Islamismus: Die “Al Shabaab” und die Bonner Bombe

"Der Heilige Krieg ist unsere Verpflichtung, Tod den Ungläubigen und ihren Knechten" – Der Hassprediger Sheikh Hussein gibt seinen Hörern martialische Worte mit auf den Weg. Besonders herzliche Grüße richtet der Vorbeter an seine "somalischen Brüder". Sie hätten sich bereits mit der Waffe in der Hand auf den Weg zum großen Ziel gemacht: dem islamischen Gottesstaat. "Allahu Akbar" schallt es aus dem mit Teppichen ausgelegten und hell beleuchteten Gebetsraum der "Al-Muhsinin"-Moschee ("Arabischer Kulturverein") zurück. Die mit großem Lob bedachten Somalis unter den anwesenden Gläubigen recken ihre Fäuste in die Höhe.

Unfassbar: Diese irritierende Szene findet nicht am Horn von Afrika, im geschundenen und unregierbaren Chaos-Staat Somalia statt, sondern mitten in Europa: Im rheinischen Bonn, im beschaulichen Stadtteil Beuel. Die ehemalige Bundeshauptstadt gilt bereits seit rund zehn Jahren als "Terror-Hauptstadt", als "Brutstätte" des Islamismus, so BILD und Rheinische Post. Ein gewaltbereites Milieu hat sich hier über Jahre nahezu ungehindert ausbreiten und Strukturen aufbauen können. In ihm geben Salafisten – besonders radikale Steinzeit-Islamisten, die nur eine Gesellschaftsordnung nach frühmittelalterlichem Vorbild akzeptieren und extrem gewaltbereit sind – den Ton an. Das im Jänner erscheinende  Unzensuriert-Magazin berichtet ausführlich über die einschlägige Szene in Bonn.

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Der missglückte Anschlag vom 10. Dezember dokumentiert eindrucksvoll die terroristische Bedrohung, die von der rheinischen Hochburg für die bundesdeutsche Zivilgesellschaft ausgeht. Dass die in einer blauen Reisetasche am Gleis 1 des Hauptbahnhofs platzierte Bombe nicht explodierte, lag lediglich an einer zu schwachen Zündvorrichtung. Das in einem Metallrohr eingeschlossene Ammoniumnitrat hätte – unter Reisenden gezündet – eine verheerende Wirkung gehabt, Tote und Schwerverletzte wären mit Sicherheit zu erwarten gewesen.

Mindestens zwei Männer, mit hoher Wahrscheinlichkeit Schlüsselfiguren aus der salafistischen Dschihad-Szene in Bonn, werden mit Hochdruck gesucht. Gleichwohl: Die Grenzen zwischen kompromissloser Fahndung und medienaffin inszeniertem Aktionismus, der jahrelange Untätigkeit und Verharmlosung überdecken soll, verschwimmen. Was jahrelang verschlafen oder durch die Landespolitik bagatellisiert wurde, lässt sich nicht binnen kürzester Zeit wirkungsvoll eindämmen und bekämpfen. Denn die Szene ist enorm stark geworden: Circa 200 Männer im Bonner Raum gelten den Behörden als "Gefährder", ihnen traut man Terroranschläge zu. Mehrere Moscheen (wie die  berüchtigte "Al-Muhsinin"-Moschee in Beuel) in Bonn dienen als religiös-politische Zentren, eine kaum mehr überschaubare Anzahl an konspirativen Treffpunkten (Call-Shops, Privatwohnungen) stehen darüber hinaus zur Verfügung. Mehr noch: Die Szene ist so groß, dass sie – gleichwohl durch dschihadistisches Gedankengut auf ein Ziel eingeschworen – sich in Gruppierungen um verschiedene Hassprediger und Szenegrößen ausdifferenzieren konnte.

