Verliert auch Karajan seine Straßennamen?

In Wien gibt es die Karajangasse im 20. und den Herbert-von-Karajan-Platz im 1. Bezirk. Wie lange noch? Wie der frühere Radrennfahrer Ferry Dusika, nach dem ein Stadion benannt ist, könnte auch der Stardirigent die Straßenbezeichnungen zu seinen Ehren verlieren. Denn der Wiener Historiker Oliver Rathkolb hat Karajans Nazi-Verstrickungen erforscht. Angeblich anhand bisher unzugänglichen Materials. Kurioserweise aber kann man die Mitgliedschaft Karajans bei der NSDAP ganz einfach auf Wikipedia finden.

In der freien Enzyklopädie ist zu lesen, dass Karajan in Salzburg am 8. April 1933 der NSDAP beitrat, die Aufnahmegebühr bezahlte und die Mitgliedsnummer 1.607.525 erhielt. Es war also kein Geheimnis, trotzdem wurden nach dem herausragenden Dirigenten des 20. Jahrhunderts eine Straße und ein Platz in Wien benannt. In einer von Sozialisten geführten Stadt. Im Nachhinein will Rathkolb nun beweisen, dass Karajan nicht nur „politisch mitgeschwommen“ sei und entgegen seiner Beteuerung sehr wohl auch für die Politik und nicht nur für die Kunst gelebt habe. Rathkolb sagt gegenüber ORF.at: „Man bekommt das Gefühl, Karajan hat sich zusammen mit seinem Anwalt eine biografische Strategie vor dem Entnazifizierungskomitee zurechtgelegt.“

Nun kann man gespannt sein, wie auf diese Aussagen die Wiener Historikerkommission reagiert, die im Auftrag der Stadt die Namen für Straßen- und Platzbezeichnungen nach Nazivergangenheit überprüft. Konsequenterweise müsste Herbert von Karajan dann auch von der Wiener Bildfläche verschwinden wie viele andere vor ihm und zuletzt auch der christlich-soziale Bürgermeister Lueger.

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, unterstützen Sie bitte das Projekt unzensuriert mit einer Spende. Per paypal (Kreditkarte) oder mit einer Überweisung auf AT58 1420 0200 1086 3865 (BIC: BAWAATWW), ltd. Unzensuriert

Copy link