Was weiß das Heeresabwehramt über den Fall Kampusch? | Unzensuriert.at

Was weiß das Heeresabwehramt über den Fall Kampusch?

21. Oktober 2012 - 14:14

Eine Erkenntnis des Kampusch-Unterausschusses ist, dass zahlreiche brisante Akten nicht den Weg ins Parlament gefunden haben. Dabei handelt es sich um Unterlagen der Steuerbehörden und notwendige Bankdaten, die über Zahlungsflüsse rund um Wolfgang Priklopil Auskunft geben sollen. Aber auch Akten des Heeresabwehramtes (HAA) wurden den Abgeordneten vorenthalten. Eine Anfrage der FPÖ-Mandatarin Dagmar Belakowitsch-Jenewein an Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) soll nun nachhelfen.

Neue Evaluierungskommission soll alle Kampusch-Akten sichten

Eine neue Evaluierungskommission, eingesetzt vom Justiz- und Innenministerium, beschäftigt sich derzeit mit der Sichtung aller relevanten Akten. Unter Einbeziehung von Experten des deutschen Bundeskriminalamtes und des FBI soll noch einmal eine umfassende kriminalpolizeiliche und strafrechtliche Bewertung vorgenommen werden. Belakowitsch-Jenewein will sicher gehen, dass den Ermittlern dazu auch der HAA-Akt mit dem Titel „Geh.Abb/98-Sonderoperation Dürer“ vorliegt. Darin geht es um die Involvierung des Zeugen Peter Christian B. Gegen den Bundesheer-Offizier wurden laut parlamentarischer Anfrage am 7. November 2008 durch die Staatsanwaltschaft Wien ”zweckdienliche Erkundigungen" in Richtung § 207a StGB (Pornographische Darstellungen Minderjähriger) eingeholt. Der Akt könnte laut Anfragestellerin darüber aufklären, ob der besagte Offizier bereits früher wegen sexueller Eskapaden aufgefallen ist bzw. in einen „Sexskandal“  verwickelt war.

Merkwürdiges Kürzel in Handyspeicher und Kinderpornoforum

Dies ist deshalb interessant, weil es zwischen dem Offizier B. und dem Freund und Geschäftspartner Priklopils,  Ernst H. eine Verbindung geben soll. Beide bestreiten diesen Kontakt. Ins Spiel kommt auch die Schwester von Ernst H., da ein gemeinsamer Bekannter von B. und ihr ebenso wie B. Mitglied im Rotarierklub Wien West sein soll. Weiters heißt es in der Anfrage: "Einem (unbestätigten) Medienbericht zufolge, soll der Offizier das Kürzel "Be Kind Slow" als Nickname in einem Kinderpornoforum verwendet haben." Unter dieser Bezeichnung soll seine Telefonnummer auch im Handy des Ernst H. gespeichert gewesen sein. Der wiederum soll in unmittelbarer zeitlicher Nähe zu den Telefonaten mit B. alias "Be Kind Slow" die Besitzerin eines Sexshops angerufen haben.

Belakowitsch-Jenewein begibt sich in ihrer Anfrage auf die Suche nach dem HAA-Akt, der zu diesen Vorgängen nähere Details liefern könnte. Sie will wissen, ob er der seinerzeitigen Evaluierungskommission unter dem ehemaligen Verfassungsgerichtshofs-Präsidenten Ludwig Adamovich vorgelegt worden war und ob er der jetzigen neuen Kommission übermittelt wurde bzw. wird.

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