Tarifstreit gefährdet Krankentransporte in der Steiermark

Zwischen den steirischen Rettungsorganisationen und der Gebietskrankenkasse (GKK) schwelt seit Monaten ein heftiger Tarifstreit. Das Rote Kreuz, das Grüne Kreuz und der Samariterbund fordern mit Nachdruck eine Tariferhöhung bei den Krankentransporten. Grund dafür sind die eklatanten Kostensteigerungen bei Personal, Treibstoff und Material. Die 600.000 Transporte pro Jahr können nicht mehr kostendeckend gefahren werden, warnen die Rettungsdienste einhellig. Alleine beim Roten Kreuz verursachen die Krankentransporte jährlich einen Verlust in Höhe von 2,5 Millionen Euro.

Seit 13 Jahren ist der Tarif zwischen den Krankentransportdiensten und den Sozialversicherungsträgern unverändert, obwohl der Verbraucherpreisindex in dieser Zeit um 31,24 Prozent, der Dieselpreis sogar um über 125 Prozent angestiegen ist. Lediglich einmal gab es eine Inflationsanpassung von 3,5 Prozent. So ist es aktuell der Fall, dass ein qualifizierter Krankentransport mit modernstem Rettungswagen inklusive perfekt ausgebildetem Sanitäter billiger ist, als eine Fahrt mit dem Taxi. Fährt man mit einem Taxi vom Grazer Flughafen nach Graz-Eggenberg so sind – je nach Verkehrslage – etwa 30 Euro zu bezahlen. Ein Krankentransport kommt für die gleiche Strecke auf nicht einmal 18 Euro.

Rettung warnt vor Einschränkungen

„Während allein der Dieselpreis in den letzten Jahren um über 125 Prozent gestiegen ist, bezahlt die Sozialversicherung lediglich 3,5 Prozent mehr“, kritisiert der steirische Rot-Kreuz-Präsident Gerald Schöpfer gegenüber dem ORF-Steiermark. „Ich glaube, es wird jeder begreifen, dass man zu diesen Tarifen nicht mehr fahren kann“, so Schöpfer. Sollte der Beitrag nicht angepasst werden, werde das zu Qualitätseinbußen im Krankentransport führen: „Stundenlange Wartezeiten aufgrund weniger Personal und weniger Fahrzeuge sind die Folgen“. Ein Ärgernis ist für die Rettungsorganisationen auch, dass die Steiermärkische Gebietskrankenkasse zuletzt schwarze Zahlen schrieb und einen Bilanzgewinn von 48,64 Millionen Euro auswies, sich allerdings beharrlich weigert, den Tarif kostendeckend anzupassen.

GKK-Obmann: „Völlig unfähige Mannschaft beim Roten Kreuz“

Die Krankenkasse selbst will im Tarifstreit nicht als Sündenbock dastehen und spricht von Populismus, der vom Roten Kreuz ausgehe. „Eine völlig unfähige Mannschaft, die da am Werk ist, an der Spitze des Roten Kreuzes. Und sie versuchen die Bevölkerung und die Beschäftigten in Geiselhaft zu nehmen“, ärgert sich Obmann Josef Pesserl. Die Krankenversicherung bezahle jetzt schon rund das Dreifache dessen, wofür sie gesetzlich zuständig sei. „Trotzdem haben wir dem Roten Kreuz ein sehr, sehr weitreichendes Angebot gemacht (Tariferhöhung um 10 Prozent, Anm. d. Red.). Wir wissen, dass der Aufwand für einen Kilometer Transport mit einem Sanitäter bei Vollkosten bei 1,17 Euro liegt und wir sind a) nur für einen Kostenzuschuss zuständig und b) bezahlen jetzt schon 1,30 Euro“, so Pesserl.

Krankenkassenvertrag gekündigt

Weil sich die Krankenkasse also weigert, der geforderten Tarifanpassung von 19,5 Prozent nachzukommen, hat das Rote Kreuz Ende April seinen Vertrag über die Krankentransportdienste gekündigt. Vorerst hat das noch keine Auswirkungen für die Patienten. Bis 1. Juli läuft nämlich die Kündigungsfrist. Sollte es bis dahin keine Einigung geben, müssten Patienten ihre Krankentransporte aller Voraussicht nach selbst bezahlen und sich den Betrag dann von der Krankenkasse refundieren lassen. Der nicht erstattete Mehraufwand käme die Patienten, insbesondere die bettlägrigen und gehbehinderten, letztendlich teuer zu stehen.

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