankara und Tripolis eine Absichtserklärung unterzeichnet, die Seegrenzen im Mittelmeer neu abzustecken. Geopolitischer Hintergrund war, sich gemeinsam Zugriff auf größere Gebiete des Mittelmeers und die Erschließung potenzieller Rohstoffvorkommen zu verschaffen.

Seeabkommen als neue Konfliktgrundlage

Dieses nun bei der UNO registrierte Seeabkommen könnte eine neue Konfliktgrundlage im Mittelmeer mit Zypern, Griechenland, Ägypten und auch Italien begründen. Bereits in den letzten Monaten nahmen die wechselseitigen Vorwürfe zwischen diesen Mittelmeerstaaten zu, wonach man sich wegen Gas- und Ölvorkommen gegenseitig „übervorteilen“ wolle.

Diese strategische Rohstoffpolitik zwischen Ankara und Tripolis ist auch eine der Grundlagen für das wechselseitige Engagement im libyschen Bürgerkrieg. Die Türkei und Katar stehen dabei auf der Seite der Einheitsregierung, während Frankreich, Ägypten, Saudi-Arabien und Russland auf der Seite des Rebellengenerals Haftar und seiner Nationalregierung stehen.

Sicherheits- und Militärabkommen

Die Türkei und die libysche Einheitsregierung unterzeichneten 2019 auch ein Abkommen für eine engere Sicherheits- und Militärkooperation. Dies war die Grundlage dafür, dass Ankara seit einem guten Jahr eigene Truppen, syrische Söldner und andere Militärhilfe nach Libyen schicken konnte, um die Führung in Tripolis bei der Abwehr des im Osten Libyens herrschenden Generals Haftar zu unterstützen.

Der türkische Staatspräsident Recep Erdogan verfolgt mit diesem Libyen-Engagement seine ideologischen Großmachtpläne eines Wiederauflebens des ehemaligen Osmanischen Reichs, das den Mittelmeerraum jahrhundertelang beherrscht hatte.

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