ORF: Doku über Ungarn führt zum diplomatischen Zwist

Ungarn ist seit der Übernahme der Wahl von Viktor Orbán, der mit seiner rechts-konservativen Fidesz-Partei eine Zweidrittelmehrheit erreichen und so eine sozialistische Misswirtschaft beenden konnte, einer regelrechten Hetzjagd des ORF ausgesetzt. Schon mehrmals gab es für den ungarischen Botschafter in Wien, Vince Szalay-Bobrovniczky Anlass, bei ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz über die Berichterstattung zu protestieren. Noch nie aber hat der Botschafter so scharfe Worte gefunden, wie nach der einseitigen Sendung von Paul Lendvai „Nationale Träume – Ungarns Abschied von Europa?“.

Laut Szalay-Bobrovniczky würden in dem Film „nahezu nur die Gegner der ungarischen Regierung zu Worte kommen“. Dies sei „nicht nur eine einseitige, sondern auch eine ungerechte Informierung“ der österreichischen Gesellschaft. Der Botschafter berief sich auch auf das ORF-Gesetz, dessen Paragraf 4 das öffentlich-rechtliche österreichische Fernsehen  verpflichte, die „Vielseitigkeit der Meinung im öffentlichen Leben bei Wahrung des Grundprinzips der Objektivität wiederzugeben“. In dieser Hinsicht wirft der ungarische Botschafter dem ORF Versäumnisse vor. Bei allen Diskursen zwischen dem Botschafter und dem ORF habe der „gegenwärtige Fall das bisher größte ablehnende Echo ausgelöst“. Das würden Briefe an die ungarische Botschaft in Wien belegen, in denen Ungarn und Österreicher gleichermaßen ihre Empörung zum Ausdruck brachten. Auch Organisationen der in Österreich lebenden Ungarn krisitierten die „einseitige Information“, betonte der Botschafter im Brief an den ORF-Generaldirektor.

Wrabetz sorgt sich um Mediensituation in Ungarn

Wrabetz wies über die APA und in einem persönlichen Schreiben an Botschafter Vince Szalay-Bobrovniczky die Kritik an der Ungarn-Dokumentation zurück. Paul Lendvais Dokumentation sei beim Fernsehpublikum auf großes Interesse gestoßen, Lendvai selbst ein ausgewiesener Experte und Kenner Ungarns. Die einseitige Berichterstattung sei eine Sichtweise, die der ORF-Chef nicht nachvollziehen könne. Sowohl in der Dokumentation als auch in einem anschließenden Club 2 seien Regierungsvertreter zu Wort gekommen, im Übrigen habe sich der ORF mehrmals um ein Interview mit Ministerpräsident  Viktor Orbán bemüht.
Wrabetz behauptet tatsächlich, dass der ORF auch der ungarischen Regierung gegenüber nach den „Grundsätzen journalistischer Fairness, Glaubwürdigkeit und Professionalität“ agiere.

Darüber hinaus äußerte Wrabetz Sorge über die Mediensituation in Ungarn: „Unser Unternehmen hat seit seiner Gründung die Entwicklung in den Nachbarländern journalistisch begleitet. Dabei waren uns in der Beurteilung dieser Entwicklungen immer zentrale europäische Werte wie Meinungs- und Medienfreiheit Richtschnur für die Berichterstattung. Meine Gespräche mit vielen Kollegen aus der EBU zeigen: Die Besorgnis über die aktuelle Entwicklung der Medienfreiheit in Ihrem Land teilen ich und meine österreichischen Kollegen mit vielen anderen Kollegen in- und außerhalb der europäischen öffentlich-rechtlichen Anstalten.“

Wer selbst im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen

Das tatsächliche Handeln von Alexander Wrabetz als Diener seiner Herren im SPÖ-Generalsekretariat in der Löwelstraße, das schon bei den skurrilen Einladungen zu politischen Sendungen anfängt und bei Faymann- freundlicher Berichterstattung aufhört, lässt es geradezu grotesk erscheinen, dass gerade er sich berufen fühlt, für Medien- und Meinungsfreiheit – noch dazu in anderen Ländern – zu werben. Wer im Glashaus sitzt, soll bekanntlich nicht mit Steinen werfen. Oder durch die Billigung von Lendvais journalistischem Rachefeldzug gegen auf Ungarn von eigenen Unzulänglichkeiten am Küniglberg ablenken.

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