Finanzchaos im Schulbudget – Direktorin im Krankenstand

Merkwürdige Dinge spielen sich derzeit im niederösterreichischen Biedermannsdorf im Bezirk Mödling ab. Im Budget der Volksschule herrscht Finanzchaos: Firmen mahnten Rechnungen ein, die Buchhaltung weist Lücken auf und für manche Anschaffungen sollen Belege fehlen. Elternverein und Gemeinde gehen von einem Mindestschaden von 12.300 Euro allein im heurigen Jahr aus. Die Direktorin ist untergetaucht und offiziell im Krankenstand.

Unzensuriert.at hat vergeblich versucht, die Schuldirektorin zu erreichen. Dabei konnte uns auch die Bürgermeisterin von Biedermannsdorf, Beatrix Dalos (ÖVP), nicht helfen. Auf die Frage, wo wir die Direktorin erreichen könnten, lachte Dalos laut auf und sagte: „Das wüssten wir auch gerne.“ Offenbar ist die Dame wie vom Erdboden verschluckt. Das Einzige, was man weiß, ist, dass sie sich beim Arbeitgeber krank gemeldet hat.

Stimmen die Vorwürfe gegen sie, sieht es nicht gut aus. Denn von den rund 30.000 Euro, die die Volksschul-Leiterin von der Gemeinde jährlich für Anschaffungen zur Verfügung gestellt bekommt, sollen nicht nur zigtausende Euro verschwunden sein, sondern auch andere aufklärungsbedürftige Vorkommnisse passiert sein. Laut FPÖ-Gemeinderat Christoph Luisser habe die Direktorin private Zeitungsabos von diesem Schulgeld bezahlt, außerdem Handys ohne Wissen der Lehrerkollegen auf deren Namen angemeldet.

Spende von Kindern ans Rote Kreuz niemals angekommen

Am schwersten aber würde der Vorwurf wiegen, dass Spenden der Volksschulkinder an das Rote Kreuz dort niemals angekommen seien. Wo es geblieben ist, wisse keiner. ÖVP-Bürgermeisterin Dalos hat aufgrund dieser Anschuldigungen Anzeige bei der Staatsanwaltschaft und bei der Schulbehörde erstattet. Für die Direktorin gilt die Unschuldsvermutung.

FPÖ-Gemeinderat Christoph Luisser ist das Handeln der Ortschefin aber zu wenig. Er fordert eine Prüfung der gesamten Finanzen der Volksschule seit Eintritt dieser Direktorin im Jahr 2002 und eine lückenlose Aufklärung dieses Falls. Allerdings vermutet Luisser, dass die Bürgermeisterin „einen ÖVP-Skandal“ vertuschen möchte. Die Direktorin habe nämlich für die Volkspartei kandidiert und dies sei laut Luisser nur aufgrund einer Scheinmeldung der Dame in Biedermannsdorf möglich geworden. Das könne er anhand von Zeugen beweisen.

Aufklärung ja, aber nicht in aller Öffentlichkeit im Gemeindeamt

Der Skandal könnte also auch die Volkspartei treffen, weshalb diese nicht erfreut war, als Luisser bei einer Gemeinderatssitzung einen dringlichen Antrag auf Abhaltung einer Debatte zu diesem Thema im öffentlichen Teil der Sitzung stellte. Die ÖVP lehnte dies mit Hilfe der SPÖ ab. Bürgermeisterin Dalos argumentierte die Entscheidung im Kurier so: „Wir stehen für Aufklärung, aber nicht in aller Öffentlichkeit im Gemeindeamt. In Österreich gilt bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung.“ Dalos sagte gegenüber Unzensuriert.at, dass die Staatsanwaltschaft ihres Wissens derzeit Zeugen vernehme.

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