Gelebte Demokratie: Demonstration der Naivlinge gegen die neue Regierung

Ein zweiter Versuch macht die einen klüger ....
Ein zweiter Versuch macht die einen klüger ....
18. Dezember 2017 - 17:35

So gegen 9.30 Uhr des voller Angstlust erwarteten "Tag X" am 18. Dezember kamen sie aus allen Richtungen zusammen – das „breite Bündnis“ aus Hochschülerschaft, Antifa, Feministinnen, Fahrradfahrern, Gewerkschafts- und linker Parteienjugend, alle vereint im Bestreben, die gewählte Regierung nicht zu akzeptieren.

Bipolares Weltbild wie mittelalterliche Sekte

Aus dem Lautsprecher am Lastenrad der "Fahrrad-Manichäer" („Critical Mass“ waren sie heut nicht gerade, eher an die dreißig Mann) quäkte eine Rede in antifaschistischem Soziologendeutsch. Ihr bipolares Weltbild besteht aus Angst vor einer dunklen „Zukunft wie im Mittelalter“, die jetzt anbricht unter Schwarz-Blau, und nie versiegender Hoffnung auf den lichten Tag, an dem endlich „eine sympathische Gesellschaft“ kommt.

von Caroline Sommerfeld

Die Studenten und "streikenden" Schüler (Montag Vormittag hat die arbeitende Bevölkerung keine Zeit für solche Sperenzchen) trugen Banner und Plakate vor sich her, die ihre Angst vor „Selektion“ (als wenn Bildung nicht immer Selektion bedeutet) und Studiengebühren (Wie soll Österreich einen Sozialstaat für Fremde und gleichzeitig die Gratis-Uni für alle finanzieren?) zeigten. Logische Konsequenz im Weltbild der Sozialisten:

Ein freundliches junges Wesen trug ein Pappschild, auf dem zu lesen stand: „Ich weiß gar nicht, was ihr habt, ich seh überall nur gute Menschen“. Wahrscheinlich ist das das Problem. Ich sah auch einen guten Menschen, einen barfüßigen und langbärtigen arabischen Sandler, ein Plastiksackerl um die Beine gewickelt, der dem Demonstrationszug die ganze Zeit debil grinsend zunickte. Wahrscheinlich ist das ein Symbol.

Antifa-Singsang für den Kinderwagen

Die gesamte Demonstration setzte sich aus Schülern, Studenten, Eltern (auch Müttern mit Kinderwagerln, eine sang ihrem Kindelein „Antifa! Antifa!“ vor) und älteren Damen zusammen („Was soll' ma draufschreiben? Gegen …. Sozialabbau! Und für? Wofür sind wir eigentlich?“). Die Antifa hatte pinkfarbene Einmalregenmäntel gesponsert bekommen, wozu, weiß keiner. Überhaupt Pink, in den Augen der Linksextremen ist Pink wohl die Kontrastfarbe zu Türkisblau.

Furchteinflößend war das alles nicht, die Furcht, die mich angesichts tanzender junger Menschen ununterscheidbaren Geschlechts ergriff, hatte mehr mit meinen Gedanken über Nietzsches „letzte Menschen“ zu tun als mit irgendwessen martialischem Äußeren. So stand ich träumend.

Zwischen Angst und Ethnomasochismus

Bis mir eine linke Bekannte zwecks Kontaktaufnahme menschenfreundlich ins Ohr trillerpfiff und dann feixend zu ihren Gesinnungsgenossinnen herüberhüpfte: Sie hatte mich entdeckt. Es entstand ein Gespräch am Rande, über Angst („Wovor hast du eigentlich Angst?“ „Ich habe keine Angst, aber alle hier Versammelten, die haben offensichtlich Angst“), über Demonstrationsrecht („Ich wundere mich darüber, warum die Leute hier alle die gewählte Regierung nicht akzeptieren.“ „Jeder hat Demonstrationsrecht, du bist doch auch hier!?“ „Äh, ja, um zu dokumentieren!?“), über Einwanderung („Du bist doch auch eingewandert, und was ist, wenn jemand hier aufgewachsen ist?“ „Das ist etwas völlig anderes als Masseneinwanderung.“) und über Ethnomasochismus („Du kommst mir vor wie von einer Sekte.“ „Ihr mir auch. Euer Ethnomasochismus ist echt Sektenverhalten“). Beide Seiten sahen ein, daß der Dialog wieder einmal gescheitert war.

Wasserwerfer hatten nicht viel zu tun

Es kam im Laufe des Vormittags - gegen 13.00 Uhr besuchte ich den Heldenplatz erneut - laut Polizei zu keinerlei gröberen Vorfällen, ein eilig gelöschtes Feuerchen am Boden und ein Silvesterkracher waren das Äußerste. Bleibt mir nur, dieses Foto zu interpretieren mit der stets gültigen Faustregel: „Linke projizieren immer".

Ich dankte der Polizei in Gestalt eines sommersprossigen Jungspunds für ihre Präsenz, er sagte mir: „Na, gut vorbereitet waren wir jedenfalls.“ Die neue Regierung braucht sich jedenfalls bei weitem nicht so sehr vor den hier angerückten Demonstranten zu fürchten, wie diese sich vor der Regierung.

 


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