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20. Mai 2012 / 22:57 Uhr

Sarrazin: „Der Euro stiftet Unfrieden in Europa!“

Thilo Sarrazin hat wieder ein Buch geschrieben, und auch dieses dürfte an den Grundfesten des Selbstverständnisses der politischen Klasse in Deutschland rütteln. „Europa braucht den Euro nicht “ ist ähnlich aufgebaut wie „Deutschland schafft sich ab“. Mithilfe von Zahlen, Daten und Fakten wird ein Dogma enttarnt. Zuerst war es die Behauptung, Massenzuwanderung sei gut für die deutsche Gesellschaft. Jetzt ist es das Märchen, Deutschland habe von der Einführung des Euro profitiert.

 

Bei Günther Jauch im ARD-Abendprogramm saß Sarrazin einem seiner SPD-Genossen gegenüber, um seine Schrift zu verteidigen. Peer Steinbrück, ehemaliger Finanzminister, verkörperte in typischer Weise die Überheblichkeit selbsternannter europäische Eliten, die mittels Denkgeboten und –verboten die Entwicklung immer weiter fortschreiben wollen. „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“, hatte Erich Honecker als starker Mann der DDR gerne gesagt. Für Sarrazin hat Angela Merkels „Fällt der Euro, fällt Europa“ mittlerweile einen ähnlich schalen Klang. Denn, so Sarrazin, der Euro habe an der europäischen Integration nicht den geringsten Anteil. Im Gegenteil: Das Zusammenwachsen Europas habe bis zur Einführung der gemeinsamen Währung stattgefunden, danach nicht mehr. „Der Euro“, so Sarrazin mit Blick auf die Griechenland-Krise, „stiftet Unfrieden in Europa“.

 

Aufregung um Holocaust-Argumente

 

Steinbrücks Gegenargumente verließen schnell die Sachebene und schwangen sich in moralisierende Höhen auf, die alsbald im Holocaust als Verpflichtungsgrund für das deutsche Engagement bei der Euro-Rettung mündete. Auch damit bestätigte Steinbrück Sarrazin, der in seinem Buch geschrieben hatte, SPD, Grüne und Linkspartei seien „getrieben von jenem sehr deutschen Reflex, wonach die Buße für Holocaust und Weltkrieg erst endgültig getan ist, wenn wir alle unsere Belange, auch unser Geld, in europäische Hände gelegt haben“. Dieser Satz hat bereits die erwartbare Medienhysterie ausgelöst. Der Vorwurf: Sarrazin ziehe eine Verbindung vom Holocaust zur Euro-Krise. Der aufmerksame Fernsehzuseher konnte unschwer bemerken, wer diese Verbindung in Wahrheit zieht. Es war Peer Steinbrück.

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