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Anlässlich der skurrilen „Grüß Gott“-Debatte rund um den SPÖler Kai Jan Krainer sollte man wissen, dass „falsches“ Grüßen in parteinahen Betrieben lange Zeit negative Folgen gehabt hat.

5. Dezember 2022 / 14:35 Uhr

Wer einst „falsch“ grüßte, dem drohten harte Konsequenzen

Nach wie vor gibt es Medienberichte über „Grüß Gott“ und „Guten Tag“. Eine Debatte, die im ÖVP-Korruptionsuntersuchungsausschuss das Licht der Welt erblickte. Zwar bestreitet der SPÖ-Politiker Kai Jan Krainer, dass er dem aus Niederösterreich stammenden ÖVP-Zeugen Bernhard Ebner das „Grüß Gott“ untersagt habe und folglich meinte, dass man hier „Guten Tag“ sage.

Dennoch soll erinnert werden, dass in der Nachkriegszeit sich ÖVP und SPÖ das Land Österreich aufgeteilt hatten. Je nachdem, ob ein staatsnaher Betrieb in einem roten oder schwarzen Bundesland angesiedelt war, gab es, die jeweils präferierten Gruß-Formeln zu berücksichtigen.

Beamter sagte im roten Wien nur „Grüß Gott“

Hans Meier (Name von der Redaktion geändert) ist Beamter in Ruhestand und war in der roten Gemeinde Wien als Elektrotechniker beschäftigt. An seinem ersten Arbeitstag traf er seine künftigen Kollegen sitzend beim Frühstücks-Kaffee. Höflich grüßend fand Meier die Worte „Grüß Gott“. Die Runde sah sich verdutzt an. Wenige Minuten später trat einer zu Meier und erklärte ihm: „Herr Meier! Bei uns sagt man nicht Grüß Gott. Wir sagen: Grüß Gott in aller Freundschaft!“

Herr Meier, damals noch jung und naiv, nahm die Ermahnung verwundert, aber widerspruchslos zur Kenntnis. Bei seinen Mitarbeitern hatte er jedenfalls gleich am ersten Arbeitstag einen dicken Minuspunkt gesammelt. Es vergingen die Jahre, und Meier fühlte sich in seiner Arbeit beschnitten, was ihn einst im Zorn dazu verleitete, ein böses Wort über die SPÖ zu verlieren.

Kritik an Partei führte zur Versetzung

Die Reaktion folgte bald. Meier wurde gemeindeintern versetzt und zum Portier degradiert. Das hieß auch längere Arbeitszeiten bei niedrigeren Bezügen. Nach vielen Jahren schließlich bot man ihm eine letzte Chance als Elektrotechniker im Wiener Allgemeinen Krankenhaus an. Sollte er allerdings wieder „auffällig“ werden, dann sei sein Dienst bei der Gemeinde zu Ende. Meier blieb im AKH bis zu seinem Ruhestand samt einer folgenden niedrigen Beamtenpension. Sein Hass auf die SPÖ ist ihm geblieben.

Mittlerweile gibt es mit SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig einen Politiker, der durchaus mit „Grüß Gott“ grüßt. Umgekehrt kann es aber genug ÖVP-Politiker geben, die es als Majestätsbeleidigung empfinden, wenn die Anrede nicht mit „Grüß Gott“ erfolgt.

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