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Mit dieser Karte fordert der Litauer Maldeikis einen Rückzug Russlands aus den grün markierten Gebieten.

3. Februar 2022 / 19:06 Uhr

Größenwahn? Litauischer Politiker fordert Russlands Rückzug aus Gebiet von 1430

Auch ein litauischer Parlamentsabgeordneter gab anlässlich der latenten Kriegsgefahr in der Ukraine eine Stellungnahme ab. Darin fordert er einen Rückzug Russlands aus den ehemaligen Gebieten des Großherzogtums Litauen und präsentierte dazu auch eine Karte. Dies entspräche einem Gebietsverlust Russlands bis kurz westlich von Moskau.
Unglaubliche Aussagen
Wenn der Beitrag nicht noch immer auf Twitter verfügbar wäre, würde man es fast nicht glauben. Matas Maldeikis, ein Mitglied des Litauischen Parlaments, also ein hoher politischer Vertreter eines NATO-Staates, teilte auf seinem Profil Folgendes:

Ich fordere den sofortigen Abzug der russischen Truppen aus dem historischen Einflussbereich des Großherzogtums Litauen, einschließlich Weißrussland und der Ukraine. Russlands westliche Expansion seit der Annexion von Nowgorod 1478 ist eine unerhörte Provokation.

Dazu teilte er eine entsprechende Karte des „litauischen Einflussgebiets“ von 1430 (siehe Titelbild).
Klar revisionistische Botschaft ohne aktuelle Grundlage
Somit forderte er Russland nicht nur auf, Truppen aus Weißrussland zurückzuziehen, sondern auch eine Art entmilitarisierte Zone bis kurz vor Moskau. Indirekt hat die Karte natürlich unübersehbar eine klare Botschaft: Russland soll Gebiet abgeben, das ihm historisch angeblich nicht gehört.
Die Forderungen haben heute keinerlei Grundlage. Im Gegenteil: Es ist in der Völkerkunde umstritten, ob Russen, Ukrainer und Weißrussen überhaupt als verschiedene ethnische Völker zu betrachten sind.
Aggressiver Ton kommt vom Westen
Dabei gilt Maldeikis nicht als Extremist. Er ist Mitglied der konservativen Partei und saß von 2016 bis 2020 für die EVP im Europäischen Parlament. Somit ist er ein Parteikollege von Ursula von der Leyen, der Kommissionspräsidentin. Das aus den Reihen der EU-Regierungsfraktion solch aggressive Töne gegen Russland kommen, lässt tief blicken. Vergleichbar damit wären russische Aussagen, die von einer hunderte bis tausende Kilometer tiefen Westverschiebung der Grenzen sprächen. Solche Aussagen hört man jedoch aus Moskau nicht.
Rückgabe des Memellandes?
Bei all der Aggressivität muss sich Maldeikis auch einen (nicht ganz ernstgemeinten) Seitenhieb gefallen lassen: Auf seiner Karte ist ein schmaler Streifen innerhalb der heutigen Litauischen Grenzen im Südwesten des Landes nicht grün markiert: das Memelland, das bis 1920 zu Ostpreußen und damit zu Deutschland gehörte. Es war seit dem Mittelalter größtenteils deutsch besiedelt und wurde im Rahmen des Versailler Vertrages ohne Volksabstimmung von Deutschland abgespalten. Wäre Maldeikis konsequent, müsste er auch wieder für eine Rückgabe des genannten Gebietes sein. 1945 wurden fast alle Deutschen aus dem Memelland gewaltsam vertrieben.

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