Deutsche Burschenschaft: Standortbestimmung statt Spaltung

Massive Steine fliegen in der Nacht durch die Scheiben der Sängerhalle in Stuttgart. Ziel der Attacke: Der außerordentliche Burschentag der Deutschen Burschenschaft (DB). Das Treffen des Dachverbands von ca. 110 Burschenschaften aus der Bundesrepublik Deutschland, Österreich und Chile, der fast 11.000 Mitglieder umfasst, soll verhindert, Gastronomen eingeschüchtert werden. Wenn Burschenschafter basisdemokratisch Beschlüsse fassen, schlägt immer öfter die Stunde linksextremer Gewalttäter.

Die massive Gewalt gegen Studentenverbindungen – von denen Burschenschaften nur einen Teil sind – hat in den letzten Jahren drastisch zugenommen, nahezu unbeachtet von den Medien. Die Ausblendung ist längst Routine: In den Redaktionsstuben der "Leitmedien" interessiert man sich nicht für linke Anschläge, sondern für "rechte Umtriebe", von denen die DB angeblich tief geprägt sein soll. Da hilft die basisdemokratische Verfasstheit des Burschentages, auf dem dutzende Anträge zur Abstimmung stehen, um Mehrheiten gerungen und heftig debattiert wird, rein gar nichts. Die burschenschaftlichen Basisdemokraten sollen laut medialer Diktion zugleich "gefährliche" Rechtsextremisten sein, nota bene: "demokratische Rechtsextreme" bzw. "rechtsextreme Demokraten" – gleichermaßen absurd wie infam. Spiegel-Online (SPON) – seit Monaten auf destruktivem Antifa-Kurs – etikettiert sie sogar als "Allianz der Verfassungsfeinde". Das Online-Portal des Nachrichtenmagazins ("Im Zweifel links") will die Verbandsstreitigkeiten nicht nur medial begleiten, hinter den Artikeln zum Thema steckt System: Man ist am Zerfall der DB interessiert. Die Konturen einer Kampagne werden sichtbar.

In diesen Tagen ist viel von einer drohenden Spaltung des traditionsreichen Dachverbands die Rede. Seit ca. drei Jahren haben sich im Verband tatsächlich tiefe Gräben aufgetan. Ein liberales Lager, das sich mit ca. 25 Bünden erst kürzlich zur Interessengemeinschaft "Initiative burschenschaftliche Zukunft" (IBZ) zusammengefunden hat, steht der Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG) gegenüber, die bereits 1961 gegründet wurde, ca. 40 Bünde umfasst und sich als national-konservativ versteht. Zwischen diesen beiden DB-Interessengemeinschaften kracht es: Gestritten wird um Personalien, aber auch um Grundsatzentscheidungen, z.B. die Aufnahmekriterien und die Haltung zur aktuellen politischen Landschaft in der Bundesrepublik und Österreich.

Der außerordentliche Burschentag in Stuttgart wurde notwendig, da beim regulären Burschentreffen in Eisenach aufgrund des schwelenden Streits keine der Burschenschaften den Vorsitz übernehmen wollte. Zunächst zur Personalie: Der Burschentag stimmte mit großer Mehrheit für die sofortige Absetzung des im Juni in Eisenach noch bestätigten Schriftleiters des Verbandsorgans Burschenschaftliche Blätter (Auflage: ca. 12000), Norbert Weidner. Weidner war nach einem an SPON durchgestochenen Leserbrief an das interne Mitteilungsblatt seiner Bonner Burschenschaft unter Druck geraten. In ihm hatte er den Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) als "Landesverräter" bezeichnet. Er problematisierte insbesondere den Verrat militärischer Informationen an die Alliierten, für den Bonhoeffer als Mitglied der Gruppe Oster-Canaris verantwortlich war.

