In der neuen Eurozone ist kein Anleger mehr sicher

Seit dem Schnüren des „Rettungspakets“ für das marode Euromitgliedsland Zypern gilt eines als sicher: In dieser „neuen“ Eurozone ist kein Anleger mehr sicher. Galt bisher der Anlegerschutz innerhalb von Europäischer Union und Eurozone als absolute Größe, so ist er seit Zypern nichts mehr wert. Durch diesen Präzedenzfall sind die Sparer europaweit in höchstem Maße verunsichert. Anleihegläubiger bei Banken und Sparer sind mit hohen Verlusten konfrontiert, die jede mittel- und langfristige Finanzplanung zerstören. Sollten weitere Staaten wie etwa erneut Griechenland, Slowenien, Spanien oder gar Italien unter den Eurorettungsschirm wollen, dann kann dies im Vorfeld zu einem Bankensturm und einer Anlegerflucht führen.

Tabubruch Zypern hat langfristige Folgen

In den letzten drei Jahren hatten sich die Regierungspolitiker in der Eurozone bemüht, die Spareinlagen sowie die Gelder vorrangiger Anleihegläubiger bei Rettungsaktionen unangetastet zu lassen. In Spanien waren die Inhaber vorrangiger Bankanleihen verschont geblieben, bei der maroden Bankia Group wurden nur nachrangige Anleihegläubiger sowie Vorzugsaktienbesitzer in die Pflicht genommen. Auch in Griechenland war die Restrukturierung bei Staatsanleihen so abgewickelt worden, dass ein Zahlungsausfall vermieden wurde. Mit einem teilweisen Totalverlust von Einlagen und Ansprüchen wurde auf Zypern nun der Tabubruch geprobt.

Ansturm auf Banken- und Finanzinstitute könnte drohen

Vieldeutig gibt sich diesbezüglich der Ökonom Christopher Pissarides, gleichzeitig auch Berater der zypriotischen Regierung: „Es gibt jetzt eine neue Regel und jeder in der Eurozone muss sich anschauen, was das für seine Finanzen bedeutet“.  Noch eindeutiger der sozialdemokratische Finanzminister der Niederlande und Vorsitzende der Eurogruppe Jeroen Dijsselbloem in Richtung der Staaten mit angeschlagenen Banken: „Das bedeutet: Klärt das, bevor es zu Schwierigkeiten kommt. Stärkt Eure Banken, repariert die Bilanzen und seid Euch im Klaren darüber, wenn Banken in Probleme geraten, kommen wir nicht automatisch, um sie zu lösen.“

Laut Dijsselbloem müssen Banken in Schwierigkeiten zukünftig damit rechnen, dass sie nicht mehr automatisch gerettet werden. Das könnte bei Schwierigkeiten der Startschuss für eine Anlegerflucht sein, die das gesamte Finanzsystem in Schieflage bringen könnte.

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