Deutscher Ableger der grausamen somalischen Shabaab-Miliz

Hier kommen die Somalis aus Bonn-Beuel ins Spiel: Pflegte die salafistische Szene in Bonn zunächst Kontakte nach Afghanistan, Pakistan und später nach Ägypten, so haben ihre Köpfe nun auch den "failed state" Somalia, in ihr Terror-Portfolio aufgenommen. Das durch Bürgerkriege ruinierte Land kennt weder eine zentrale Regierung, noch eine funktionierende Verwaltung. Clans und Milizen kontrollieren Teile des Landes und üben eine nicht selten religiös gefärbte Willkürherrschaft aus. Als besonders gefährlich gilt die extrem gewalttätige salafistische Miliz "Al Shabaab" (arab. "Die Jugend"), die in den von ihnen kontrollierten Gebieten gnadenlos die Mittelaltervariante der Scharia durchgesetzt hat und für einen somalischen Gottesstaat kämpft. 2008 wurde in ihrem Machtbereich eine Minderjährige öffentlich gesteinigt, weil sie angeblich außerehelichen Geschlechtsverkehr hatte.

Die Steinzeitislamisten, bis an die Zähne bewaffnet, gelten als kompromisslose Kämpfer, ihre Dschihad-Miliz als gefährlichste afrikanische Terror-Sekte. Seit Jahren ist sie offiziell mit Al Kaida verbündet. Das US-amerikanische Militär bekämpft sie mit Drohnen, in Bonn konnte sich indes nahezu ungestört ein deutscher Ableger gründen. Er nennt  sich unverhohlen und geradezu stolz "Deutsche Shabaab". Etwa 20 somalische Islamisten – darunter einige mit "Gefähder"-Status – verstärkt durch am bundesdeutschen Alltag gescheiterte Konvertiten organisieren die Unterstützung des Heiligen Krieges. Mit Erfolg: Eine Gruppe von fünf Bonnern hatte sich vor Monaten zum Horn von Afrika aufgemacht. Mindestens ein Dschihadist kam dank logistischer Unterstützung durch: Andreas "Ahmet-Khaled" Müller (40), ein in Bonn radikalisierter Konvertit. Er soll zur "Al Shabaab" gestoßen und für Anschlagsplanungen im Nachbarstaat Kenia verantwortlich sein.

Staat finanziert Leben als Vollzeit-Dschihadist

Auch im Hinblick auf die Bombe von Bonn, wird eine Spur in Richtung der "Milizionäre" der Somali-Zelle verfolgt. Sie steht nun (wohlgemerkt: nach dem Aufbau funktionierender Strukturen) ganz oben auf der Fahndungsliste. Der Terror-Export durch die finanzielle und logistische Unterstützung verschiedener Dschihad-Gruppierungen in Asien und Afrika findet durch den "heimischen" Terror gegen die "Ungläubigen" und die verhasste Bundesrepublik eine logische Ergänzung, legt man den islamistischen Anspruch auf Weltherrschaft zu Grunde. "Toleranz" ist nämlich nur angesagt, solange der Islam noch nicht die alleinige Macht genießt.

Eine laxe Einwanderungspolitik, ein Sozialstaat, der eine Art Grundeinkommen ohne regelmäßige Arbeit und damit das Leben als Vollzeit-Dschihadist ermöglicht, eine gute Infrastruktur (Internet, Nahverkehrsmittel) und die großstädtische Anonymität machen westdeutsche Ballungsgebiete attraktiv. Die "Deutsche Al Shabaab" ist die neueste Blüte des Islamisten-Sumpfs am Rhein, ihr gefährliches Wirken ein kaum mehr zu unterschätzendes Fanal. Derlei radikalislamistische Organisationen können dort Spielräume nutzen, Strukturen aufbauen und dem Ziel des Gottesstaates zuarbeiten, wo die Exekutive korrupt, schwach aufgestellt oder politisch gelähmt ist. Diese Merkmale treffen mittlerweile wohl gleichermaßen auf Somalia wie auf Teile der Bundesrepublik zu.

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