Meinungsverschiedenheiten in den Medien

SPON (Florian Dieckmann) bezichtigte den langjährigen DB-Amtsträger darauf in einem Tendenz-Artikel der "Hetze". Dieckmann unterschlug dabei wesentliche Passagen des Leserbriefs ("Das Eintreten gegen eine undemokratische und totalitäre Diktatur ist ehrenwert"). Als problematisch galt Weidner nur die Gefährdung deutscher Frontsoldaten. Seine Bestätigung in Eisenach war nicht nur der langjährigen geschätzten Arbeit in verschiedenen Funktionen geschuldet, sondern insbesondere der Tatsache, dass der Leserbrief der Mehrheit der Delegierten erst in Eisenach vollumfänglich und ungekürzt zur Kenntnis gebracht wurde. Ein klassisches Beispiel für die satte und verantwortungslose Macht der vierten Gewalt: SPON und andere "Leitmedien" konstruieren eine "Wirklichkeit", die zunächst einmal per se akzeptiert wird.

Die Bestätigung Weidners im Amt ließ den Druck auf die DB alsbald steigen. Die mittelbar dem SPD-Medienimperium gehörende linke Frankfurter Rundschau titelte prompt: "Offiziell Rechtsextrem". In Stuttgart bekam der "Fall Weidner" vor diesem Hintergrund eine besondere Brisanz, viele der ca. 500 Delegierten wollten mit der Abwahl des Schriftleiters den Akademikerverband aus der "Schusslinie nehmen". Angesichts des unverhohlenen Kampagnenjournalismus, dem sich auch regionale Medien (wie die Stuttgarter Zeitung) unbedarft anschließen, indem sie "Informationen" wie Tenor als minderbemittelte Zweitverwerter kopieren, wird diese Rechnung wohl nicht aufgehen. Nachfolger wurde der Journalist und Gerhard-Löwenthal-Preisträger (2006) Michael Paulwitz (B! Normannia Heidelberg), der regelmäßig für die nationalkonservative Junge Freiheit (Berlin), das liberale Magazin Cicero und die rechtsintellektuelle Sezession zur Feder greift. Paulwitz hatte bereits in einem vielbeachteten Debattenbeitrag zum Fall Weidner dazu aufgerufen, die Einheit des Verbandes zu wahren und gleichermaßen den liberalen wie nationalkonservativen Burschenschaften den Spiegel vorgehalten.

Die Forderungen der IBZ

Die IBZ mußte im Verlauf der Verhandlungen die Erfahrung machen, dass ihre Maximalforderungen (Ausschluss dreier als "rechts" geltender Burschenschaften, ein verbandsjuristisches Durchgriffsrecht des Burschentages auf die Bünde und die Aufweichung der Aufnahmekriterien) in der dicht gefüllten Sängerhalle nur teilweise Anklang fanden. Für die Reform-Anträge waren ihre exponierten Vertreter noch nicht einmal bereit, verstärkt in die Debattenschlacht zu ziehen. Die Frequenz ihrer Wortmeldungen blieb vergleichsweise niedrig. Betrachtet man Forderungskatalog, Verhandlungsverhalten und die jüngsten Ereignisse (mittlerweile ist die Burschenschaft Hilaritas Stuttgart aus der DB ausgetreten), bestätigt sich ein Gerücht, das bereits vor dem Burschentag die Runde machte. Einige Bünde der IBZ, insbesondere vertreten durch den ehemaligen DB-Pressesprecher Michael Schmidt (B! Hilaritas Stuttgart), sahen im Burschentag lediglich die Möglichkeit eine "Scheidungsmesse" zu zelebrieren und eine medienaffine Absprungslegende anzubieten. Frei nach dem Motto: Man habe den letzten Versuch unternommen, die DB zu reformieren, sei aber an unbeweglichen ‘rechten' Hardlinern gescheitert.

Tatsächlich hatte man den Austritt wohl bereits hinter verschlossenen Türen beworben bzw. forciert. In das allzu fadenscheinige Doppelspiel passte der IBZ-Antrag auf Ausschluss dreier bundesdeutscher Burschenschaften, der jedoch nicht satzungskonform war und damit keine Chance auf Verhandlung hatte. Eine Tatsache, die der IBZ bereits im Vorfeld bekannt war. Trotzdem hielt man an diesem "Mediengag" unbeirrt fest. Ein Verhalten, das bei nicht wenigen Delegierten, insbesondere jenen, die sich keinem Lager zugehörig fühlen, wenig Anklang gefunden haben dürften. Seriosität und Wahrhaftigkeit sehen eben anders aus.

