Stadt Wien weiß nicht mehr, was sie in „Heute“ bewerben soll

Arme Stadt Wien! Wie es aussieht, gehen den kreativen Köpfen im Presse und Informationsdienst (PID), wo zig Millionen für Inseraten-Schaltungen zur Verfügung stehen, die Ideen aus. Offenbar weiß man nicht mehr, welche Serviceeinrichtungen der Stadt beworben werden sollen, denn zuletzt schaltete der PID eine merkwürdige Doppelseite in der Tageszeitung Heute: In der Gratiszeitung wurde Werbung für die eigene Gratiszeitung, die an alle Haushalte in Wien geht, gemacht.

„Gratis Lesestoff aus der Stadt“  bietet wien.at laut Werbeschaltung seinen Kunden. Nichts Neues für die Wiener, die mit dem Blatt zwangsbeglückt werden. Es liegt gratis im Postkasten. Aktuell informiert wien.at – spät aber doch – über die Ausweitung des Parkpickerls, die bereits seit 1. Oktober gilt. Auf der Doppelseite in der Gratiszeitung Heute schätzt ein Herr Kurt wien.at, „weil er darin alle Neuigkeiten aus seinem Grätzel erfährt. Zum Beispiel, dass es bei ihm ums Eck jetzt eine neue Spielanlage gibt. Da möchte er mit seinem Enkerl hin“.

Zentrum der Inseraten-Affäre liegt in Wien

Da kann leicht der Eindruck entstehen, dass die Stadt Wien die Inserate in Heute nicht deshalb schaltet, um sinnvolle Werbung zu machen, sondern einfach nur, um Geld in den Verlag zu transferieren. Die Indizien dafür sind erdrückend: Einmal warb der PID in Heute für städtischen Wintersport im Schnee, doch die weiße Pracht gab es gar nicht. Und kürzlich stellten investigative Journalisten fest, dass die Stadt Wien der größte Anzeigenkunde bei Heute ist. Unglaublich: Gemeinsam mit stadteigenen Unternehmen wurden in den Jahren 2007 (Gründung) bis 2011 insgesamt 2443 Inserate um satte 29 Millionen Euro geschalten.

So ging Eva Dichand mit der Gratiszeitung stiften

Warum die Stadt Wien am liebsten in Heute inseriert, kann nur vermutet werden. Einerseits steht der Verdacht des Meinungskaufs im Raum, aber auch der Vorwurf, bei der Tageszeitung Heute handle es sich um ein SPÖ-nahes Produkt, ist immer wieder zu hören. Dafür spricht, dass bei der Gründung im Jahr 2007 der Pressesprecher des damaligen Wohnbaustadtrates Werner Faymann, Wolfgang Jansky, die Geschäftsführung der Zeitung übernahm. Dagegen spricht die Offenlegung der Eigentümerverhältnisse von Eva Dichand kurz vor Inkrafttreten des Medientransparenzgesetzes, als sie darlegte, wie sie einst mit Heute stiften ging.

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