Wissenschaftliche Absage an die Scharia

Der 17. Wiener Kulturkongress in der Diplomatischen Akademie in Wien, der sich vorige Woche mit dem Islam beschäftigte, behandelte in einem Segment auch die Scharia. Die drei Vortragenden erklärten, warum sie gegen die andiskutierte teilweise Einführung der Scharia sind.

Die in Istanbul geborene und seit ihrem zehnten Lebensjahr in der BRD lebende Soziologin und prominente Buchautorin Necla Kelek sprach sich gegen das Kopftuch in der Schule aus. Es diskriminiere Mädchen durch Kennzeichnung als sexuelles Objekt. Muslimische Familien würden zunehmend versuchen, ihre Religion aus den eigenen vier Wänden in die Schule zu transferieren. Sie, Kelek, sei für ein Recht auf Kindheit. Außerdem sei die freie Religionsausübung nur ein Teil der Freiheit und dürfe nicht über der Verfassung stehen. Sie wies auf die große Gefahr hin, die von den Koranschulen ausgehe, die immer mehr muslimische Kinder am Nachmittag besuchen. Dort werde der Koran auswendig gelernt, die Scharia eingedrillt und damit Abgrenzung betrieben. Im Namen der Religionsfreiheit käme es zu einer „Kollektivierung“ durch die Muslime. Als konkretes Beispiel nannte sie Schulkantinen, in denen nicht nur keine Würstchen mehr gegessen werden, sondern diese generell unerwünscht sind, weil sie andere Speisen „verunreinigen“ könnten.

Unklarheit über genauen Inhalt der Scharia

Irene Schneider, Islamwissenschafterin und Dekanin an der Uni Göttingen, vertrat die These, dass es eine einzige Scharia nicht gäbe. Die Varianten würden sich durch diverse Auslegungen unterscheiden. Im Islam dürfe ein Mann vier Frauen haben, wenn er alle gleich liebe. Die tunesische Staatsführung befand 1960, dass das nicht möglich sei und verbot die Mehrehe. Schneider befand, dass fromme Muslime aus dem Ausland sich auch durch das Internationale Privatrecht frei entfalten könnten. Kein gutes Haar ließ sie am „organisierten Islam“ (z. B. DITIB, das bundesdeutsche Pendant zum österreichischen ATIB), bei dem es kein Zufall sei, dass Frauen unterrepräsentiert sind.

Heiko Heinisch, ein Hesse, der als freischaffender Historiker in Wien lebt, übte Kritik am Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, und am bayrischen FDP-Landtagsabgeordneten Georg Barfuß, die sich beide für eine teilweise Zulassung der Scharia ausgesprochen hatten. Es könne nach Europäischem Recht ohnehin jeder nach der Scharia essen, genauso wie vegan. Und wenn ein Moslem einer Frau nicht die Hand gebe, sei das zwar unhöflich, aber nicht verboten. Alles, was Sonderrechte für die Scharia schaffe (und in Kanada nach einem staatlichen Versuch bereits wieder zurückgenommen wurde) sei abzulehnen.

„Wertepluralismus“ gestattet Ehe mit mehreren Frauen

Nach einer Publikumsdiskussion beklagte Kelek, dass die Islamkonferenz in Deutschland, der sie früher angehörte, die Scharia im Sinne eines „Wertepluralismus“ indirekt anerkannt hätte und seit 2007 die Mehrehe für Imame möglich sei, was sich vor allem beim Anspruch auf Sozialleistungen bemerkbar mache. Abschließend empfahl sie Joachim Wagners „Richter ohne Gesetz“.

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