Die Verwerfungen im Verband ließen sich auch an einer irritierenden Außendarstellung festmachen. Während Walter Tributsch (B! Teutonia Wien) als gewählter Pressereferent der DB professionell agierte, die Wogen glättete und die Medien förmlich mit der Nase auf den Anschlag linksextremer Antidemokraten auf die Sängerhalle stieß, ließ sich der in Eisenach aus Frust über die Weidner-Bestätigung zurückgetretene Michel Schmidt zu einer Neben-Medienpolitik der "verbrannten Erde" hinreißen. Mit viel mit Gespür für deren politische Ausrichtung untermauerte er den üblichen Tenor der selbsternannten "Leitmedien". Die O-Töne, die er servierte (TAZ, FR), waren griffig, aber zweifelhaft. Die Behauptung, die IBZ wolle "als Teil der Gesellschaft agieren, die BG-Bünde hingegen befänden sich im Kampf mit der Gesellschaft" ist genauso plakativ wie inkongruent. Jede politische und soziale Organisation, die Teilhabe anstrebt und Einfluss nehmen will, ist Teil der Gesellschaft, möchte diese aber verändern bzw. nach ihren Vorstellungen gestalten. Durchaus in der Auseinandersetzung mit anderen. Was Parteien, Kirchen, Gewerkschaften, Interessenvertretungen aller Art ganz selbstverständlich für sich in Anspruch nehmen, steht auch der DB zu. Eine pluralistische Gesellschaft muss demokratisch reglementierte Arena politischer Kontrahenten sein, andernfalls kann sie den Anspruch auf einen Wettstreit der Ideen zum Wohle der Allgemeinheit kaum einlösen. Vielleicht wird sich Schmidt als designierter Sprecher eines neuen Spaltungskonstrukts schon bald die Frage gefallen lassen müssen, warum er mit den "rechtsextremen Gesellschaftsbekämpfern" zahlreicher "Hardcore-Burschenschaften" (Stuttgarter Zeitung) über Jahrzehnte ein so inniges Verhältnis pflegte, sich von ihnen wählen und unterstützen ließ, und auf Referenten aus ihren Reihen zurückgriff.

Vor diesem Hintergrund mutet die erst in der Sängerhalle in Stuttgart gewonnene Erkenntnis reichlich skurril an. Die Medien werden derlei krampfhafte und kurzatmige Inszenierungen als "bessere Böse" mit großer Wahrscheinlichkeit nicht goutieren. So kommentierte die dem linksextremen Milieu in Gießen und Marburg nahestehende "Expertin" Alexandra Kurth (SPD/JUSOS) in der Frankfurter Rundschau auch prompt:

Die tatsächlich liberalen Burschenschaften sind schon in den 1990er-Jahren ausgetreten. Der Rest hält am volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff fest.

Kurth und dem linkslinken Verstärkerorgan geht es nicht um "Rechtsextreme" oder "Liberale": Ziel ist die Abwicklung urburschenschaftlicher Prinzipien, die Zerstörung einer traditionellen konservativen und patriotischen Lebensform. Sie verfolgen kaum weniger als einen linkextremistisch-totalitären Anspruch auf gesellschaftliche und politische Hegemonie und bilden dafür eine Allianz militanter Intoleranz. Die FR kooperiert publizistisch ganz offen mit dem militanten Linksextremismus: Die regelmäßige Verniedlichung und Verharmlosung von Gewaltakten und Anschlägen auf Korporierte und deren Häuser wird das ihr nahestehende Milieu kaum missverstehen: Sie sind Einladung und Motivation zugleich. Linke "Experten" wie die regelmäßig durch die FR zitierte Kurth, wissenschaftlich medioker, aber über parteipolitische Hebel mit Zugang zur Macht, machen deutlich: Das Ziel der Abwicklung der Burschenschaftlichen Bewegung wird weiter verfolgt, medial angestoßene Auflösungs- und Spaltungstendenzen werden dabei aufmerksam als Etappensiege verbucht.

