Ton wird härter: Lehrlinge sind “unbrauchbare Analphabeten”

Österreichs Gastronomie geht angeblich der Nachwuchs aus. In der Steiermark wollen die Tourismusbetriebe nun in Krisenländern wie Spanien, Portugal und Griechenland Ausschau nach Kellner- und Kochlehrlingen halten. In der Branche löste diese Ankündigung nicht nur Freude aus, „weil aus der Not arbeitsloser Griechen ein Geschäft gemacht wird, während der Fachkräftemangel in Österreich hausgemacht ist“, sagt Robert Maggale, Tourismusexperte der Gewerkschaft, im Standard.

Es liege vielfach an den rauen Arbeitsbedingungen, an den Chefs, die ihre Mitarbeiter bis aufs Letzte ausquetschen, dass es nun zu einem Engpass bei Lehrlingen in der Gastronomie käme. Wer möchte schon 14 Stunden am Tag arbeiten, ohne Pause und ohne Mittagessen? Gibt es nicht?  In Saisonbetrieben, in denen sich  die Überstunden auf drei Wochen summierten und keine davon bezahlt werde, sei das keine Seltenheit, erzählen Betroffene. Der Umgangston sei zudem rüde, Lehrlinge würden nicht selten behandelt wie der letzte Dreck.

Lehrlinge als Diebe in den Betrieben?

Der Vorwurf, dass Lehrlinge der Gastronomie nur als billige Arbeitskräfte dienen, ist nicht neu. Das sei mittlerweile jedoch die Ausnahme, meint Christian Petz, einst Koch des Jahres von Gault Millau, ebenfalls im Standard. Die Arbeitsbedingungen für Lehrlinge hätten sich mittlerweile stark verbessert. In der gleichen Zeitung lässt Starkoch Mario Plachutta mit der Aussage aufhorchen, dass Österreichs Lehrlinge „unbrauchbare Analphabeten“ seien. Betriebsinterne Diebstähle gingen zu 90 Prozent auf ihr Konto. Sie seien das „Spiegelbild der verrotteten Gesellschaft“. Kritik an den Arbeitsbedingungen für Lehrlinge weist er als Schwachsinn zurück. Kein Gastronom fände Leute, wenn er ihnen kein modernes Umfeld biete. Womit Plachutta vielleicht unbewusst das Problem in der Steiermark anspricht, wo die Suche nach Kellner- und Kochlehrlingen in den Krisenländern begonnen hat.

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