Enthüllungsportal “Medleaks” prangert Verbrechen im Gesundheitswesen an

Die Whistleblower-Seite Medleaks ist im Netz und will Missstände im Gesundheitswesen aufzeigen, die „gegen den Grundsatz einer vorrangig uneigennützigen, ethischen Patientenverordnung verstoßen“, so die Initiatoren, zwei berufstätige Ärzte. Sie wollen mit Hilfe dieser Plattform die Schweigespirale durchbrechen und sie behaupten: „Inzwischen geht es um Verbrechen.“

Die Gründer von Medleaks bleiben anonym, der Journalistin Susanne Baumstark gaben sie ein Interview, das wir hier auszugsweise veröffentlichen. Ziel der Ärzte ist es, Daten zu sammeln und diese dann über das Internet der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ähnlich dem Modell von WikiLeaks wollen sie so Druck auf die Verantwortlichen machen und auf diese Weise das Gesundheitssystem verbessern.

Täglich Intransparenz und Korruption

„Geboren wurde diese Idee Mitte September 2012 nachts um drei Uhr vor der Rettungsstelle eines großen Krankenhauses,“ erzählen die Medleaks-Gründer im Interview. „Und wir waren uns schnell einig: das gegenwärtige Gesundheitssystem ist kränker als alle unsere Patienten. Täglich haben wir mit Korruption und Intransparenz zu tun. Der Patient ist heute nur noch ein Fall, mit dem Geld verdient werden soll.“ Das Ergebnis „Gesundheit“ spiele überhaupt keine Rolle mehr. So sei der Entschluss gereift, eine Plattform anzubieten, die es Mitarbeitern im Gesundheitswesen ermöglicht, anonym Erfahrungen zu veröffentlichen. „Wir sind der Meinung, so kann Druck erzeugt werden, der eine Besinnung auf gesundheitliche Werte ermöglicht.“

Das bestehende System braucht kranke Patienten

Heute ordne sich der medizinische Anspruch allein der Ökonomie unter. Diesen Mechanismus wolle man durchbrechen und allen die Möglichkeit geben, ihre Ideale offen zu vertreten.

Wir behaupten, das Geld ist da! Leider kommt es nicht ausschließlich dem Patienten zugute. Wenn Sie sich mal allein die Geschäftsberichte der Fresenius AG (Helios) und der Rhön AG von 2011 anschauen, dann wird klar, dass deutschlandweit circa zwei Millionen Euro pro Tag an Gewinnen aus dem System gezogen werden, erwirtschaftet von jedem Mitarbeiter und aufgebracht durch jeden einzelnen Beitragszahler. Oder nehmen Sie das Beispiel der Rückenoperationen: Laut einer aktuellen Studie stieg deren Anzahl von 170.000 (2007) auf 350.000 (2011). 80 Prozent dieser Operationen seien unnötig gewesen. Mit einer Verdoppelung der Operationszahlen verdoppeln sich natürlich auch die Nachbehandlungen, die ihrerseits Geld in die Kassen bringen. Solange mit Gesundheit Geld verdient wird, wird weiter auf Teufel komm raus operiert und diagnostiziert. Dieses Geld könnte anders verwendet werden. Und die Frage: Wodurch ließen sich Kosten einsparen? Ganz klar: Durch vernünftige Prävention. Gesundheitliche Bildung steht bis heute in keinem Lehrplan. Aber warum nicht bereits Kinder in Schulen entsprechend bilden, so dass am Ende ein Mensch steht, der gegenüber seiner eigenen Gesundheit und dem Sozialsystem Verantwortung übernimmt? Ebenso klar: Mit diesem Menschen lässt sich kein Geld verdienen! Das bestehende System will und braucht den kranken Patienten. Gesundheit ist unwirtschaftlich.

Unterlassene Hilfeleistung und fahrlässige Tötung

Im Gesundheitswesen gehe es inzwischen um Verbrechen am Patienten. Damit seien wirklich strafrechtlich relevante Verbrechen gemeint: Unterlassene Hilfeleistung (Personalmangel), fahrlässige Tötung (schlechte Ausbildung, unqualifiziertes Personal), Körperverletzung (etwa Zeitmangel bei Patientenaufklärung), Freiheitsentzug (Fixierung des Patienten wegen Personalmangels). Natürlich wisse jeder Beteiligte, dass es sich dabei um Verbrechen handle. „Entweder er toleriert dies vor dem Hintergrund persönlicher Verhältnisse (Arbeitsplatzsicherheit) oder aber er kündigt, in der Hoffnung auf bessere Arbeitsbedingungen beim nächsten Arbeitgeber“, so die Ärzte. Momentan sei die Personalfluktuation im Gesundheitswesen extrem hoch, besonders auf Leitungsebene. Und da kämen die Systemfehler ins Spiel, die den meisten wahrscheinlich gar nicht so bewusst wären.

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