Richter macht Handy für Tumor verantwortlich

Ein Richterspruch in Italien bringt die gesamte Mobilfunkbranche zum Zittern. Entgegen auch anderslautenden Studien stellte der Kassationsrichter in Rom fest, dass das tägliche Telefonieren mit dem Handy schuld am Tumor sei, an dem ein 50-jähriger Manager erkrankt ist. Der Italiener gab an, zwölf Jahre lang durchschnittlich sechs Stunden pro Tag am Handy verbracht zu haben. Aufgrund dessen hätten die Ärzte bei ihm einen Trigeminus-Tumor diagnostiziert.

Gestützt durch das Aufsehen erregende Gerichtsurteil drohen jetzt Sammelklagen in Italien. In seinem Kampf wurde der Manager vom Professor der Universität Padua, Angelo Levis, unterstützt. „Dieses Urteil ist besonders wichtig. Die wissenschaftliche Gemeinschaft hat bisher die Gefährlichkeit der elektromagnetischen Strahlen meist heruntergespielt", sagte der Professor. Zusammen mit einer im Bereich Gesundheitsrecht spezialisierten Rechtsanwältskanzlei in Turin unterstützt er das Verfahren weiterer sieben Italiener, die behaupten, Tumore infolge von häufigem Telefonieren mit Handys entwickelt zu haben. „Wir denken an eine Sammelklage von mehreren Italienern, die wegen der gesundheitsschädlichen Strahlen ihrer Handys erkrankt sind", betonte Levis.

Restrisiko für Vieltelefonierer nicht auszuschließen

Dem entgegen steht eine Langzeitstudie über 18 Jahre, die beweisen soll, dass jahrelanges Telefonieren mit dem Mobiltelefon sich nicht negativ auswirkt. Die größte Studie zu diesem Thema haben dänische Wissenschafter gemacht. Sie fanden keinen Zusammenhang zwischen der langfristigen Nutzung von Mobiltelefonen und dem Risiko, an Hirntumor zu erkranken. Die Wissenschaftler veröffentlichten in der Zeitschrift British Medical Journal die Daten von mehr als 350.000 Handy-Nutzern, die sie über 18 Jahre hinweg beobachtet hatten. Unter ihnen erkrankten 10.729 Menschen an einem Hirn-Tumor. Selbst in der Gruppe derjenigen, die ihr Mobiltelefon seit mehr als 13 Jahren nutzen, waren es aber kaum mehr Erkrankte als unter Nicht-Handynutzern.

Ein Restrisiko bleibe aber, stellten die dänischen Forscher fest. Ein „leichtes bis mittleres Risiko“ könne bei extremen Vieltelefonierern oder Leuten, die bereits seit mehr als 15 Jahren mit dem Handy kommunizieren, nicht ausgeschlossen werden. Im Juni hatte die Weltgesundheitsorganisation die von den Mobiltelefonen ausgesendeten Strahlen als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft. Weltweit gibt es rund fünf Milliarden Handys.

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