„Nazidiktion“ am Cover: Gutmenschen prügeln aufeinander ein

Ist der Ausdruck „Mischling“ Nazi-Diktion und darf man ihn daher nicht verwenden? Diese Frage wird derzeit heftig in Internetforen wie DerStandard.at und DiePresse.com diskutiert. Grund ist ein Cover auf der häufig mit Inseraten aus öffentlichen Geldern finanzierten Multikulti-Zeitschrift Das Biber mit dem dazugehörigen Text: „Mischlinge. Erkennst du den Mix?“

Auf dem Titelblatt dieses Stadtmagazins sind neun Menschen abgebildet – und im Heft findet man den Test zu den Bildern, bei dem es darum geht, die Herkunft der Abgebildeten zu erraten. Was zu harscher Kritik führte. Denn das Wort „Mischling“ sei für viele ein Affront, sei dieses doch durch die Rassentheorien der NS-Zeit negativ besetzt, heißt es in den Kommentaren. Gegenüber DiePresse.com sagt der stellvertretende Chefredakteur des Magazins, Amar Rajkovic: „Das Wort Mischling ist für uns eine harmlose Geschichte.“ Dass dem Blatt „Nazi-Diktion“ vorgeworfen wird, könne er nicht nachvollziehen. Diese Zuschreibung „passiert in den Köpfen der anderen“, meint Rajkovic. Zwar wisse er, dass „Mischling“ negativ behaftet sei, aber er wolle Worte wie diese nicht den Rechten überlassen. „Ich bin auch ein Mischling“, sagt Rajkovic, selbst halber Moslem, halber Katholik. „Für mich ist das ein Kompliment. Je bunter desto besser!“

Standard-Redakteurin: „Mischling-Test ist purer Rassismus“

Rajkovic nennt die Angelegenheit „eine Spaßgeschichte“, doch ausgerechnet eine ehemalige Biber-Redakteurin, die jetzt beim Standard arbeitet, macht ihm das Leben schwer. Olja Alvir meint in DiePresse.com, das Cover folge der „typischen Biber-Methode“. Nur weil jemand dieses Wort im privaten Rahmen oder im Spaß verwende, sei es noch lange nicht legitim, dies in den Medien zu tun. Mit der Aktion geht sie hart ins Gericht: Überhaupt sei die Idee des „Mischling“-Tests, nämlich dass man die Herkunft am Aussehen festmachen könne, „purer Rassismus“, so Alvir.

Interessant ist, wie sich das Magazin Biber selbst definiert:

Als einziges österreichisches Magazin berichtet das biber direkt aus der multiethnischen Community heraus – und zeigt damit jene spannenden und scharfen Facetten Wiens, die bisher in keiner deutschsprachigen Zeitschrift zu sehen waren. Das biber reflektiert das Lebensgefühl einer neuen Generation, schwingt dabei aber nicht die moralische Integrationskeule. biber lobt, attackiert, kritisiert, thematisiert, feiert. biber ist intelligent, kritisch und stylisch.

Es scheint, als ob hier Gutmenschen gegen Gleichgesinnte kämpfen, um sich selbst zu Nochbessermenschen zu machen. Oder um in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden.

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