Joe „Tiger“ Pachler rüstet ab und bekennt sich zur Wehrpflicht

Österreich kennt ihn als Joe „Tiger“ Pachler, einen Wühler im Boxring, wo er seinen größten Erfolg feierte und Europameister wurde. Josef Pachler war aber auch Bundesheer-Angestellter. Am 1. Dezember ging er als Vizeleutnant in Pension. Unzensuriert.at hat die außergewöhnliche Karriere des Kärntners beleuchtet und ihn zur „Wehrpflicht“ befragt.

Im Rahmen der Feier „50 Jahre Heeressport“ in Wien lobte Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) Josef Pachler als herausragende Persönlichkeit und Vorbild. Dass Pachler ein glühender Verfechter der Wehrpflicht ist, wusste der Minister wahrscheinlich nicht. Gegenüber Unzensuriert.at  bekräftigte der Vizeleutnant in Ruhe seine Haltung: „Eines ist klar, die Wehrplicht gehört reformiert. Einen Kaffee im Unteroffiziers-Casino kann ich mir selber auch machen, dazu brauch´ ich keinen Soldaten. Aber ich bin sicher, dass viele von der Zeit beim Bundesheer profitieren. Meine beiden Söhne haben es, einer hat den Führerschein gemacht, der andere Computer-Kenntnisse erworben.“

Ein Berufsheer sei einfach viel zu teuer, das würden alle seriösen  Berechnungen zeigen. Außerdem wäre laut Pachler bei einem Berufsheer auch die Neutralität futsch. „Ich bin mir sicher, dass die Mehrheit der Österreicher für die Beibehaltung der Wehrpflicht ist“, sagt Pachler.

Dokumentation: "Das Auge des Tigers"

Boxexperte Sigi Bergmann zeigte dieser Tage in der Dokumentation "Das Auge des Tigers" auf ORF SPORT+ das beeindruckende Leben des Kärntner Ausnahmesportlers: die schwere Kindheit als Bergbauernbub im Lavanttal, seine größten Erfolge im Boxen mit dem Europameister-Titel als Höhepunkt, den sportlichen Umstieg zum Läufer zahlreicher Marathons und Halbmarathons, seine von allen Seiten beachteten Leistungen als Leiter des Heeresleistungssportzentrum 7 in Faak am See und seine Arbeit als Boxtrainer an der Universität Klagenfurt.
„Es hat bessere Boxer als ihn gegeben“, weiß Bergmann, der alle seine wichtigen Kämpfe kommentierte, „aber diese komplette sportliche Einstellung, diese völlige Hingabe an den Sport, die habe ich so bei einem Sportler nur selten erlebt. Er sagt, dass er dem Sport alles verdankt und dass er den Sport hochhalten will, solange er kann. Bis zum letzten Atemzug.“

Josef Pachler, dreifacher Staatsmeister (1972, 1973, 1981) und Europameister (1978) im Weltergewicht, wurde am 23. Jänner 1950 am Weißenberg bei Ettendorf geboren. Er verlebte eine schwere Kindheit als Bergbauernbub. „Er musste um 5.30 Uhr aufstehen und in den Stall gehen, danach musste er auf seinem Schulweg täglich 700 Höhenmeter bewältigen. Drei Stunden war er immer unterwegs. Im Winter ging er hinter den großen Kindern nach, damit er nicht im Schnee versinkt“, erzählt Bergmann.

Vom Fleischhauerlehrling zum Boxeuropameister

Pachler begann nach der Schule eine Fleischhauerlehre. In der Berufsschule schenkte ihm ein Lehrer ein Paar Box-Handschuhe, mit dem seine Boxkarriere begann. Pachler ging nach Wien zum Bundesheer, um seinen Sport ausüben zu können. Nach rund 90 Amateurkämpfen wechselte er ins Profilager. Bei seinen insgesamt 44 Profikämpfen erreichte er 37 Siege, 13 davon durch K. o. Seinen wichtigsten Kampf bestritt „Joe Tiger“ – diesen Namen gab er sich selbst – am 18. August 1978 in der Stadthalle Villach: Er besiegte den amtierenden Europameister Jörgen Hansen aus Dänemark und holte damit den EM-Titel. Im Liegen, denn der Däne hatte ihm nach dem Schlussgong der achten Runde noch einen Schlag versetzt.

Neben Hans Orsolics, der in dieser Dokumentation ebenfalls zu Wort kommt, ist Josef Pachler heute der letzte noch lebende Box-Europameister aus Österreich. Nach seiner Boxkarriere begann Pachler mit dem Laufsport – in den vergangenen 17 Jahren bestritt er rund 25 Marathonläufe und 40 Halbmarathons. In den vergangenen zwölf Jahren war Pachler als Leiter des Heeresleistungssportzentrums 7 in Faak am See engagiert. Peter Seisenbacher, Thomas Morgenstern, die KAC-Eishockey-Spieler und viele andere Persönlichkeiten erzählten in dieser Dokumentation, warum sie die Arbeit von Pachler in Faak am See ganz besonders schätzten.
Josef Pachler, verheiratet mit Elisabeth, mit der er drei Kinder hat, ging jetzt in Pension. Mit dem Sport hört der Vizeleutnant aber nicht auf. An der Universität Klagenfurt will er weiter als Boxtrainer aktiv sein.

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