Islamistischer Religionsführer will in Pakistan an die Macht

In Pakistan kommt es zu einer Machtprobe. Die islamische Atommacht mit 185 Millionen Einwohnern steht mitten in einer Regierungskrise. Der Oberste Gerichtshof des Landes hat Anfang dieser Woche die Festnahme von Ministerpräsident Raja Pervez Ashraf angeordnet. Grund dafür sind angebliche Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe. Nun weigert sich jedoch die der Regierung unterstehende Anti-Korruptionsbehörde, den Haftbefehl gegen den Ministerpräsidenten zu vollstrecken. Gleichzeitig ruft Muhammad Tahir-ul-Qadri, ein neuer islamistischer Religionsführer, dazu auf, dass das Volk die Macht übernehmen soll.

Premier Ashraf unter massivem Korruptionsverdacht

Der amtierende Ministerpräsident Raja Pervez Ashraf steht unter dringendem Tatverdacht, als Energieminister zwischen März 2008 und Februar 2011 zig Millionen Dollar an Schmiergeld für die Vergabe von Energieprojekten kassiert zu haben. Bei den Projekten ging es um Kleinkraftwerke, die tatsächlich nie gebaut worden sind. Gerichtspräsident Iftikhar Chaudhry ordnete deshalb an, den Regierungschef sofort zu inhaftieren. Dem wiedersetzt sich nun aber Fasih Bokhari, der Leiter der staatlichen Anti-Korruptionsbehörde in Islamabad.

Für Bokhari sind die Beweise gegen den Ministerpräsidenten „nicht stichhaltig“ genug. Dies obwohl seine eigene Behörde die Vorarbeiten für die Entscheidungsfindung des Höchstgerichtes geliefert hat. Nun zweifelt der Behördenleiter diese Beweise selbst an. Das Höchstgericht fordert wiederum die Anti-Korruptionsbehörde auf, die dort gehorteten Beweismittel umgehend und umfassend weiterzuleiten.

Prediger Tahir-ul-Qadri ruft zum Volksaufstand auf

Diesen politischen und rechtlichen Konflikt nützt nun der Religionsführer Muhammad Tahir-ul-Qadri und organisiert den Volksaufstand. Tahir-ul-Qadri rief in Kundgebungen, bei denen sich zuletzt jeweils mehrere zehntausend Anhänger versammelten, zum sofortigen Rücktritt der gesamten Regierungsspitze und des Parlaments auf. Gleichzeitig geht es in seinem Forderungskatalog um eine Wahlrechtsreform und um die umgehende Ausschreibung von Neuwahlen. Mit seinen Forderungen hatte er insofern Erfolg, als die Regierung sich mit ihm auf einen Fahrplan zu Neuwahlen verständigte, die spätestens Mitte Juni stattfinden sollen.

Der Prediger Tahir-ul-Qadri war erst im Dezember2012 nach einem mehrjährigem Kanada-Aufenthalt nach Pakistan zurückgekehrt. Innerhalb weniger Wochen stieg der pakistanisch-kanadische Doppelstaatsbürger mit Hilfe einer millionenschweren Kampagne zum landesweit bekanntesten religiösen Führer auf.

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