Bielefelder Ideenwerkstatt über Geschlechterrollen im 21. Jahrhundert

„So dumm war keine Kultur vor uns, die Rolle der Mutter abschaffen zu wollen.“ Mit dieser klaren Botschaft an die Adresse der Feministinnen eröffnete Christa Meves, die Koryphäe der Erziehungs- und Familienratgeber ihren Vortrag auf der VIII. Bielefelder Ideenwerkstatt, veranstaltet von der Bleiefelder Burschenschaft Normannia-Nibelungen. Meves und weitere Fachleute aus Politik, Wissenschaft und Praxis erarbeiteten am 24.11. gemeinsam eine Analyse und Zukunftsmodelle zum Thema „Vater, Mutter, Kind – Realität oder Relikt?“.

Die 88jährige Meves forderte ein gesellschaftliches Modell der „Mutter als Beruf“: „Der wertvollste Beruf den wir haben“, so die Bundesverdienstkreuzträgerin. Der anhaltend niedrige Geburtenstand der Deutschen sei aber nicht allein die Schuld des Karrierestrebens moderner junger Frauen. Es seien vor allem junge Männer, die Angst vor den selbstbewussten Damen hätten, Angst, diese zu heiraten. Sie wisse das von ihren eigenen Kindern und aus Gesprächen ihrer jahrzehntelangen Praxis in der Jugendarbeit. Eine gesunde Familie jedoch sei der Baustein einer jeden gesunden Gesellschaft. Gesund? „Darunter“, so Meves, „verstehe ich das gemeinsame Leben eines möglichst seelisch gesunden Mannes mit einer möglichst seelisch gesunden Frau mit ihren leiblichen Kindern auf Lebenszeit unter helfender Mitwirkung der Großeltern.“ Das Leben in solchen Familien bringe erfolgreichere Schüler mit höherer Sozialkompetenz hervor.

Auf Grundlage neuster Erkenntnisse der Hirnforschung forderte Meves, dass Schwangere unbedingt mehr Ruhe brauchten. Stress während der Schwangerschaft, z.B. in der Arbeit, wirke sich bereits irreversibel schädlich auf die Synapsenbildung des Embryos aus. Der heutige Mutterschutz erfolge daher viel zu spät.

Familien ungerecht besteuert

Eine finanzielle Benachteiligung von Familien kritisierte der Physiker Prof. Dr. Hermann Adrian (Universität Mainz). Trotz der Wichtigkeit von Kindern für Gesellschaft und Wirtschaft würden Familien gemessen am Pro-Kopf-Einkommen die höchsten Steuern zahlen. Mütter würden die geringsten Rentenansprüche erhalten, trotz einer „Arbeit“, von der die gesamte Volkswirtschaft profitiere. Auf Grundlage einer Theorie des russischen Physikers Landau stellte Adrian ein Rentenmodell vor, in dem kinderreiche Familien für ihren wertvollen Beitrag angemessen berücksichtigt würden. Gefragt nach Kosten und Umsetzungszeit antwortete der Demographieexperte kurz und klar: „Keine Kosten. Umsetzbarkeit ab sofort und beginnend bei einer Umstellung mit den heute 40-Jährigen.“ Auf der Webseite "Politik für alle Generationen" der deutschen Bundesregierung gehört die Vorstellung des Modells von Adrian zu den meistkommentierten Beiträgen.

Schließlich forderte Adrian, selbst Vater von vier Kindern, die Familien auf, sich mehr in die Politik einzumischen und Netzwerke zu bilden. „Wählen Sie nur Politiker mit Kindern, dann ist die Partei fast schon egal. Wenn Sie zwei Bäcker im Ort haben und einer ist kinderlos, dann kaufen Sie bei dem, der Kinder hat.“ 

Gefahr „Gender Mainstreaming“

Die niederösterreichische Landesrätin Barbara Rosenkranz, Mutter von zehn Kindern, erläuterte die Hintergründe des „Gender Mainstreaming“. Sie bezog sich dabei auf ihre niederschmetternden Erkenntnisse im Buch „MenschInnen: Gender Mainstreaming – Auf dem Weg zum geschlechtslosen Menschen“ (Ares Verlag). Dennoch machte Rosenkranz den Zuhörern Hoffnung: „Das Volk steht nicht hinter dieser Ideologie.“ Daher könnte der „Gender-Wahn“ ein baldiges Ende finden. 

Weitere Referenten

Aus ihrer Erfahrung als Gleichstellungsbeauftragte berichtete die Sozialpädagogin Monika Ebeling über den Konflikt zwischen Gleichstellungsarbeit und Feminismus. Der Soziologe Prof. Jost Bauch erörterte auf Grundlage der Luhmann´schen Systemtheorie die Wichtigkeit der traditionellen Ehe als Funktionssystem. Die Juristin Martina Kempf kritisierte, dass Schwangere aufgrund der derzeitigen gesetzlichen Abtreibungsregelung durch ihr soziales Umfeld zum Schwangerschaftsabbruch gedrängt werden können. Sie hat ihre Erkenntnisse in dem Buch „Frauenfeindlich: Wie Frauen zur Ungeborenentötung gedrängt werden“ (Gerhard Hess Verlag) dokumentiert.

In der abschließenden Podiumsdiskussion waren sich die Referenten einig, dass Deutschland ein kinderfeindliches Land sei. Besonders Barbara Rosenkranz betonte dies nachdrücklich und erntete keinen Widerspruch. Bauch verwies auf den Zusammenhang wertebewusster katholischer Regionen Deutschlands und deren überdurchschnittlicher Geburtenrate. Es sei dringend nötig, der Familie auf Grundlage eines neuen Wertesystems wieder die gebührende Anerkennung zu verschaffen. Derzeit herrsche einfach nicht „die Stimmung“, die die Menschen wieder für Kinder und Familie begeistern könnte. Im Geiste fange die dringend notwendige Veränderung an. Erste Anzeichen dafür gäbe es schon in Umfragen.

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