Hintegründe über Prölls islamistischen Landtags-Kandidaten

Das Kürzel ATIB steht für „Avusturya Türk Islam Kültür ve Sosyal Yardimlasma Birligi“ (frei übersetzt „Österreichs Türkisch-Islamische Kultur- und Sozial-Hilfsgemeinschaft“) und ist die Auslandsabteilung des Türkischen Religionsamtes DIB in Ankara. ATIB ist der türkischen Botschaft weisungsgebunden. Die Organisation wurde 1990 gegründet. So wie DIB war auch ATIB eine Idee der kemalistischen türkischen Staatsführung, die argusäugig über die aus der Politik verbannte islamische Geistlichkeit wachte. 

Als in den 1990er Jahren die Islamisten in der Türkei aufkamen (deren Führer noch nicht Erdogan, sondern Erbakan hieß) und sich vor allem durch Spenden der Auslandstürken finanzierten, wollte ATIB mit ihren Moscheen den Islamisten in Österreich das Wasser abgraben, nach dem Motto „Wenn ihr religiös sein wollt, dann kommt lieber zu Papa Staat“. Jeder Konflikt mit dem Gastgeberland wurde tunlichst vermieden. Als ATIB 1995 erstmals ihr islamisches Zentrum in der Dammstraße in Wien-Brigittenau erheblich ausbauen wollte und alle vier Parteien in der Bezirksvertretung sich dagegen aussprachen, steckte die Führung augenblicklich zurück. 

Erdogan machte Religionsamt zu seinem Instrument

Mit der Machtübernahme Erdogans 2002 fielen diesem auch das Religionsamt und ATIB in die Hände. Was gegen ihn gedacht war, konnte er nun für sich nutzen. ATIB bekam damit einen Chef, der 1998 von den Kemalisten zu einer Haftstrafe verurteilt worden war, weil er als bekennender Verfechter der Scharia bei einer Wahlveranstaltung sagte: „Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“ In diesem Sinne begann ATIB nicht nur die Dammstraße gegen alle Widerstände auszubauen, sondern errichtete auch Moscheen mit Minaretten, etwa in Bad Vöslau, wo der offizielle „Projektmanager“ Selfet Yilmaz war, der nun für die ÖVP von Landeshauptmann Erwin Pröll bei der niederösterreichischen Landtagswahl kandidiert.

Die „Islam-Landkarte“ der Universität Wien weiß zu ATIB Folgendes zu berichten:

Die gesamte Aufgabenstellung der ATIB wird von Ankara aus durch die DIB determiniert: Verwaltung und Kontrolle der Moscheen, die befristete Abordnung, Besoldung und Kontrolle der verbeamteten Imame und Seelsorgerinnen, die Herausgabe religiösen Schrifttums, die Organisation von Korankursen, die Klärung theologischer Fragen und die Organisation von Pilgerfahrten. Die als türkische Staatsbeamte tätigen Imame, welche der ATIB durch die DIB jeweils für vier Jahre zur Verfügung gestellt werden, sind mit den gesellschaftlichen Verhältnissen in Österreich wenig vertraut und der deutschen Sprache – trotz eines obligaten Sprachkurses – nur selten mächtig.

In der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) machte 2011 die arabische Minderheit Platz für die türkische Mehrheit. ATIB erreichte dank 63 Moscheen und Gebetshäusern Platz 1. Der in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachteten Fundi-Organisation Milli Görüs überließ man den Bundesvorsitzenden und übernahm dafür Wien. Mit ATIB-Mann Selfet Yilmaz im Boot – der übrigens stolz auf seinen 34. Platz auf der Landesliste ist, weil diese Zahl mit dem Istanbuler Kfz-Kennzeichen ident ist – beweist Pröll, dass er für den Machterhalt alles andere über Bord zu werfen bereit ist.

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