Österreicher sind die Chinesen Europas

Ausgerechnet im Zentralkomitee der kommunistischen Partei Chinas, wo eine politische Delegation unter der Leitung des Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf von der Vizepräsidentin des Internationalen Büros, Yu Xiaoxuan, empfangen wurde, überraschten die Gesprächspartner mit Offenheit und selbstkritischer Einschätzung.

Yu betonte, dass seit der Präsidentschaft von Xi Jinping die Menschen in China wieder in den Mittelpunkt aller Bemühungen gerückt werden sollen. Die Partei wolle sich mehr um die Wohlfahrt der 1,3 Milliarden Menschen im Staat kümmern. China werde im Ausland, auch in Österreich, als sehr starkes, großes Land gesehen, das mache vielen Angst. Doch dürfe man nicht vergessen, dass China auch ein Entwicklungsland sei. Viele Regionen seien so arm wie Gebiete in Afrika mit den gleichen sozialen Problemen. Die neue Regierung unter Xi Jinping habe sich beim 18. Parteitag die große Aufgabe gestellt, die Lebensqualität der Gesamtbevölkerung zu erhöhen, ohne aber gleichzeitig die Umwelt zu belasten.

Immer mehr Reiche, aber auch mehr Arme

Graf sagte, dass es immer mehr reiche Chinesen, aber auch immer mehr arme gebe. Das sei in einem kapitalistischen System verständlich, in einem kommunistischen aber bemerkenswert. Dies sah die Vizepräsidentin des Internationalen Büros, Yu Xiaoxuan, nicht anders. Sie sehe das durchaus selbstkritisch, doch China sei in einer Umbauphase. Die vor 30 Jahren gestartete Öffnungspolitik habe für den Markt sehr viele positive, aber auch negative Auswirkungen gebracht. In einem so großen Land wie China sei das nicht immer zu kontrollieren. Man werde wohl an die hundert Jahre benötigen, um eine Entwicklung wie im Westen zu haben. „Die Marktöffnung war für uns eine neue Sache, sodass das Sozialsystem dafür noch nicht aufgebaut ist“, sagte Yu. Hier müsse man noch viel Erfahrungen sammeln. Sie lobte in diesem Zusammenhang das Land Österreich. Die Österreicher, so die hohe Politikerin in Peking, hätten einen ähnlichen Charakter wie die Chinesen: „Wir sagen es bei uns oft, dass die Österreicher die Chinesen in Europa sind.“

Ein Kind-Politik nicht so strikt

Auf die Ein-Kind-Politik angesprochen, sagte Yu, dass die Familienplanungspolitik nicht so strikt sei, wie in Europa angenommen. So gebe es in den Minderheitsregionen des Landes überhaupt keine Ein-Kind-Politik. Allgemein gelte, dass ein Paar, das ein Mädchen bekommt, auch einen Sohn zur Welt bringen darf. Der chinesischen Tradition nach müsse nämlich der Sohn für die Familie sorgen.

Graf und die Delegierten, denen neben dem Zweiten Wiener Landtagspräsidenten Johann Herzog auch die beiden freiheitlichen Nationalratsabgeordneten und Mitglieder der bilateralen parlamentarischen Gruppe Österreich-China, Max Linder und Alois Gradauer, sowie die Wiener Landtagsabgeordneten Ute Meyer und Bernhard Rösch angehören, zeigten sich von den offenen Worten im Zentralkomitee der kommunistischen Partei überrascht und erfreut. Hier werde über die Probleme des Landes freier gesprochen als manchesmal in der EU, in der der Euro kompromisslos schön geredet werde, war der einhellige Tenor der Gruppe.

Niedrigenergiehaus als Botschaftsgebäude

Unter der Leitung des Dritten Nationalratspräsidenten brach die Delegation, der auch Wirtschaftsleute angehören, zu einer zwölftägigen China-Reise auf. Neben Peking werden auch Hangzhou, Shanghai, Hongkong und Macau Stationen des Besuchs sein. In Peking lud aus diesem Anlass Botschafterin Irene Giner-Reichl zu einem Mittagessen. Hier kam zur Sprache, dass das sehr gute österreichische Image in China noch intensiver gefördert werden sollte. Als ausbaufähig bezeichnete die Botschafterin die kulturellen Beziehungen, außerdem – so Giner-Reichl – könnte sich Österreich als führendes Land für Umwelttechnologie zum Beispiel mit einem Niedrigenergiehaus als Botschaftsgebäude gut repräsentieren.

Apropos Technik: An der Pekinger Universität für Technik, wo 20.000 Jugendliche studieren und auf dem Camp wohnen, gab es den Wunsch nach Kooperationen mit österreichischen Hochschulen. Dass diese zustande kommen, dafür wollen Martin Graf als Wissenschaftssprecher der FPÖ und Birgit Murr von der Zukunfts- und Technologie-Sektion der österreichischen Botschaft in Peking gemeinsam sorgen.

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