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Frieren in der Wohnung

Obwohl die Mehrheit der Österreicher nicht „für Putin“ frieren will, trägt die schwarz-grüne Regierung den Sanktionskurs gegen Russland mit. Bloß dort kommen sie gar nicht wie gedacht an.

23. Juni 2022 / 18:00 Uhr

Schuss ins Knie: Sanktionen treffen schmerzlich – aber nicht Russland

„Wirkungslose Sanktionen?“, fragt heute, Donnerstag, die Tageszeitung Die Welt. Und fasst schon in der Unterüberschrift die Quintessenz zusammen:

Die erstaunliche Widerstandsfähigkeit Russlands

Abgesang traf nicht ein
Die Weltbank hatte im April noch einen Wirtschaftseinbruch von minus 11,2 Prozent für 2022 für Russland prognostiziert, und ruderte inzwischen auf nur noch 8,9 Prozent Minus zurück. Tendenz immer geringere Auswirkungen.
Die russische Zentralbank teilte vor wenigen Tagen mit, dass die Befürchtungen, wonach die Wirtschaft aufgrund der westlichen Sanktionen um acht bis zehn Prozent schrumpfen könnte, zu hoch angesetzt gewesen sein dürften. So hart wie nach der Finanzkrise 2009 werde es Russland keinesfalls treffen.
Aus der Geschichte gelernt
Seit den letzten westlichen Sanktionen – ja, das Spielchen betreiben die USA und ihre Vasallen ja schon seit Jahren! – hat sich Russland außerdem bewusst unabhängiger von Importen gemacht, was sich jetzt bezahlt macht. Zwar fehlen wichtige Produkte vor allem in der Herstellung, doch die Lage sei bei weitem nicht so dramatisch, wie es in den westlichen Mainstream-Medien dargestellt wird.
Und noch etwas dürfte den Sanktionstreibern nicht gefallen: Die russische Währung hat sich gegenüber dem Dollar seit Jahresanfang gut 40 Prozent aufgewertet. Hinzu kommen enorm gestiegene Einnahmen aus Erdöl- und Erdgasverkäufen, denn Russland erfüllt nach wie vor seine vertraglichen Liefergeschäfte. Die Kriegskasse ist im wahrsten Sinne des Wortes nicht nur gefüllt, sie ist unerwartet gut gefüllt!
Europa taumelt
Stellt man die Entwicklungen und die Perspektiven in den westlichen Ländern dagegen, fällt die Bilanz traurig aus, denn Europa taumelt. Der bundesdeutsche Finanzminister Christian Lindner (FDP) hat die Bevölkerung bereits auf eine jahrelange Phase der Entbehrungen eingeschworen, auf „Verzicht im Interesse höherer Ziele“ sozusagen, um also Russland für seinen Angriff auf die Ukraine zu bestrafen und die US-Dominanz zu sichern.
Die Agenda Austria hat erst vor wenigen Tagen die Folgen dieser „höheren Interessen“ für Österreich analysiert, und zwar, wie sich reduzierte Gaslieferungen aus Russland auswirken dürften. Liefert Russland 25 Prozent weniger, drohe der Wirtschaft ein Wachstumsverlust von 2,4 Prozentpunkten – was rund 40.000 Arbeitsplätze kosten dürfte. Und das sind „nur“ die Auswirkungen von reduzierten Gaslieferungen!
Bürger nicht gefragt
Dazu kommt, dass die Bürger diese Politik nicht mittragen! Die Mehrheit der Österreicher will weder frieren noch den Gürtel enger schnallen, um es „dem Russen zu zeigen“. Die Bereitschaft dafür dürfte noch weiter sinken, wenn sich die Bevölkerung bewusst wird, dass die Sanktionen die Länder härter treffen, die sie verhängt haben, als das Land, das sie treffen sollten.

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