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17. April 2013 / 11:00 Uhr

Salafisten gehen in Tunesien gegen Sufisten vor

Immer radikaler gehen extremistische Islamisten sogar gegen eigene Glaubensbrüder vor. In Tunesien sind in den letzten fünf Monaten rund 40 Mausoleen angegriffen, geschändet und zerstört worden. Wertvolle Kulturgüter wie Holzschreine, Fayencen oder Kuppeln wurden zerstört. Die Salafisten dulden die seit dem 12. Jahrhundert bestehende Glaubensrichtung des Sufismus, der auch eine Heiligenverehrung kennt, nicht. Seit der sogenannten „Arabischen Revolution“ im Jahr 2011 versuchen die Salafisten den Sufismus und andere Strömungen des Islam zu vertreiben und zu vernichten.

Der für die Salafisten maßgebliche Wahhabismus stammt aus dem streng religiösen Saudi-Arabien und ist die extremste Strömung des Islam, er lehnt jede Abweichung vom „wahren Glauben“ ab. Er propagiert eine Rückkehr zur traditionellen Lebensweise der ersten Generation nach dem Propheten und Religionsbegründer Mohammed. Von den Bekleidungsvorschriften über die Lebensformen bis hin zur Glaubensausübung orientiert man sich ausschließlich an einer dogmatischen Auslegung des Koran. Zusätzlich sieht man im Islam die einzig gültige Religion.

Sufismus ist traditionsreiche Glaubensrichtung im Islam

Der Sufismus steht zum Salafismus im Gegensatz, da er von Spiritualität, Askese und Heiligenverehrung geprägt ist. Die seit dem 12. Jahrhundert vor allem in Nordafrika tätigen Sufi-Bruderschaften spielen dort für die islamische Religionsausübung eine große Rolle. Den Bruderschaften steht jeweils ein Scheich vor, der seine Abstammung von einem verehrten Heiligen herleitet. In den Mausoleen, auch „Zaouias“ genannt, werden Gebete, religiöse Feste und gesellschaftliche Zusammenkünfte organisiert.

Bisher hatten alle politischen und religiösen Autoritäten den Sufismus und seine heiligen Stätten respektiert. Die Salafisten anerkennen aber einzig und allein die religiöse Autorität der Moscheen an und lehnen daher die Zaouias strikt ab. Von der aktuellen, den Salafisten nahestehenden Regierung in Tunis dürfen sich die Anhänger des Sufismus jedenfalls keine Unterstützung erwarten. Der amtierende Religionsminister Noureddhine Khadmi ist der einflussreiche Iman einer Salafisten-Moschee in Tunis.

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