Die jüngere Geschichte spricht eine eindeutige Sprache: Die liberale Abspaltung, die sogenannte "Neue deutsche Burschenschaft" (NDB) liegt aufgrund innerer Heterogenität und Inkongruenz organisatorisch darnieder. Sie ist auf eine reine Serviceeinheit ohne politischen Anspruch herabgesunken, wird aber vom linksextremen Mob nicht mit weniger Hingabe bekämpft. Distanzierungsrituale brachten weder ein Plus an Renommee noch den erwarteten Aufstieg zur ernstzunehmenden DB-Konkurrenz. Dabei hatte die NDB-Verbandsspitze stets deklamiert, was das politisch korrekte Establishment und seine Medien – insbesondere im Hinblick auf die ungebremste Zuwanderung – so gerne hören: Bekenntnis- und Neudeutsche gehören grundsätzlich und immer dazu, Österreicher und Südtiroler nicht. Dass in einigen NDB-Bünden hinter den Kulissen eine andere Aufnahmepraxis betrieben wird, soll jedoch an dieser Stelle nicht unterschlagen werden.

Debatten um die Aufnahme neuer Burschen

Stichwort Aufnahmepraxis: In der spannungsgeladenen Auseinandersetzung um die Deutungshoheit der Beschlüsse des außerordentlichen Burschentages in Stuttgart, ging eine Ergebnis fast unter: Eine Reihe von Rechtsgutachten wurden bis zum nächsten Burschentag in Eisenach aufgehoben. Eine Kommission soll bis zum Burschentag 2013 das "heißen Eisen" erneut aufgreifen und Vorschläge ausarbeiten, de facto bedeutet die nun geltenden Regelung zunächst einmal eine Liberalisierung, die Autonomie der Bünde wird gestärkt. Vielleicht deutet sich hier bereits ein Kompromiss an, dessen praktische Anwendung in Zukunft aber auf ein belastbares und vertrauensvolles Miteinander angewiesen ist. Beide Lager vertreten legitime Standpunkte und Sichtweisen: Das national-konservative Lager treibt die nicht unbegründete Sorge um, dass mit einer weiteren Aufweichung der Aufnahmepraxis die kaum mehr totzuschweigenden Integrationsprobleme in den Verband schwappen, die liberalen Burschenschaften fordern, dass die Aufnahmepraxis gesellschaftlichen Veränderungen und damit der Einwanderung Rechnung trägt. Es müsse möglich sein, dass vollständig assimilierten Zuwanderern auch die DB offen stehe.

Vielleicht bietet gerade die aktuelle Krise die Möglichkeit eines Fortschritts, die durchaus im Festhalten an der Stärkung der Autonomie der Bünde liegen könnte. Denn: Verhandlungen über dieses Thema sind nun nicht mehr mit persönlichen Animositäten und der skurrilen Sucht nach Dauerbewältigung von vermeintlichen und tatsächlichen Skandalen der Vergangenheit befrachtet. Einer jüngeren Burschenschafter-Generation ist aufgegeben, den gordischen Knoten unaufgeregt und in Handschlag-Mentalität zu zerschlagen. Die Suche nach einer Definition wer im Sinne der DB Deutscher ist, ist aller linker Medienhysterie zum Trotz weder anachronistisch noch "rassistisch", wie die Diskussion um das bundesdeutsche Staatsbürgerrecht in den vergangenen Jahren zeigt. Sie ist eng mit der Zuwanderung und damit mit einer der großen Fragen unserer Zeit verknüpft. Die große Skepsis gegenüber schnellen und erleichterten Einbürgerungen ohne klar formulierte Forderungen, die – jenseits linker Redaktionsstuben – in der schweigenden Mehrheit der Autochthonen förmlich mit den Händen zu greifen ist, sollte gerade der DB Mahnung und Auftrag sein.

