Aller Rechte beraubt: Szekler kämpfen in Rumänien um Selbstbestimmung

Wien ist am morgigen Sonntag, 10. März, Zentrum für eine ungewöhnliche Solidaritätskundgebung. Um 15 Uhr startet vom Stephansplatz aus ein Demonstrationszug zur rumänischen Botschaft in der Prinz-Eugen-Straße, um auf eine Ungerechtigkeit in Siebenbürgen aufmerksam zu machen: Dort kämpft das ungarische Volk der Szekler für Freiheit und Selbstbestimmung.

Laut „Solidaritätskomitee für Siebenbürgen – Forum Mitteleuropa“ werden von der rumänischen Regierung sogar die allerbescheidensten Autonomiewünsche der Szekler im Keim erstickt. Die Schikanen anlässlich der Entfernung der traditionellen Szekler-Fahne als Symbol der Identität sind nur Teil einer ganzen Reihe von Demütigungen, gezielten Beleidigungen und Diskriminierungen der ungarischen Bevölkerung und das äußere Zeichen einer tiefen Krise.

Verletzung grundlegender Menschenrechte

Die Spannungen, die laut Komitee von der rumänischen Regierung verursacht werden, laufen Gefahr, in einen gefährlichen Konflikt zu münden, wenn es zu keiner Lösung kommt. Für die bisher sehr geduldigen und bescheidenen Szekler ist das Maß voll: sie beginnen erstmalig zu protestieren und zu demonstrieren – derzeit in Marosvásárhely (Neumarkt am Mieresch//Tirgu Mures).

„Die gemeinsame mitteleuropäische Geschichte und unser gemeinsames mitteleuropäisches Schicksal verpflichten uns zur Solidarität mit den Szeklern, ihre Forderungen sind legitim und gerecht. Die Verletzung grundlegender Menschenrechte ist keine interne Angelegenheit des rumänischen Staates“, sagt die Wiener Rechtsanwältin Eva Maria Barki, die diese Kundgebung am Sonntag mitorganisiert.

Szekler wollen Recht auf Selbstbestimmung

Das Volk der ungarischen Szekler will nichts anderes als das, was jedem anderen Volk der Welt zusteht: Das in Artikel 1 der UNO- Menschenrechtspakte verbriefte Recht auf Selbstbestimmung, welches lautet: „Alle Völker haben das Recht auf Selbstbestimmung. Kraft dieses Rechtes entscheiden sie frei über ihren politischen Status und gestalten in Freiheit ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung.“

Grenzwächter gegen Angriffe aus dem Osten

Die Geschichte der ungarischen Szekler in Siebenbürgen ist untrennbar mit der Geschichte Ungarns, aber auch mit dem Habsburgerreich verbunden, in welches Siebenbürgen im Jahr 1711 – nachdem es 150 Jahre lang ein selbständiger Staat war – einverleibt wurde. Als innerhalb des Karpatenbogens gelegene östlichste Grenzregion haben die Szekler durch Jahrhunderte hindurch nicht nur Ungarn, sondern ganz Europa gegen die zahlreichen Angriffe aus dem Osten verteidigt und geschützt und damit als Grenzwächter einen ähnlichen Stellenwert eingenommen wie die Tiroler im Habsburgerreich. Die vielen Parallelen zeigen sich nicht nur in der Mentalität dieser beiden Völker, ihrem Streben nach Freiheit und Selbständigkeit, in der Entwicklung einer ureigenen, bodenständigen Kultur und Identität, sondern auch in ihrem tragischen geschichtlichen Verlauf. Beide Völker wurden in den Friedensdiktaten des Ersten Weltkrieges in Verletzung des damals erstmals proklamierten Selbstbestimmungsrechtes der Völker – das heißt ohne Volksabstimmung – unter Fremdherrschaft gestellt: ein Teil Tirols kam unter italienische, das Szeklerland und ganz Siebenbürgen unter rumänische Herrschaft.

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