Das Land bin ich, d rum wählet mich: Post von Erwin Pröll

Das Gebiet des heutigen Österreich wurde Jahrhunderte lang von Kaisern, Herzögen und Fürsten regiert. Sie hoben Steuern ein, die sie nach eigenem Gutdünken verwendeten, und ihr Wort war Gesetz. Kritik an ihnen war nicht zulässig und wurde als Majestätsbeleidigung geahndet. Ein ähnliches Amtsverständnis hat wohl Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll. Die absolute Mehrheit im ÖVP-Kernland scheint ihm im Lauf der Jahre gehörig zu Kopf gestiegen zu sein. Kritik an seiner Person wertet er nicht nur als Majestätsbeleidigung sondern, wie er bisweilen von seinen Parteisekretären zum Besten geben lässt, auch als Angriff auf das ganze Bundesland. In seinem Herrscherwahn vereinnahmt er alle Niederösterreicher in Bausch und Bogen. „Der Staat bin ich“, war der Leitspruch absolutistischer Herrscher, „das Land bin ich“ scheint für Pröll zu gelten.

Zweitwohnsitzer bekommen Brief

Neues Objekt Pröll scher Begierde sind nun jene Bürger, die ihren Zweitwohnsitz in Niederösterreich haben und damit am 3. März auch wahlberechtigt sind. Vor knapp zwei Wochen flatterte ihnen ein Brief des Landeshauptmanns ins Haus. „Dr. Erwin Pröll“ und „Landeshauptmann“ prangt in großen Lettern am Briefkopf. Staatstragend weist er darauf hin, dass man wahlberechtigt sei und sein Wahlrecht doch in Anspruch nehmen solle. Und dann kommt´s: Eingebettet in seinen Appell, zur Wahl zu gehen, wirbt er auch gleich ungeniert für seine Person, denn er hätte ja mit dem Wiener Bürgermeister eine „persönlich einvernehmliche Zusammenarbeit“ aufgebaut, die er weiterführen wolle. Darum solle man ihn doch bitte wählen.

Prölls Kumpanei schadet Pendlern

Tatsächlich scheint es so, als wollten einander Häupl und Pröll nicht weh tun. Kein Wort des Missfallens war etwa von Pröll zu hören, als zum Schaden niederösterreichischer Pendler in Wien die Parkpickerlzone erweitert wurde. Eine Verlängerung der U-Bahnen ins Wiener Umland scheint für Pröll auch kein vorrangiges Thema zu sein, weiß man doch, dass Häupl kein Freund eines solchen Anliegens ist. Vielleicht haben die beiden Freunde auch schon einmal über die Freuden einer Koalitionsregierung mit den Grünen geplaudert. Biedert sich in Niederösterreich doch schon längst die Grüne Frontfrau Madeleine Petrovic durch höfliches Wohlverhalten an den niederösterreichischen Sonnenkönig an.

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