Die Verantwortung in schwierigen Zeiten übernimmt die vom Burschentag mit großer Mehrheit gewählte Burschenschaft Teutonia Wien, die der BG angehört. Auch in dieser Frage mussten die IBZ-Liberalen passen. Sie hatten offenkundig eine Vertagung favorisiert – obwohl ein Bund aus ihrer Mitte größte Chancen gehabt hätte. Die neue Vorsitzende im Geschäftsjahr 2012/2013 übernimmt den Dachverband in schweren Zeiten. Dass gerade Krisenzeiten Chancen bieten ist eine Binsenweisheit. Es würde bereits genügen, den Verband wieder zu konstruktiver Arbeit zu führen. Die Zeit impulsiver Posen und rückwärtsgewandter Themensetzungen ist allemal vorbei.

Die DB und das Establishment

Eine DB, der dies über einen signifikanten Zeitraum gelänge, würde schnell an Attraktivität gewinnen. Das linke Establishment in Politik und Medien hat sich – gerade weil es das Potential eines nonkonformen und politisch unkorrekten Akademikernetzwerks in Zeiten der Auflösung politischer Milieus und sozialer Bindungen erkannt hat – selten so offensiv antiburschenschaftlich positioniert. Es will die DB mittelfristig neutralisieren, langfristig zerstören – durch Verächtlichmachung, durch Stigmatisierung. Zudem soll der Verfassungsschutz, dem man zum Schutze linker Gruppierungen in der Regel die "Abschaffung" wünscht, nun als "Hilfstruppe" fungieren. Er soll, medial angetrieben, das Ansehen der Burschenschaften in der Normalbevölkerung durch Erwähnung in diversen Berichten lädieren. Journalistischer Ethos und ein Mindestmaß an Objektivität – SPON ist dafür Paradebeispiel – geraten zum störenden Ballast, jedes Mittel ist nunmehr recht. Dabei wird eine signifikante Unstimmigkeit offenbar: Wäre die DB und die burschenschaftliche Bewegung tatsächlich randständig und bedeutungslos, würde eine solche pointierte und atemlose Berichterstattung kaum Sinn ergeben.

Mag sein, dass die DB in den siebziger Jahren noch nahezu 30.000 Mitglieder zählte, wie linke Journalisten regelmäßig unken. Auch an ihr ist die demographische Entwicklung nicht spurlos vorbeigegangen. Der wahre Substanz- und Machtverlust rührt aber von einer großen Niederlage her: Sie hat die Schlacht um die Hochschulen gegen die 68er-Sturmtruppen und roten Sozialingenieure verloren, die nun das autoritäre und bräsige Establishment der Besitzstandswahrer, Umverteiler und Gesinnungswächter bilden, das um seine Pfründe mit harten Bandagen kämpft. Der Alt-68er Renegat Peter Furth brachte es 2008 in der FAZ auf den Punkt:

Meines Erachtens ist der Antifaschismus ein moralisches Herrschaftsmittel, das der Ausgrenzung von Andersdenkenden dient. Ein so erfolgreiches Instrument lässt man natürlich nicht so ohne Weiteres kritisieren. Die Achtundsechziger sind es schließlich gewohnt, kultureller Hegemon zu sein. Das macht dumm.

Der Kampf ging damals verloren, weil man den Hörsaalstürmern, die Dozenten ohrfeigten, die Universität nivellierten und ihre marxistischen Auflösungsprojekte durch ASTA- und Steuergelder finanzieren ließen, bestenfalls bürgerliche Biederkeit entgegensetzen konnte. Es mangelte an Vitalität, Dynamik und Renitenz.
Burschenschaften werden immer zu einem gewissen Grad der Kultur und den Wertekanon des mittelständischen Bürgertums und damit der Schicht der Leistungsträger verpflichtet sein. Sie können sich daher nicht blindlings rücksichtslos in jede Schanze schlagen. Sie verfehlen aber ihre historische Aufgabe, wenn sie einzig und allein für die reine Fortexistenz und einen geruhsamen Platz am Katzentisch des Establishments streiten. Wer Schulterklopfer in etablierten Medien und Politik sucht, sollte sich beim Roten Kreuz engagieren, eine burschenschaftliche Appeasement-Politik lädt zur Verfolgung geradezu ein. Deshalb muss vom außerordentlichen Burschentag in Stuttgart eine Devise ausgehen: Jetzt erst recht.

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