Kurdischer Vater wegen Ehrenmord vor Gericht

1. Dezember 2012 - 19:40

Ein ganzer Kurdenclan stand in den letzten Monaten in Nordrhein-Westfalen vor Gericht. Nun muss sich auch das Familienoberhaupt verantworten. Ihm wird die Anstiftung zum Mord an seiner eigenen Tochter zur Last gelegt. Fünf seiner neun noch lebenden Kinder sitzen bereits im Gefängnis. Sie haben die eigene Schwester entführt und ermordet. Grund war die Liebe des erst 18-jährigen Mädchens zu einem Deutschen.

Die kurdische Familie lebte seit mehr als 20 Jahren in Deutschland und galt den Behörden als integriert. Als sich die 18-jährige Tochter Arzu allerdings in einen jungen Deutschen verliebte, zeigten Familienoberhaupt Fendi und die Geschwister ihr wahres Gesicht. Der Vater verprügelte die jüngste Tochter und sperrte sie in der elterlichen Wohnung ein. Als sie zu ihrem Freund flüchtete, wurde sie dort von fünf ihrer Geschwister entführt. Motiv war offenbar die Zugehörigkeit der Familie zur Glaubensgemeinschaft der Jesiden. Bei dieser kurdischen Glaubensrichtung sind Liebesbeziehungen außerhalb der eigenen Religionsgemeinschaft nicht erlaubt

Liebe zu deutschem Mann bedeutete Todesurteil für junge Kurdin

Die Entführung der eigenen Schwester aus religiösem Fanatismus war aber erst der Anfang des Gewaltverbrechens. In weiterer Folge wurde Arzu mit einem aufgesetzten Pistolenschuss in einem Waldstück bei Detmold regelrecht hingerichtet. Bei den bisherigen Strafprozessen im Frühjahr 2012 gegen den Familienclan wurde ein Bruder als Haupttäter wegen Mordes verurteilt, zwei weitere Geschwister des ermordeten Mädchens wegen Beihilfe und weitere zwei wegen Entführung. Alle erhielten langjährige Haftstrafen. Durch die Auswertung von Telefonverbindungsdaten wurde von den Strafbehörden allerdings auch die Erkenntnis gewonnen, dass das Familienoberhaupt in Entführung und Ermordung eingeweiht war. Nach Zustellung der Anklage wird er sich Anfang Jänner 2013 für die Taten als Anstifter verantworten müssen.

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