Konsumenten ärgern sich über Mogelpackungen

Viel Luft, wenig Inhalt. Beim Einkauf stoßen die Konsumenten immer häufiger auf Mogelpackungen. Darin ist der Luftanteil sehr hoch, einmal wurden gar 71 Prozent gemessen. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat Sünder bei den Lebensmittelherstellern aufgespürt, schon zuvor erlebte die Arbeiterkammer (AK) bei Untersuchungen böse Überraschungen.

Der VKI hatte sich für die Kontrolle des Computertomografen eines Wiener Diagnosezentrums bedient. Herausgekommen sind Bilder, die zeigen, wie wenig Inhalt in manchen Verpackungen steckt. So war etwa in der Spak-Ketchup-Flasche ein Viertel weniger Inhalt zu erkennen. Auch in der Verpackung des Brokkolis von Spar gab es noch jede Menge Platz. Ähnlich sehen die Inhalte von Kellogg´s Cornflakes, Lorenz Nusscocktail, Spar Vital Knabbererdbeeren und Eduscho Kaffeepads aus.

Säcke mit Luft aufgepumpt

Es wird Kunden nicht gerade leicht gemacht, herauszufinden, wie viel sie für ihr Geld bekommen, meint man beim VKI. Möglichkeiten, mehr Inhalt vorzutäuschen, würden flächendeckend genutzt. Jede Marketingabteilung wisse, dass die Größe der Verpackung massiven Einfluss auf das Kaufverhalten der Konsumenten habe. Also würden Säcke mit Luft aufgepumpt, damit sich ihre Füllmenge nicht mehr ertasten lasse. Beutel würden sich in Überkartons verstecken. Sichtfenster würden so angebracht, dass die Verpackung immer randvoll aussieht. Bei den meisten Gläsern und Flaschen könne keiner mehr durchschauen. „Manchmal ist Luft in Verpackungen nötig“, sagen die Tester, „aber dann sollte dieser Luftraum für Kunden auch einsehbar sein“.

Die Konsumenten zahlen drauf

Auch die Wiener Arbeiterkammer hat sich Lebensmittelverpackungen genauer angesehen und erschreckendes festgestellt. Bei 35 untersuchten Produkten von zwei Supermärkten zeigte sich, dass im Durchschnitt nur die Hälfte Inhalt ist, der Rest ist schlicht Luft. Vieles schaut nach mehr aus, als wirklich drinnen ist. „Die Konsumenten zahlen drauf, wenn sie glauben, das Packerl ist voll", sagt Manuela Delapina von der AK. "Das kann nicht sein."
Ab wann und bei welchen Produkten man von „Mogelpackung“ sprechen kann, ist nicht exakt definiert.

Keine Regelung in Österreich

International üblich ist, höchstens einen Luftanteil von einem Drittel der Füllmenge zuzugestehen. Die AK forderte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) auf, per Verordnung das Verhältnis von Füllmenge und Luftanteil festzusetzen. Laut Maß- und Eichgesetz ist er dazu ermächtigt, meint die AK. In Deutschland hält eine Leitlinie fest, dass in Verpackungen ein Luftanteil von maximal 30 Prozent des Gesamtvolumens tolerierbar ist. Die European Breakfast Cereal Association empfiehlt ihren Mitgliedern, bei Müslis, Cornflakes, Frühstücksflocken und dergleichen eine Minimum-Füllmenge von 70 Prozent einzuhalten. In Österreich gibt es keine Regelung.

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