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Peichls Jugend war nicht von Krieg und Gewalt, sondern von jugendlicher Unbeschwertheit geprägt. Hier bei einem Wanderausflug auf die Heukuppe in der Steiermark.

24. Februar 2022 / 08:54 Uhr

Peichls Jugend: Zwischen Monarchie und Diktatur

Der Nachlass Adolf Peichls, des Deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg mit den meisten Tapferkeitsauszeichnungen, wird erstmals als Buch veröffentlicht. Unzensuriert berichtet daher in einer Serie mit exklusiven Einblicken in das Leben des Wiener Ritterkreuzträgers. Heute blicken wir auf die chaotische Jugendzeit Peichls in einem Österreich zwischen Monarchie und Diktatur.
Eine Reihe an Systemwechseln
Peichls Hintergründe müssen auf Grund seiner Herkunft aus Österreich völlig anders betrachtet werden als jene der Gleichaltrigen aus der Weimarer Republik beziehungsweise dem Deutschen Reich. Während in Deutschland bekanntlich die Nationalsozialisten bereits sechs Jahre vor Kriegsbeginn an die Macht gelangt sind, herrschte in Österreich noch bis 1938 ein reges Chaos mit mehreren Systemwechseln. So zerfiel in Peichls Kindheit und Jugend die K.u.K.-Monarchie, die Erste Republik wurde ausgerufen und diese wurde schließlich vom klerikalen Austrofaschismus unter dem Diktator Engelbert Dollfuß abgelöst.
Nazis wurden in Österreich scharf verfolgt
Während in Deutschland schon lange die Nazis regierten, wurden diese bis zur Angliederung Österreichs an das Deutsche Reich in der Alpenrepublik scharf verfolgt, die NSDAP war verboten. Diese historischen Hintergründe sind sehr wichtig in Bezug auf Peichl zu nennen. Die Weltanschauung aus Deutschland war für Peichl und seine Kameraden somit nicht etwa die Mehrheitsmeinung im Umfeld, sondern wurde in Österreich verfolgt. Somit entsprachen die Jugendlichen, die sich in Österreich dem deutschen Gedankengut annäherten, einem „rebellischen Geist“ gegen die Regierung. Gerade in den Jugendjahren Peichls, in der die Regierungen in Österreich keine Beständigkeit zeigten, schien das System aus Deutschland Ordnung, Sicherheit und Erfolg zu bieten.

Peichls spätere Frau Martha schickt ihm 1938 Urlaubsgrüße. Die Jugendlichen waren mehr mit der Liebe als mit einem kommendem Krieg beschäftigt.

Sachliche Analyse muss tief greifen
Somit muss eine sachliche Analyse tief greifen und mehr sein als ein belehrerischer Fingerzeig auf all jene Österreicher, die damals Hoffnungen in Deutschland hatten. Wenn uns Peichls Fotonachlass zahlreiche unbeschwerte, glückliche Bilder aus den Jahren 1938 und 1939 zeigt, dann müssen die möglichen Beweggründe und Gefühle der damaligen Menschen zumindest angesprochen werden. Das erscheinende Buch geht hier umfassend auf die historischen und politischen Hintergründe aus jener Zeit in Österreich ein.
1939: Auch in der Freizeit trugen die jungen Männer stolz ihre Uniformen. An die blutige Front dachte dabei noch keiner. Von links nach rechts: Paula, Adolf Peichl, Martha, Paul Schedifka

Fotos zeigen unbeschwerte Jugendliche
Gerade die unbeschwerten Fotos aus der Vorkriegszeit von Peichl, seiner späteren Frau Martha, seinem besten Freund und späteren Kameraden Paul Schedifka und dessen späterer Frau Paula zeigen keine Unmenschen oder Verbrecher, sondern ganz normale, unbeschwerte Jugendliche, die nach einer chaotischen Jugend scheinbar Stabilität durch Deutschland gefunden haben. Die Spitze hierzu war sicherlich der Dienst beim Deutsch Militär (während der Vorkriegszeit). Auf vielen Fotos trägt Peichl seine Uniform sichtbar stolz in seiner Freizeit. An blutige Kämpfe und Frontalltag scheint er mit seinen Kameraden hier noch nicht einmal im Traum zu denken. Umso deutlicher fällt danach der Kontrast zum Krieg aus.
In der nächsten Folge berichten wir über Peichls erste Kriegsjahre. Das Buch „Adolf Peichl: Aus dem Tagebuch eines Untersturmführers“ von Viktor Eisenmann erscheint in Kürze bei KL-Militaria. Es ist bereits als Festeinband oder Limitierte Sonderedition vorbestellbar.

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