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Sebastian Kurz

Die Abwehr von Anschuldigungen und Vorwürfen sei kraftraubend und zerrend geworden, sagte Sebastian Kurz bei seiner Rücktritts-Pressekonferenz.

2. Dezember 2021 / 12:39 Uhr

Sebastian Kurz verlässt Politik: „Ich bin weder ein Heiliger, noch ein Verbrecher“

Der ehemalige Bundeskanzler und ÖVP-Obmann Sebastian Kurz (36) zieht sich aus der Politik zurück. Das gab er heute, Donnerstag, in einer „persönlichen Erklärung“ bekannt.
“Wurde jeden Tag gejagt”
Er sei dankbar für alles, was er in den vergangenen zehn Jahren erlebt habe. Jeden Tag habe er so viele Entscheidungen zu treffen gehabt, dass er selbst gewusst habe, dass falsche Entscheidungen dabei sein würden. Als Bundeskanzler werde man jeden Tag gejagt.
Abwehr von Anschuldigungen und Vorwürfen
In den letzten Tagen sei seine Begeisterung für den Beruf weniger geworden. Sein politischer Alltag wäre von der Abwehr von Anschuldigungen und Vorwürfen geprägt gewesen. Das sei kraftraubend und zerrend gewesen. Er habe aber immer sein Bestes gegeben, aber auch Fehler gemacht. Wörtlich meinte Kurz:

Ich bin weder ein Heiliger, noch ein Verbrecher.

Er freue sich auf den Tag, an dem seine Unschuld bewiesen werde.
Nehammer soll Schallenberg folgen
In der ORF-Sendung „ZIB SPEZIAL“ wunderten sich Kommentatoren, dass die Abschiedsrede des Ex-Kanzlers eher kalt, jedenfalls ohne Tränen und stockende Worten über die Bühne ging. Außerdem erhärtete sich das Gerücht, dass Innenminister Karl Nehammer Nachfolger von Alexander Schallenberg als Bundeskanzler werden könnte. Morgen, Freitag, sollen beim ÖVP-Bundesparteivorstand diesbezüglich Weichen gestellt werden.
Kickl: “Kurz wurde von der Partei fallengelassen”
FPÖ-Parteichef Herbert Kickl, der bei seiner heutigen Pressekonferenz von Journalisten zum Rückzug von Kurz gefragt wurde, sagte:

Ich habe am Beginn des Jahres gesagt, Kurz muss weg, jetzt ist er weg. Ich habe am Beginn der Pandemie gesagt, der schwedische Weg ist der bessere, jetzt stellt sich das heraus. Und vielleicht glaubt mir dann auch jemand, wenn ich sage, dass der Plan B (Alternative der FPÖ zur Impfstrategie der Regierung, Anm.) derjenige Weg ist, der uns effizienter durch die Corona-Krise führt.

Ansonsten, so Kickl weiter, sei der Druck auf Kurz einfach zu groß geworden. Er habe ja sehr viele Fronten offen, und dass die Partei sich schon längst von ihm verabschiedet hat in Gestalt der Landeshauptleute und allen anderen, die noch vor Kurzem gesagt hätten, sie werden zurücktreten, sollte Kurz nicht mehr Bundeskanzler sein, und dann doch alle geblieben sind, zeige ein eindeutiges Bild. Kurz sei zuletzt alleine auf weiter Flur gestanden, die Partei habe ihn fallengelassen, und er würde jetzt die Konsequenzen daraus ziehen.
Hafenecker: “ÖVP weiter dem ‘tiefen Staat’ verhaftet”
In einem Video-Kommentar sagte der Fraktionsführer im “Ibiza”-Untersuchungsausschuss, Nationalratsabgeordneter Christian Hafenecker, dass die ÖVP auch mit dem Personalwechsel an der Spitze weiter dem “türkisen Karussell” und dem “tiefen Staat” verhaftet sei. Sollte Nehammer tatsächlich Schallenberg folgen, würde jemand Kanzler werden, “der die Bevölkerung leidenschaftlich quält und bestraft”.

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