Saudi-Arabien plant Themenpark „Mohammed-Land“

Ein Themenpark mit dem klangvollen Namen „As-salâm alayki ayyihâ an-nabi“ ('Friede sei mit Dir, oh Prophet) soll auf einer Baufläche von einer Million Quadratmetern zwischen Mekka und Djeddah errichtet werden, kündigte vor kurzem die saudi-arabische Tageszeitung Al-Riyadh an. Das initiierte Projekt soll bereits in Kürze starten. Nach Angaben der Zeitung soll der Themenpark durchgehend 24 Stunden geöffnet sein und über eine Kapazität von 500 Personen pro Stunde verfügen. Er soll auch eine Bibliothek umfassen, nämlich "die weltweit größte und umfassendste Bibliothek über Leben und Wirken des Propheten", nebst einem Webportal, das ebenfalls "insh'Allah (so Gott will) das weltweit größte zu diesem Thema" werden soll. Die französische Zeitung Courrier International hat die bisher vorliegenden Berichte zusammengefasst.

Anhand der Schilderungen arabischer Historiker sollen sogar Nachbildungen der Schmuckstücke gezeigt werden, die von den Frauen des Propheten getragen wurden; die Gewänder des Propheten sollen ebenso zu bewundern sein wie andere Objekte aus seinem Leben wie Möbel, Waffen, Schmuck oder Münzen, wie sie etwa im Koran erwähnt werden. Der Themenpark soll dem Wunsch seines Proponenten zufolge "das Bild des Islam verändern und – insh'Allah – viele Menschen dazu motivieren, zum Islam überzutreten".

Essen und Trinken wie zu Mohammeds Zeit

Zum Themenpark gehören weiters im islamischen Stil errichtete Hotels sowie Restaurants, welche Speisen und Getränke aus der Zeit des Propheten anbieten; auch Märkte in traditioneller Bauweise sollen den Besuchern zur Verfügung stehen. "Dieses Projekt wird nicht nur alle Moslems begeistern, sondern auch die ganze Menschheit, denn es ist als Botschaft an die Welt im Namen unserer himmlischen Religion gedacht", erklärt Nasser Bin Misfir Al-Zahrani. "Es handelt sich nicht um ein persönliches oder kommerzielles Projekt", fügt er hinzu, "sondern um ein Projekt der gesamten moslemischen Umma, das sich zum Ziel setzt, mit falschen Klischeebildern über die Geschichte aufzuräumen."

Al-Zahrani ist bereits durch ein anderes, ebenso ehrgeiziges Projekt bekannt geworden, nämlich eine "Enzyklopädie in 300 Bänden, die demnächst erscheinen wird", in der alle verfügbaren Informationen über den Propheten Mohammed enthalten sein sollen, ausgehend von den Hadithen, also den Lebenbeschreibungen des Propheten, die für den sunnitischen Islam seit jeher von großer Bedeutung sind. Darüber hinaus will Al-Zahrani auch im benachbarten Kuwait investieren. Hier soll "das größte Museum der Welt entstehen, wo – insh'Allah – alles zu sehen sein wird, was zum Leben des Propheten – Friede sei mit ihm – gehört, wie Kleidungsstücke, Sandalen, Mahlzeiten, Getränke, Tassen, Wandbehänge, Waffen und Kriegsgerät, etc.". Dazu die saudi-arabische Tageszeitung Al-Jazira: "Allah hat diesen schöpferischen Mann mit einer wunderbaren Idee belohnt, nämlich dem Plan einer ständigen Ausstellung über alle Abschnitte, über jeden Aspekt des Lebens des Propheten."

Gegner befürchten „Götzenverehrung“

Al-Zahrani hat ferner "mit der Universität von Riad eine Vereinbarung getroffen, dass seine Enzyklopädie in alle wichtigen Sprachen der Welt übersetzt werden soll und dass am Standort des Themenparks auch ein Sateliten-Kanal sowie eine Universität gleichen Namens entstehen sollen", wie die saudi-arabische Zeitung Al-Watan berichtet.

Die Begeisterung Al-Zahranis wird dennoch nicht von allen gleichermaßen geteilt. "Das Projekt droht zu einer Krise zu eskalieren", berichtet die in Djeddah erscheinende Tageszeitung Okaz. "Der große islamische Ulema (Gelehrte) Saleh Bin Fawzan Al-Fawzan hat die sofortige Einstellung des Projekts gefordert." Al-Fawzan, ein sehr prominentes Mitglied des Fatwa-Rates, ist der Ansicht, dass es sich um eine "tadelnswerte Idee" handle, welche das Ziel verfolge, "die Leute von der Pilgerfahrt nach Mekka abzulenken". Schlimmer noch, das Projekt käme dem "Wiederauflebenlassen alter Steine" gleich, was im arabischen Sprachgebrauch gleichbedeutend ist mit streng verbotener "Götzenverehrung".

Kritik auch von Online-Kommentatoren

Aber auch im Kommentarbereich der oben zitierten Online-Meldungen lassen sich zahlreiche kritische Bemerkungen finden wie:

  • Allah sagt durch den Propheten, dass "ikhtilât" (das 'Vermischen' von Männern und Frauen) "haram" (also nicht statthaft) ist, jede bildliche Darstellung impliziert jedoch "ikhtilât".
  • "Bid'ah" (Innovation, im Sinne von Häresie) ist Irreleitung und Irreleitung führt ins Feuer.
  • Der Name "As-salâm alayki ayyihâ an-nabi" ist als Ortsname völlig unpassend.

Man darf gespannt sein, welche Ansichten sich durchsetzen werden.

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