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ÖVP-Kanzler Karl Nehammer in Abu Dhabi

Zum mehrtägigen Arbeitsbesuch von ÖVP-Kanzler Karl Nehammer nach Abu Dhabi durften freilich auch ausgesuchte Journalisten mit. Eine Einladung, die den Boden für die unangemessene Nähe zwischen Politikern und Medienvertretern bereitet.

8. November 2022 / 11:37 Uhr

Scheinheiliger „Krone“-Kommentar über Verhaberung zwischen Journalisten und Politikern

Kronen-Zeitung-Kolumnistin Conny Bischofberger rückt heute, Dienstag, aus, um als Moralapostel gegen die Verhaberung zwischen Journalisten und den Politikern aufzutreten. Das tut sie ausgerechnet in der „Krone“.

Unangemessene Nähe im Scheinwerferlicht

Die Chatnachrichten zwischen Thomas Schmid und Journalisten brachten die unangemessene Nähe zwischen Politik und der Medien-Branche wieder einmal ins Scheinwerferlicht. Wie berichtet, haben Rainer Nowak, Chefredakteur Die Presse, und ORF-Chefredakteur Matthias Schrom für ihr Verhalten die Konsequenzen gezogen. Dafür, so meinte Conny Bischofberger in ihrer Kolumne, gebühre ihnen Anerkennung. Wörtlich schrieb sie:

Wer Demut vermissen lässt, ist irgendwann verhabert. Diese urösterreichische Form der Freunderlwirtschaft ist nicht neu, es gab sie auch schon früher. Jede und jeder von uns hat wohl seine blinden Flecken. Und die gehören ans Licht.

„Du bist unser Küniglberg-Held!“

„Gut gebrüllt, Löwe“ ist man versucht zu sagen, wären da nicht Dinge, die Frau Bischofberger nicht ans Licht brachte. Sie nannte zwar Journalisten der Konkurrenzmedien beim Namen, nicht aber jene im eigenen Haus. Zum Beispiel den stellvertretenden Chefredakteur des Kurier (der gemeinsam mit der Kronen Zeitung zur Mediaprint-Gruppe gehört), Richard Grasl. ZackZack hat öffentlich gemacht, wie Grasl beim ORF für die ÖVP intervenierte. So erfolgreich, dass Schmid sogar in Jubelstimmung ausbrach und ihm folgende Nachricht schrieb:

Du bist unser Küniglberg-Held! Ohne deine Hilfe hätten wir keine Pics bekommen. Danke nochmal.

Teure Restaurants und Luxusreisen

Wie es zwischen Journalisten und Politikern in Wahrheit abläuft, erfährt der Bürger meistens erst dann, wenn Chatnachrichten veröffentlich werden, oder wenn sich – wie im Fall des ehemaligen Chronik-Chef der Kronen Zeitung – die Wege trennen. Thomas Schrems machte auf seiner Facebook-Seite unter dem Titel „Der Luftballon geht so lange zur Nadel…bis es Puff! macht“ seinem Ärger über die Verhaberung, die er selbst miterlebte, Luft. Wörtlich schrieb er:

Lustig war das aber schon. Damals. Einladungen in teure Restaurants, Luxusreisen, etwa nach New York, als Du (Sebastian Kurz, Anm. d. R.) und dein späterer Bullterrier in nachmitternächtlicher Laune mich, den Schreiberling, in einer Rooftop-Bar in den Pool zu den halbnackten Mädels werfen wolltet – es dann aber doch bleiben ließet.

Mitstrahlen. Wegsehen. Schweigen.

Als Redakteur könne man nichts anderes tun, beichtete er auf Facebook, als: „Genau. Nichts. Mitstrahlen. Wegsehen. Schweigen“. Doch irgendwann vor ein paar Jahren wollte Thomas Schrems, der gebürtige bodenständige Steirer, der plötzlich zum Mitspieler der Wichtigen in diesem Land wurde, nicht mehr so weitermachen. Als er der Tageszeitung den Rücken kehrte, plauderte er ein wenig aus dem Nähkästchen.

Heute schreibt Schrems Bücher. Bei der Krone würde er nie wieder arbeiten, sagte er gegenüber unzensuriert. Das Blatt mache offenkundig die reinste Hofberichterstattung.

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