Schon eine Million Euro für "Österreicher in Not" gesammelt

20. Januar 2013 - 8:35

In Wien herrschte das Schneechaos, dennoch ließen es sich rund hundert spendenfreudige Gäste nicht nehmen, der Einladung des Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf zu folgen, um beim traditionellen Punschtrinken für einen guten Zweck dem gemeinnützigen Verein "Österreicher in Not" finanziell unter die Arme zu greifen. Steigende Mieten, Arbeitsverlust, Krankheit – es gibt viele Gründe, weshalb man unversehens in die Armutsfalle geraten kann. Umso wichtiger ist es, in einer prekären Lebenssituation einen Ansprechpartner zu finden, der einem vorübergehend hilft, über die Runden zu kommen.

Ein solcher Ansprechpartner ist Helmut Günther, der im Jahr 1993 den Verein "Österreicher in Not" gegründet hat und sich seither unermüdlich für bedürftige Österreicher einsetzt und ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht. Graf würdigte in seiner Rede die Verdienste Helmut Günthers und seines Vereines um das Wohlergehen unserer in Not geratenen Landsleute und animierte seine Gäste, an diesem Abend sowohl ihr Herz als auch ihr Portemonnaie für notleidende Österreicher zu öffnen. Über tausend Menschen konnte in den letzten 20 Jahren mit einer Gesamtsumme von rund einer Million Euro geholfen werden. Unzensuriert.at bat Helmut Günther zum Interview.

Nicht nur ausländische Nachbarn sind in Not

Woraus ist die Idee entstanden, einen Verein zu gründen, der sich exklusiv um Österreicher kümmert?
Helmut Günther: Die Idee ist in den Jahren 1992/1993 entstanden, als in ganz Österreich "Nachbar in Not" hochgeschrieben wurde und ich der Auffassung war, dass es nicht nur außerhalb der österreichischen Grenzen Nachbarn in Not gibt, sondern viele Nachbarn im eigenen Lande, die vielleicht in der Nebenwohnung wohnen, in Not geraten sind und ich der Meinung bin, dass es Grundvoraussetzung ist, dass man zuerst Menschen in Österreich hilft und dann erst groß mit Hilfsaktivitäten ins Ausland geht.

Wie finden bedürftige Menschen zu Ihnen?
Helmut Günther: Meine Telefonnummer ist hinlänglich bekannt. Wenn sich Menschen an Bezirks- oder Landesorganisationen der FPÖ wenden, geben auch diese gerne Auskunft und stellen einen Kontakt mit mir her.

Wie vielen Menschen konnte ihr Verein bereits helfen?
Helmut Günther: Insgesamt waren es in all den Jahren über 1000 Personen, an die rund eine Million Euro an Unterstützungsgeldern ausbezahlt werden konnte. Im letzten Jahr waren es zwischen 40 und 50 Fälle, die an mich herangetreten sind.

Rezession sorgt für besonders großen Ansturm Notleidender

In welchen Fällen können Sie helfen, in welchen nicht?
Helmut Günther: "Österreicher in Not" hilft prinzipiell allen Österreichern, die unverschuldet in eine Notlage geraten sind. Grundvoraussetzung ist die österreichische Staatsbürgerschaft. Ausdrücklich ausgenommen sind Haftentlassene, denn das würde nicht dem Vereinszweck entsprechen. Nicht helfen kann ich, wenn ich kein Geld habe. In Zeiten der Rezession war der Ansturm besonders groß, und da war es auch aufgrund unserer finanziellen Möglichkeiten nicht einfach, allen zu helfen.

Wie finanziert sich "Österreicher in Not"
Helmut Günther: "Österreicher in Not" finanziert sich durch verschiedenste Aktivitäten. Unsere ungefähr 450 Mitglieder bezahlen pro Jahr einen Mitgliedsbeitrag zwischen 50 und 80 Euro. Das ist ein Teil. Ein anderer Teil resultiert aus Veranstaltungen, wo man mit Getränkeverkäufen versucht, mit guten Umsätzen die finanzielle Situation des Vereins zu verbessern. Der Verein schenkt das Geld außerdem nicht immer her. Das würde gar nicht gehen. In bestimmten Fällen, wo abzusehen ist, dass sich die finanzielle Situation wieder verbessert, versucht der Verein, die gewährten Förderungen in kleinen Raten wieder zurück zu bekommen. Es gibt einen Rücklauf, der bei ungefähr 20 bis 30 Prozent liegt.

Schnelle Hilfe bei drohender Delogierung

Hat sich das Profil der Hilfesuchenden und deren Bedürfnisse in den Jahren verändert?
Helmut Günther: Es hat sich verändert. Die Rezession hat dahin geführt dass Menschen in eine Armut versunken sind, die es vor Jahren noch nicht gegeben hat. Wenn ich rechne, dass in Österreich eine Million Menschen unter oder an der Armutsgrenze liegen, dann sieht man, was das bedeutet. Ich helfe hauptsächlich dann, wenn ich sehe, dass jemand in Gefahr ist, dass er seine Wohnung verliert. Dann trete ich direkt mit Wiener Wohnen oder dem jeweiligen Wohnbauträger in Kontakt und leiste auch Einzahlungen, um sicher zu sein, eine Delogierung abwenden zu können.

Welchen Vorschlag hätten sie, damit weniger Österreicher in derartige Notlagen geraten?
Helmut Günther: Man müsste vor allem im Wohnungsbau versuchen, die Mieten leistbar zu gestalten, wobei ich kein Immobilienexperte bin, um hier Lösungsvorschläge vorzubringen.

Unterstützung durch Mitgliedschaft, Spenden oder Organisation von Veranstaltungen

Wie kann man Ihren Verein unterstützen?
Helmut Günther: Den Verein kann man längerfristig durch Mitgliedschaft unterstützen. Man kann auch spenden und auch durch Aktionen, wie sie der Dritte Nationalratspräsident macht, indem er ein Charity Veranstaltung für Österreicher in Not macht, bei der im Vorjahr ein Reingewinn von über 2000 Euro für "Österreicher in Not" erzielt werden konnte.

Spendenkonto:
Österreicher in Not
Kontonummer: 21310214400
BLZ 12000
Bank Austria

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