Atomlobby gibt in der EU die Richtung vor

In der vergangenen Woche hat die EU-Kommission den mit Spannung erwarteten „Stresstest“ für Atomkraftwerke vorgestellt. Die Ergebnisse des Berichts sind nicht nur ernüchternd, sondern besorgniserregend: Keines der 64 Kernkraftwerke in der Europäischen Union sei als „sicher“ einzustufen, vielmehr bestehen teils schwere Sicherheitsmängel, womit sich jederzeit eine Nuklearkatastrophe wie 1986 in Tschernobyl oder 2011 im japanischen Fukushima wiederholen kann.

Kommentar von Andreas Mölzer

Wie die Brüsseler Behörde in dem Streßtest festgestellt hat, werden moderne Standards unter anderem für die Erdbebenrisikoberechnung nicht berücksichtigt. Und davon betroffen ist wiederum das slowenische Atomkraftwerk Krsko (Gurkfeld), das bekanntlich in einem besonders erdbebengefährdeten Gebiet errichtet wurde. Denn im Juli 2004 wurde in der Region von Krsko ein Erdstoß der Stärke 4,9 auf der Richterskala, und im Jahr 1976 gar der Stärke 6,0 registriert. Eine atomare Katastrophe ist also jederzeit möglich, und eine solche hätte verheerende Folgen für Kärnten und die südliche Steiermark, weil die österreichische Grenze nur etwa 100 Kilometer entfernt ist.

Der Schrottmeiler selbst stellt somit nicht nur für Slowenien selbst ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar, sondern auch für seine Nachbarstaaten. Trotzdem denkt die Regierung in Laibach nicht im Geringsten daran, das Kernkraftwerk vom Netz zu nehmen. Ganz im Gegenteil, die Laufzeit dieses AKW soll bis zum Jahr 2043 verlängert und obendrein soll noch ein weiterer Reaktorblock errichtet werden. Dass dieses unverantwortliche Spiel mit dem Leben und der Gesundheit von Menschen Konsequenzen haben wird, ist jedoch nicht zu erwarten. Und nicht nur wegen des uneinsichtigen Festhaltens der Slowenen an der Kernkraft, sondern auch, weil innerhalb der Europäischen Union die mächtige Atom-Lobby die Richtung vorgibt.

Andreas Mölzer ist Mitglied des Europäischen Parlaments und Herausgeber des Wochenmagazins Zur Zeit.

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