Verwechslungsgefahr: Türkische Lira ähnelt 2-Euro-Stück

Derzeit kursiert im Internet die Warnung vor der Münze „1 Neue Türkische Lira“, die dem 2-Euro-Stück zum Verwechseln ähnlich sieht, aber deutlich weniger wert ist. Grund zur Panik besteht keiner, zur Vorsicht aber allemal. Die Münzgestaltung stellt in jedem Fall einen weiteren Affront der Türkei gegenüber der EU dar. Nachfolgend einige Fakten dazu.

Vorweg: Warum kein Grund zur Panik? Die Neue Türkische Lira ist zwar seit 1. Januar 2006 das einzig gültige Zahlungsmittel in der Türkei, die Ausgabe war aber bereits am 1. Januar 2005 erfolgt. Das ganze Jahr galten beide Währungen, so wie in Österreich im Januar und Februar 2002 Schilling und Euro. Das heißt salopp formuliert: Wer jetzt noch nicht pleite gegangen ist, weil man ihm so viele türkische Lira angedreht hat, dem wird es jetzt auch nicht mehr passieren.

Währungsreform nach galoppierender Inflation

Bei der Währungsreform 2005 strich man bei der Türkischen Lira kurzerhand sechs Nullen. Aus 1 Million Türkische Lira wurde also 1 Neue Türkische Lira (amtlich „1 Yeni Türk Lirasi“, ISO-Code TRY). Die (alte) Türkische Lira hatte es seit 1928 gegeben, 1971 – 2001 kam es oft zu Phasen galoppierender Inflation. Seit ihrer Ausgabe hat die TRY leicht an Wert gewonnen. Sie ist nicht mehr 0,56 Euro wert, sondern 0,62 (die im Internet kursierenden 0,40 sind falsch). Für Betrogene beträgt der Schaden freilich immer noch 1,38 Euro, sofern man die Münze überhaupt umtauschen kann.

Auf der Rückseite der neuen türkischen Lira-Münzen befindet sich ein Porträt des Gründervaters der Türkischen Republik, Kemal Atatürk. Dieses Motiv birgt eine zusätzliche Verwechslungsgefahr wegen König Albert II., dessen Porträt sich auf der Rückseite sämtlicher belgischer Euro- und Cent-Münzen findet.

100.000 Automaten zum Verschrotten

Da das 1-TRY-Stück aber neben dem ähnlichen Äußeren überdies einige technische Übereinstimmungen mit der 2-Euro-Münze aufweist (das Gewicht stimmt mit 8,50 g genau überein und die Dicke am Rand differiert lediglich um 0,05 mm), entstand in der EU großer Schaden für Automatenbetreiber. Auf eine diesbezügliche parlamentarische Anfrage antwortete Finanzminister Karl-Heinz Grasser am 25. März 2005, dass EU-weit ca. 1,35 Millionen Automaten betroffen seien. Bei den meisten davon koste eine technische Anpassung 15 bis 90 Euro, 100.000 Automaten seien definitiv unbrauchbar geworden. Probleme gebe es auch bei 5.500 Sortiermaschinen, wie sie z. B. bei Banken im Einsatz sind.

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