“Lange Nacht der Moscheen”: Millî-Görüş erläutert den Dschihad

Die „Islamische Föderation in Wien“ (IFW) ist die österreichische Sektion der europäischen Dachorganisation „Millî Görüş“. Diese türkischen Islamisten werden in Deutschland vom Bundesamt für Verfassungsschutz in dessen Bericht 2011 als antidemokratisch und antisemitisch eingestuft. Hierzulande übernahm die IFW 2011 mit Fuat Sanaç den Vorsitz in der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ). Am Freitagabend vergangener Woche lud die IFW österreichweit in elf ihrer Gebetshäuser zur „Langen Nacht der Moscheen“. Zeitgleich gab es überall von 19.30 bis 21 Uhr eine Podiumsdiskussion mit einem nichtmuslimischen Teilnehmer. In Wien-Hernals informierte man über den Dschihad und was darunter wirklich zu verstehen sei.

Die Sultan-Ahmet-Moschee in der Veronikagasse kann zwar nicht mit ihrer Namensschwester in Istanbul mithalten, wo sie auch als „Blaue Moschee“ bekannt ist, aber die Aufregung ist heute hier wohl größer. Die Moschee selbst und die anwesenden Muslime sind so richtig aufgebrezelt. Nichtmuslime werden mit überschwänglicher Freundlichkeit begrüßt. Diverse Köstlichkeiten sind reichlich angerichtet, verschiedene vereinseigene Informationsbroschüren zu islamischen Themen liegen auf, ein Mann zupft die Saiten, eine Frau bringt Kalligraphien zu Papier. Das Podium ist direkt vor der Predigtkanzel des Imams aufgebaut, das sich Dr. Mustafa Yildiz, Fachinspektor für Religionsunterricht in der IGGiÖ, und Univ.-Prof. Dr. Rüdiger Lohlker, Orientalist an der Uni Wien, teilen.

Auch die Diskussion ist „Dschihad“

Beide übertreffen einander in Plüschpropaganda. Sie erläutern beinahe wortident, dass den Muslimen der „kleine Dschihad“ (der Kampf gegen den Feind von außen) nicht so wichtig sei wie der „große Dschihad“ (der Kampf gegen den Feind der Seele). Yildiz zitiert dazu den Koran, Lohlker einen Brief an einen Offizier im Damaskus des 18. Jahrhunderts. Yildiz fügt hinzu, dass es für den Glaubenskrieg zwei andere Begriffe gebe, nämlich „harb“ und „muharete“. Beide halten fest, dass Dschihad eigentlich „Anstrengung“ bedeute. Also auch das hier sei Dschihad, sagt Lohlker. Die Veranstalter könnten den Abend angenehmer verbringen, stattdessen nehmen sie diese Mühe auf sich und versuchen Fehlbilder über den Islam zu korrigieren. Der gebürtige Ostfriese Lohlker gilt als Islamismus-Experte. In Österreich gebe es „vielleicht zwei Dutzend“ Islamisten, meint er, und die würden den Islam missverstehen. Er gratuliert allen Nichtmuslimen, dass sie gekommen sind.

Am Ende bekommen die beiden Referenten je ein Buch und eine Schachtel mit süßem Lokum. Der stets supersanft lächelnde Yildiz, der auch gerne über die Liebesbotschaft des Propheten Isa (Jesus) spricht, bittet, man möge seine Naschereien doch an die netten Anwesenden verteilen. Die Nachhausegehenden werden ersucht, einen Fragebogen auszufüllen. Mit den Noten 1 bis 4 kann man Professionalität, Freundlichkeit und Unterhaltungsangebot der Gastgeber bewerten und schließlich auch, ob man nun ein besseres Bild als vorher vom Islam habe. Dann bekommt man noch ein Buch, in dem dem Propheten Muhammad gehuldigt wird, und eine langstielige rote Rose, an der ein Kärtchen mit „Dein Lächeln eine Wohltat“ befestigt ist. Man möge doch bitte nächstes Jahr wiederkommen, heißt es zum Abschied.

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